Eine Pflegerin steichelt einem bettlägrigen alten Mann über den Kopf.
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Pflege geht ins Geld

Die Kritik an der staatlichen Förderung zur privaten Pflegeversicherung reißt nicht ab. Nach Ansicht des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, ist der sogenannte Pflege-Bahr wenig hilfreich.

Bonn - 27.11.2012

"Zusatzversicherungen mögen für Reiche erschwinglich sein. Bürger mit niedrigem Einkommen können sich solche Verträge auch mit einer Bahr-Förderung nicht leisten", sagte Schlenker anlässlich der Vorstellung des Pflegereports 2012 der Krankenkasse am Dienstag in Berlin.

Ab Januar 2013 soll ein von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingebrachtes Gesetz gelten, nach dem der Staat den Versicherten fünf Euro pro Monat hinzugibt, wenn sie monatlich mindestens zehn Euro in eine private Pflegezusatzversicherung investieren. Für die Barmer GEK ist dies aufgrund der hohen Kosten für die Pflege "allenfalls wie der Tropfen auf den heißen Stein".

31.000 Euro für die eigene Pflege

Pflegedürftigkeit kann dem Pflegereport zufolge richtig ins Geld gehen. Nach Angaben der Krankenkasse müssen Pflegebedürftige im Durschnitt 31.000 Euro aus eigener Tasche zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung beisteuern. In Extremfällen liege der Eigenanteil bei bis zu 305.000 Euro. Der Staat zahlt im Schnitt 33.000 Euro pro Pflegebedürftigem.

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Bruder Paulus fragt: Wie gehen wir mit pflegebedürftigen Menschen eigentlich um?

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband äußerte sich kritisch zu den hohen Gesundheitskosten. "Die Privatisierung des Pflegerisikos bürdet Menschen mit geringem Einkommen unzumutbare Lasten auf, verschärft die gesundheitliche Chancenungleichheit in Deutschland und wird die chronische Unterfinanzierung der Pflegeversicherung nicht beheben", sagte der Vorsitzende Rolf Rosenbrock. Menschen mit wenig Einkommen hätten kein Geld für eine private Zusatzversicherung übrig und würden sich auch zukünftig die Differenz zwischen Versicherungsleistungen und realem Bedarf nicht leisten können, so Rosenbrock. "Im Ergebnis werden immer häufiger die finanziell ohnehin überlasteten Kommunen über die Sozialhilfe einspringen müssen."

Für den Pflegereport der Krankenkasse hatte ein Team um Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen die Kosten für rund 2.000 Versicherte ab 60 Jahren analysiert, die im Jahr 2000 erstmalig pflegebedürftig geworden waren. Dazu wurden die Ausgaben der Sozialen Pflegeversicherung in den Jahren 2000 bis 2011 summiert, erwartete Kosten bis 2024 haben die Autoren geschätzt.

Steigt oder sinkt die Zahl der Pflegebedürftigen

Laut Barmer GEK ist die Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2011 erstmals weniger stark gewachsen als in den vergangenen Jahren. In den kommenden zwei Jahrzehnten werde der Zuwachs sogar noch weiter zurückgehen. Weiter teilt die Krankenkasse mit, dass der Anstieg der Pflegebedürftigen regional sehr unterschiedlich ausfalle und in den ostdeutschen Bundesländern stärker sei als in den westdeutschen.

Nach Ansicht des paritätischen Wohlfahrtverbands wird die Zahl der Pflegebedürftigen angesichts der demografischen Entwicklung trotzdem stark ansteigen, auch wenn die Dynamik etwas abgeschwächt ist. "Womit wir uns vor allem in Zukunft viel stärker werden auseinandersetzen müssen sind die Themen Demenz und Multimorbidität", sagte ein Sprecher des Verbands gegenüber katholisch.de "Je älter die Menschen werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Demenz erkranken und wenn sie dann pflegebedürftig werden, nicht nur eine Krankheit haben. Darauf ist unser Pflegesystem noch lange nicht ausreichend vorbereitet." (meu/stz)