Frage: Was macht ein gutes Spiel aus?
Antwort: Ein gutes Spiel darf nicht langweilig sein. Das kann ein kurzes Würfelspiel oder ein zwei Stunden dauerndes Strategiespiel sein. Wichtig ist, dass ich als Spieler immer in die Partie eingebunden bin und das etwas im Spielverlauf passiert. Ein Spiel ist dann gut, wenn sich die Teilnehmer darüber unterhalten.
Frage: Nach welchen Kriterien bewertet die Jury denn ein Spiel?
Antwort: Wir haben bestimmte Bewertungskriterien. Es kommt auf Originalität an, die Regeln müssen stimmig und nachvollziehbar sein, das Material muss gut sein und zum Spiel passen. All diese funktionellen Dinge sind entscheidend für ein Spiel.
Frage: Testen sie jedes Spiel?
Antwort: Ja, ich probiere die Spiele in verschiedenen Spielrunden mit Freunden und in meinem Spieleclub aus. Ich gebe zum Beispiel auch mal ein Spiel an eine befreundete Familie zum Testen ab. Da ich nicht dabei bin und die Regeln nicht erkläre, erfahre ich anschließend eine ganze Menge und bekomme interessante Rückmeldungen. Auch das Urteil meiner Kinder und meiner Familie ist mir wichtig, doch schlussendlich zählt die Meinung der Jury.
Die Computerspiele sind nicht die große Konkurrenz, sondern schlechte Brettspiele.
— Bernhard Löhlein, Jurymitglied "Spiel des Jahres e.V."
Frage: Sie testen die Spiele auch mit Ihrer Familie?
Antwort: Ja, mit meiner Ehefrau und den drei Kindern. Wir sind sozusagen die Erstbegutachter. Ich spiele fast täglich. Wenn meine Tochter von der Schule nach Hause kommt, sage ich manchmal mal zu ihr: ‚Hausaufgaben kannst du später machen, wir müssen erst mal spielen.‘ (lacht)
Frage: Wohin geht der Trend bei den Spielen?
Antwort: Kommunikationsspiele wie „Tabu“ oder „Therapy“ sind wieder im Kommen. Man hat sie früher etwas abschätzig als Partyspiele bezeichnet, aber es gibt eine neue Generation an Kommunikationsspielen, die viel Fantasie fordern und gehobener sind.
Ein anderer Trend, den ich beobachte, sind Würfelspiele. In dem Bereich haben die Verlage viele Spiele auf den Markt gebracht. Da geht es wieder ‚back to the roots‘. Der Würfel ist ja ein archaisches Element, bei dem der Glücksfaktor nicht beeinflussbar ist. Die Zeit der Strategiespiele ist zwar nicht vorbei, aber in der Jury spüren wir schon, dass viele Leute lieber ein entspannendes als ein komplexes Spiel spielen wollen.
Frage: Deshalb haben sie ja auch die Kategorie Kennerspiel des Jahres eingeführt.
Antwort: Ja, genau. Wir haben den Preis vor zwei Jahren eingeführt. Wir wollten bewusst trennen zwischen eher anspruchsvollen Spielen und solchen mit einer kürzeren Dauer und einen leichteren Zugang.
Jedes Jahr vergibt die Jury die Auszeichnung "Spiel des Jahres". Dieses Zertifikat steht auf den Spieledeckeln zur Orientierung.
Frage: Immer mehr sind virtuelle Spiele im Kommen. Werden Brettspiele bald vom Markt verschwinden?
Antwort: Nein. Studien und auch der Absatzmarkt sprechen eine andere Sprache. Sie zeigen, dass das klassische Brettspiel immer noch gefragt ist. Die Computerspiele sind auch nicht die große Konkurrenz, sondern schlechte Brettspiele. Wer einmal vergrault wurde, merkt leider nicht, welche Perlen es eigentlich gibt. Außerdem hat ein Brettspiel viele Vorteile gegenüber einem PC-Spiel. Bei einem Brettspiel können sie mit der ganzen Familie, mit allen Generationen spielen. Bei der Spielekonsole ist das schon schwieriger.
Frage: Was fasziniert Sie persönlich am Spielen?
Antwort: Wer spielt hat überhaupt mehr vom Leben. Das Spiel fördert alle Lebensbereiche eines Menschen wie die Kommunikation, emotionale Kompetenz und es macht schlau und fördert die motorischen Fähigkeiten. Wer spielt, gewinnt immer. Meiner Meinung nach, ist da das Brettspiel alternativlos.
Frage: Sie arbeiten im Bistum Eichstätt. Haben Sie mit Bischof Hanke auch schon mal ein Spiel gespielt?
Antwort: Leider nicht. Ich weiß nicht, ob Bischof Hanke privat spielt. Aber ich würde ihn gerne einmal davon überzeugen, wie toll Brettspiele sind. Vielleicht ergibt sich ja mal eine Gelegenheit (lacht).
Das Interview führte Saskia Gamradt
Spieleemfpehlung
Spiel des Jahres 2012: "Kingdom Builder" für 2-4 Spieler Alter: ab 8 Jahre Verlag: Queen Games Ein typisch, klassisches Brettspiel, bei dem die einzelnen Spieler ihr Königreich vergrößern müssen. Das Spiel ist sehr bunt und farbenfroh. Weitere Empfehlungen der Jury Kinderspiel des Jahres 2012: "Schnappt Hubi!" für 2-4 Spieler Alter: ab 5 Jahre Verlag: Ravensburger Gemeinsam muss man in einem noch undurchsichtigen Raum Wände, Mauern und Türen finden, um ein Gespenst zu fangen. Kennerspiel des Jahres 2012: "Village" für 2-4 Spieler Alter: ab 12 Jahre Verlag: eggertspiele Bei dem Strategiespiel wird das Leben in einem Dorf nachgezeichnet. Das Spiel ist ein abendfüllendes Szenario und ist was für Spielerfahrene, die gerne 1 bis 2 Stunden am Spieltisch verbringen wollen. Die Spieler versetzen sich in die damalige Zeit und die Situation eines Handwerkers auf Reisen oder in der Kirche oder im Rathaus Karriere zu machen. Vom leben bis zum Tod wird alles nachgezeichnet.