Papst Franziskus ist wieder in Rom. Zurück von seinem Kurzbesuch auf der griechischen Mittelmeerinsel Lesbos. In seiner Begleitung drei muslimische Flüchtlingsfamilien aus Syrien mit ihren Kindern. Ein starkes Zeichen der Menschlichkeit! Franziskus will, dass wir jeden einzelnen Flüchtling, jede Frau, jeden Mann und jedes Kind als Geschöpf Gottes wahrnehmen. Nicht abstumpfen sollen wir angesichts der Vielzahl von Menschen auf der Flucht, sondern unser Herz offenhalten für deren Rufe nach Hilfe. Die starken Gesten des Papstes für die Menschlichkeit sind ein notwendiger Stachel gegen den Ungeist mancher öffentlicher Debatten um die Flüchtlinge in Europa.
Die Wirkung des Besuchs auf Lesbos ist umso stärker, weil Franziskus hier begleitet wurde vom Patriarchen von Konstantinopel und vom Erzbischof von Athen. Gemeinsam vertreten orthodoxe und katholische Christen die Botschaft der Nächstenliebe.
Damit sind allerdings die vielen schwierigen Fragen im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik noch nicht beantwortet. Welcher Flüchtling oder Einwanderer bekommt ein Ticket nach Europa? Gibt es eine freie Wohnortwahl oder wird dieser Ort von den Behörden in einem europäischen Land festgelegt? Wer trifft diese oft nur schwer zu akzeptierenden Entscheidungen? Und wer setzt die Entscheidungen durch, wenn nach einem rechtlich gesicherten Verfahren die Ablehnung und damit die Rückkehr ins Herkunftsland anstehen? Eine menschliche Flüchtlingspolitik braucht geregelte Verfahren und eine sachliche Politik der Lastenverteilung. Die Arbeit daran ist mühsam und nur selten geeignet, viel Beifall zu bekommen. Den Menschen, die sie leisten, aber sollten wir unseren Respekt nicht verweigern.
Der Autor
Bernhard Remmers ist Journalistischer Direktor des ifp, der katholischen Journalistenschule in München.
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