Feier zum Abschluss der Außensanierung von Görlitzer Kathedrale

"Eine Wunde ist geschlossen"

Aktualisiert am 08.05.2016  –  Lesedauer: 
Architektur

Görlitz ‐ Zwischen 1898 und 1900 wurde sie errichtet. Der Zweite Weltkrieg setzte ihr schwer zu. Jetzt wurde die Sanierung der Kathedrale Sankt Jakobus in Görlitz mit einem Gottesdienst gefeiert.

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Am 7. Mai 1945, kurz vor Kriegsende, war das Gotteshaus durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und anschließend nur mit den damals zu Verfügung stehenden Mitteln gesichert worden. Auch schwefelsaure Luft sowie der Lokomotivrauch aus dem nahe gelegenen Bahnhof hinterließen in über sechs Jahrzehnten ihre Spuren an der Fassade.

Seit März erstrahlt Sankt Jakobus in neuem Glanz. Insgesamt 4,5 Millionen Euro kosteten die Erhaltungsmaßnahmen, mit denen 2012 begonnen wurde. Der Bund, der Freistaat Sachsen und die Stadt Görlitz beteiligten sich mit 2,2 Millionen Euro. "Dank ist auch dem Steuerzahler zu sagen, der - ob er glaubt und oder nicht - dazu beigetragen hat", betonte Tillich. Das Bonifatiuswerk, das katholische Einrichtungen in Minderheitensituation fördert, gab 630.000 Euro dazu. In der Bausumme enthalten sind weitere 1,2 Millionen Euro, die für anfangs nicht vorgesehene Maßnahmen ausgegeben wurden.

Bedeutung von Kirchbauten auch für Nichtchristen

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt betonte in seiner Predigt die Bedeutung von Kirchbauten auch für Nichtchristen. Kirchen hätten eine Anziehungskraft "nicht zuletzt, weil es Räume sind, in denen man mit dem "ganz Anderen" in Berührung kommen kann, in denen eine andere Atmosphäre herrscht als draußen auf der Straße oder in den großen Supermärkten unserer Städte". In einer immer mehr säkularen Welt sei es "noch einmal bedeutsamer - für manche vielleicht auch anstößiger - wenn Kirchengebäude mit viel Geld und Kraft renoviert und verschönert werden", so der Bischof.

Der Görlitzer Dompropst Hubertus Zomack vor der Kathedrale St. Jakobus, die 2013 umfassend saniert wird.
Bild: ©Markus Kremser

Der Görlitzer Dompropst Hubertus Zomack zeigt die Kathedrale St. Jakobus während des Umbaus.

Die sichtbarste Veränderung im Zuge der Sanierung ist die wiederhergestellte neugotische Dachform mit Zwerchhäusern und Dreiecksgiebeln sowie der Zierdeckung mit Dachziegeln in drei unterschiedlichen Farben. Der Leiter der Bauabteilung des Bistums Görlitz, Thomas Backhaus, sagte, diese Dachform werde Stürmen, Starkregen und Schneelasten besser standhalten als das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Dach. Die wiederhergestellten Zierelemente seien damit nicht nur schön anzusehen, sondern hätten auch einen technischen Nutzen.

Kirche ist jetzt "wasserdicht"

Auch Architektin Doris Kohla erläuterte, dass die Ziertürmchen die tragenden Teile der Dachstuhlkonstruktion nun wieder wasserdicht abschließen können. Der neugotische Dachstuhl zeige eindrucksvoll ein ideales Zusammenwirken von Konstruktion und Ästhetik. Nach Kohlas Angaben wurden 100.000 Ziegel auf 2.600 Quadratmetern Dachfläche verlegt und die Entwässerung gegenüber dem früheren Zustand verbessert. So gibt es nun mehr Fallrohre, über das die infolge des Klimawandels stärkeren Niederschläge abfließen können. Überdies wurden Fassadenziegel für über eine halbe Million Euro ausgetauscht. Ein Ziegelwerk fertigte die Steine für die Sanierung extra an; 25 individuelle Formen waren notwendig.

Die Sanierung brachte nach Angaben der Verantwortlichen auch positive Überraschungen mit sich. So kosteten die Arbeiten am Turmschaft lediglich 374.000 Euro; ursprünglich waren 550.000 Euro veranschlagt. "Die Substanz wurde aber nach unten hin immer besser", so Backhaus. Im Turm wurde der alte Glockenstuhl durch einen neuen aus Eichenholz ersetzt; das Geläut ist nun durch zwei neue Glocken ergänzt. Die Kosten von 141.000 Euro für Glockenstuhl und Glocken konnten ganz aus Spenden finanziert werden. Die Kathedrale ist jetzt auch für Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe zugänglich. Der Einbau eines Aufzugs am Westportal für 130.000 Euro macht es möglich.

Von Markus Kremser (KNA)