Maria Rosa (Rosemarie, Rosa Maria) Julia Billiart

Eine verarmte, behinderte und verfolgte Frau im 18. Jahrhundert – tragisch, keine Frage, aber was ist von ihr noch zu erwarten? Überraschenderweise eine ganze Menge: Maria Rosa Julia (1751-1816), genannt Julie, gilt heute als eine Wegbereiterin auf dem Gebiet des Mädchenbildung im 19. Jahrhundert. Die Tochter bescheidener Ladenbesitzer in der französischen Picardie fiel schon früh aufgrund ihrer Intelligenz auf und wurde von gebildeten Verwandten und Priestern gefördert. Durch Diebstahl aber verarmte die Familie und Julie musste in der Landwirtschaft arbeiten. Mit 22 Jahren entwickelte sie eine schmerzhafte Muskelschwäche, wurde bettlägerig und konnte teilweise nicht mehr sprechen. Die antikatholischen Verfolgungen im Zuge der Französischen Revolution brachten weiteres Leid über Julie: Nachdem sie sich öffentlich gegen die staatliche Religionspolitik positioniert hatte, musste Julie fünfmal ihre geheimen Aufenthaltsorte wechseln, um einer Hinrichtung zu entgehen. Nach den Revolutionswirren fand die mystisch begabte Frau ihre eigentliche Berufung: 1804 gründete sie mithilfe wohlhabender Katholiken die Gemeinschaft der Schwestern Unserer Lieben Frau, die sich um die Betreuung der zahlreichen Waisenkinder jener Zeit kümmerte. Heute berufen sich weltweit etwa 10.000 Ordensschwestern auf Julie.