Antonius (Antonio, Anton)

Für Antonius' (1807-1870) Vater war die Sache klar: Sein talentierter Sohn sollte die familieneigene Textilproduktion übernehmen. Zunächst beugte er sich dem Willen seines Vaters, absolvierte eine vierjährige Ausbildung in Barcelona und wurde gefragter Spezialist für Webstühle. Doch sein Kindheitstraum Priester zu werden, ließ ihn nicht los: Mit 28 Jahren wurde Antonius als "Spätberufener" ordiniert. Dabei hätte er sich kaum eine schwierigere Zeit aussuchen können, denn in Spanien tobten politische Umwälzungen und Kleriker wurden verfolgt. Predigend reiste Antonius durch das Land und sorgte sich um die vernachlässigten Gemeinden. Um diese Volksmissionen besser zu organisieren, gründete er die Priestergemeinschaft "Söhne des unbefleckten Herzens Mariens" (Claretiner). Kurz darauf wurde er zum Bischof von Kuba ernannt. Dort leitete er Sozialreformen ein und kämpfte gegen die Sklaverei. Sein Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft brachte auch ihm selbst Hass ein – bei einem Attentat wurde er lebensgefährlich verletzt. 1857 rief ihn die spanische Königin Isabella II. als Beichtvater zu sich nach Madrid, wo er die Gründung zahlreicher neuer Gemeinschaften förderte. Als die Königin 1868 aus Spanien fliehen musste, folgte Antonius ihr. Er starb auf der Flucht vor spanischen Revolutionsgarden in einem französischen Kloster. Papst Pius XII. sprach Antonius 1950 heilig.