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Anleitung zum Unglücklichsein. Glaube.Leben.

Glück hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Ein glückliches Leben ist scheinbar jedermanns Ziel. Christian Olding weiß, wie man die Sache mit dem Glück auf jeden Fall falsch macht – und gibt eine kurze "Anleitung zum Unglücklichsein".

Im Trend liegen Bücher, die einem erklären, "How To Be Happy". Wie kann es funktionieren, dauerhaft glücklich und zufrieden zu sein? Nun ja, ich persönlich glaube ja, dass das eh eine glatte Lüge ist. Deswegen gibt es heute einen kleinen Gegentrend. Von mir gibt es heute eine kleine Anleitung, "How To Be Unhappy": Wie es gehen kann, sich das Leben so richtig schön zu ruinieren.

Als erstes würde ich dir empfehlen: Höre gut auf deine Probleme. Denn die sind der beste Beweis dafür, dass du es einfach nicht hinbekommst. Und dann gehst du dazu über, alles, was in deinem Leben passiert, genau so zu interpretieren. Jede Kleinigkeit. Der Pfannkuchen ist wieder angebrannt, du hast einen Brief vergessen, du hast eine Prüfung versaut… Das war doch alles nicht anders zu erwarten. Und dann gehst du am besten davon aus, dass sich an diesem unsäglichen Zustand auch in Zukunft rein gar nichts ändern wird.

Meine zweite Empfehlung wäre: Klage auf Schadensersatz für die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Akzeptiere, dass du ein Opfer deiner Umstände bist und lass dich in diesem gemachten Nest nieder. Verklage andere für das, was sie dir angetan haben. Deine Eltern, die dich ständig beeinträchtigten, deine Lehrer, die ungerecht mit dir umgegangen sind und deine Chefs, die dir deine Karriere versaut haben. Und selbst, wenn dir Menschen etwas Gutes tun sollten, kann es das, was dir angetan wurde, niemals aufwiegen. Und darf es auch nicht. Denn ansonsten würdest du ja doch irgendwann zur Zufriedenheit tendieren und das wollen wir schließlich um jeden Preis vermeiden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Bleibe einsam. Einsamkeit hilft beim Unglücklichsein. Rede dir konsequent ein, dass es pure Zeitverschwendung ist, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Das hält dich übrigens auch nur von dem konsequenten Erreichen deiner Lebensziele ab. Und vor allen Dingen: Bleibe misstrauisch. Wer könnte denn schon mit jemandem wie dir Zeit verbringen wollen? Entweder muss an dieser Person etwas faul sein oder sie muss unbedingt etwas von dir wollen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Regel: Bleibe hart. Ignoriere Gefühle um jeden Preis. Verdränge sie so gut es geht mit Alkohol, Nikotin und exzessivem Serienschauen. Denn nur so vermeidest du, dass du wirklich wahrnimmst, was in dir vorgeht. Du hast das Empfinden, dass du mehr Freizeit bräuchtest? Ignorier das. Arbeite härter, irgendwann vergeht dieses Gefühl. Du hast das Bedürfnis, dein Leben zu verändern? Vergiss diesen Hippie-Aussteiger-Mist. Das ist einfach nicht dran. Gefühle sind was für Weicheier, aber nicht für rational denkende Menschen.

Und als letzten guten Ratschlag: Pflege deine Sorgen und Ängste. Mach aus jeder Mücke einen Elefanten. Katastrophisiere so gut es eben geht. Und kombiniere diese Vorstellung von alldem, was an Schlimmem passieren könnte, mit einem unbedingten Streben nach hundertprozentiger Sicherheit. Das ist zwar nicht möglich, aber gerade deswegen hilft es dir, unzufrieden zu bleiben. Du hörst irgendwo eine Sirene? Dann male dir aus, was deinen Liebsten alles an Schlimmem passiert sein könnte. Und so wirst du verhindern, dass in deinem Leben auch nur ansatzweise etwas Großartiges passieren kann.

Wie du siehst, ist es gar nicht so schwierig, sein Leben zu ruinieren und zu versauen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Und als Belohnung gibt es dann noch die ein oder andere feine Sinnkrise obendrauf, die dich an allem zweifeln lässt. Falls du jetzt doch zu dem Schluss und dem Eindruck gekommen sein könntest, dass du das nicht möchtest, dann kann ich dir zum guten Ende nur noch empfehlen: Mach einfach genau das Gegenteil. Und dann, dann dürfte es zumindest mit einem zufriedenen Leben ein klein wenig leichter werden.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann einmal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus nimmt Pfarrer Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden Monat erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem YouTube-Kanal.