Botschaft mit Bodenhaftung

"Amoris laetitia" ist auch beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und beim Familienbund der Katholiken auf deutliche Zustimmung gestoßen. Das Schreiben sei eine zukunftsweisende Botschaft an Welt und Kirche, so der Familienbund.

Familiensynode | Bonn - 08.04.2016

"Amoris laetitia", das am Freitagmittag veröffentlichte nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus, ist auch beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf Zustimmung gestoßen. Papst Franziskus bringe mit dem Dokument die kirchliche Lehre und die Lebenspraxis der Gläubigen wieder näher zusammen, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg in Bonn.

Mit seiner Feststellung, dass nicht alles durch lehramtliches Eingreifen entschieden werden müsse, verlagere Franziskus die Kompetenzen zum Umgang mit Konflikten und Krisen auf die Ebene der Bistümer und Gemeinden, so Sternberg weiter. "Er gibt der Gewissensentscheidung der Gläubigen und der Seelsorger neues Gewicht." Die pastorale Aufgabe liege darin, die Gewissen zu bilden, nicht darin, sie zu ersetzen.

Im Aufgreifen der Prioritätensetzung seines ersten Schreibens "Evangelii Gaudium" betone das Kirchenoberhaupt darüber hinaus den Primat der Barmherzigkeit über eine "kalte Schreibtischmoral": Die Nächstenliebe sei das vorrangige Gesetz der Christen. Damit sei eine Position gesetzt, hinter die keine Pastoralordnung mehr zurück könne, erklärte der ZdK-Präsident. "Es handelt sich um einen zutiefst humanen Text, der die christliche Lehre entfaltet und leidenschaftlich zu Ehe und Elternschaft ermutigt: er ist unbedingt lesenswert",  so Sternberg weiter.

Linktipp: Die Liebe im Mittelpunkt

Neun Kapitel, 325 Paragraphen, ein Thema: Das nachsynodale Schreiben des Papstes zur Familiensynode steht ganz im Zeichen der Liebe. Mit "Amoris laetitia" hat Franziskus am Freitag eines der wichtigsten Schreiben seines bisherigen Pontifikats veröffentlicht. Katholisch.de stellt die einzelnen Kapitel des Schreibens vor und zitiert die wichtigsten Stellen.

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Auch der Familienbund der Katholiken begrüßte das Papst-Schreiben. "Amoris laetitia" sei eine herausragende und zukunftsweisende Botschaft an die Welt und die Kirche. "Ich freue mich, dass in diesem Schreiben die Liebe zum Maßstab gemacht wird - und nicht nur moralische Gesetze. Ich freue mich, dass stärker auf die Menschen und ihre individuellen Lebenslagen geschaut wird als auf den Wortlaut einer allgemeinen Norm", so der Präsident des Familienbundes der Katholiken, Stefan Becker. Papst Franziskus habe wieder das in den Mittelpunkt gerückt, wofür die Kirche stehen solle: Eine Spiritualität der Liebe.

Franziskus werbe in seinem Schreiben für ein Klima des Verstehens, nicht der Ausgrenzung. Statt Verurteilung und Entmutigung setze er auf eine Kultur der offenen Arme, so Becker weiter. "Papst Franziskus stellt unmissverständlich klar, dass das Wohl der Familie entscheidend ist für die Zukunft der Welt und der Kirche. Er wendet sich an uns in seiner ihm eigenen Art mit einer lebendigen Botschaft voller Liebe und Verständnis und spricht in deutlichen Worten mit Bodenhaftung."

Franziskus beschreibe mit hoher Sensibilität und sehr engagiert die zahlreichen Lebenswirklichkeiten der Familien. Er prangere offen die Missstände an, die Menschen und ihre Familien unter Druck setzten und beschädigten und fordere deren Beseitigung. "Er macht jungen Menschen Mut, Ehe und Familie aus Liebe und Freude zu leben, und nicht, um zuerst Konventionen der Gesellschaft und Vorschriften der Kirche zu erfüllen. Sein Schreiben atmet einen frohen und frischen Geist, der uns hoffnungsvoll nach vorne schauen lässt", erklärte Becker.

Kardinal Walter Brandmüller.
Fehlinterpretationen von "Amoris laetitia" könnten die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Verkündigung untergraben, fürchtet Kardinal Walter Brandmüller.
 KNA

Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller warnte nach der Veröffentlichung von "Amoris laetitia" derweil vor einer Verwässerung der kirchlichen Lehre. Fehlinterpretationen des Schreibens könnten die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Verkündigung untergraben, sagte der 87-Jährige der "Bild"-Zeitung (Samstag). Wer in "ungültiger Zweitehe" lebe, der dürfe nicht mit Hilfe einer "Salami-Taktik" am Ende doch die Zulassung zu den Sakramenten erreichen, so Brandmüller.

Ausnahmen in Einzelfällen zuzulassen, bezeichnete der Kardinal als eine Sackgasse. "Was aus Glaubensgründen grundsätzlich unmöglich ist, ist es auch im Einzelfall." Brandmüller bekräftigte die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe: "Es ist katholische Glaubenslehre (Dogma), dass eine gültig geschlossene und vollzogene Ehe von keiner Macht der Erde - auch nicht von der Kirche - aufgelöst werden kann. Jesus sagt: 'Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.'" (stz/KNA)

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