Kardinal Marx unterstützt "Marsch für das Leben"

Unter dem Motto "Gemeinsam für das Leben. Immer." sollen am Samstag tausende Teilnehmer beim "Marsch für das Leben" durch Berlin ziehen. Dabei demonstrieren sie gegen Abtreibung und Suizidbeihilfe. Kardinal Marx wünschte dem Marsch viel Erfolg.

Lebensschutz | Berlin - 15.09.2015

Mehrere tausend Christen werden am Samstag zum elften "Marsch für das Leben" durch das Zentrum Berlins erwartet. Unter dem Motto "Gemeinsam für das Leben. Immer." fordern die Initiatoren "den Respekt vor dem Lebensrecht eines jeden Menschen von Anfang bis zum natürlichen Ende." Kardinal Reinhard Marx wünschte der Veranstaltung "guten Erfolg und eine rege Teilnahme".

Organisiert wird der "Marsch für das Leben" vom "Bundesverband Lebensrecht" (BVL). Darin sind 13 Lebensschutzorganisationen zusammengeschlossen. Wie der Verband am Dienstag in Berlin ankündigte, ist der Auftakt um 13 Uhr vor dem Bundeskanzleramt, später ist auch ein ökumenischer Gottesdienst geplant. Die Veranstalter treten "für das Lebensrecht jedes Menschen, unabhängig von Lebensstadium, Gesundheit, Eigenschaften und Umständen" ein. Sie wenden sich "gegen die Selektion von Kindern mit Behinderung und Beihilfe zum Suizid". Zudem rufen sie auf, sich "gemeinsam für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie" zu engagieren. Nach Schätzungen der Veranstalter beteiligten sich im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Christen verschiedener Konfessionen aus ganz Deutschland an dem Marsch.

Die Initiative hat nach eigenen Angaben erneut die Unterstützung von Papst Franziskus. Er habe bei einer Generalaudienz im August in Rom zu den Organisatoren gesagt: "Es ist sehr, sehr wichtig, was ihr da macht", so der BVL-Vorsitzende Martin Lohmann. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wandte sich in einem Grußwort an die Teilnehmer (siehe unten). Auch Unionspolitiker wie der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), stellten sich hinter die Forderungen nach einem Verbot der organisierten Suizidbeihilfe und der ärztlichen Assistenz beim Suizid.

Humanisten und Lesben- und Schwulenverband rufen zu Protest auf

Erneut ruft ein "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung" zum Protest gegen den Marsch auf. Die Gegendemonstration steht unter dem Motto "Gegen religiöse Bevormundung - Marschieren für das Selbstbestimmungsrecht der Frau". Sie beginnt ebenfalls am Samstag um 11.30 Uhr beim Brandenburger Tor und führt zum Gendarmenmarkt. Dem Bündnis gehören unter anderen der Humanistische Verband Deutschlands sowie der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg an. Auch Grüne und Linkspartei kündigten ihre Unterstützung an. Das "Bündnis" fordert unter anderem ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Wie in den Vorjahren reihten sich 2014 Gegner in den "Marsch für das Leben" ein. Sie sorgten mit Trillerpfeifen, Sprechchören und Schildern für Unruhe. Dabei kam es auch zu Tumulten. So wurde der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe mit einem Farbbeutel beworfen. (KNA)

Kardinal Reinhard Marx im Porträt
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.  dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wandte sich in einem Grußwort an die Teilnehmer des "Marschs für das Leben" 2015. Katholisch.de dokumentiert das Schreiben im Wortlaut.

Grußwort von Kardinal Reinhard Marx zum "Marsch für das Leben"

Sehr geehrte Damen und Herren,

erneut wird auf Einladung des Bundesverbandes Lebensrecht e. V. der  "Marsch für das Leben" durchgeführt. Durch Ihre Teilnahme verleihen Sie unserer Überzeugung vom gleichen Wert und der Würde eines jeden Menschen in einer friedlichen Demonstration öffentlich Ausdruck.

Demokratien vermögen das Leben und die Würde der Menschen besser als andere Staatsformen in umfangreicher Weise zu schützen. Sie garantieren diesen Schutz in ihren Verfassungen. Dennoch haben wir uns auch in Demokratien immer wieder mit möglichen Gefährdungen eines umfassenden Lebensschutzes auseinanderzusetzen. In der letzten Zeit wurde in Deutschland eine bemerkenswert breite gesellschaftliche Debatte zu der Frage geführt, wie es um den gesellschaftlichen Vorbehalt gegenüber schwerstkranken und sterbenden Menschen steht. Eine solche Debatte hilft, die diesbezüglich noch ausstehende Gesetzgebung vorzubereiten. Dabei hat die Kirche ihre Position sehr deutlich eingebracht. Es muss nämlich darum gehen, Menschen liebevoll beim Sterben zu begleiten, nicht aber beim Suizid zu unterstützen oder gar zu töten.

Mit weiteren Fragen des Lebensschutzes müssen wir uns in gleicher Weise auseinandersetzen. Sie betreffen etwa die Forschung an embryonalen Stammzellen, die Präimplantationsdiagnostik oder die weiterhin erschreckend hohe Zahl von Abtreibungen samt des damit verbundenen, drängenden Problems der Spätabtreibungen.

Als Christen teilen wir die Überzeugung, dass die unantastbare Würde eines jeden Menschen ihren Ursprung in Gott, dem Schöpfer allen Lebens hat. "Denn er schafft, will und erhält das Leben." (Gott ist ein Freund des Lebens) Die von Gott geschenkte Würde kann keinem Menschen genommen, wohl aber kann sie missachtet werden. Es ist eine beständige Aufgabe der Politik und jedes Einzelnen, sich für den Schutz der Würde auch der ungeborenen, kranken und alten Menschen sowie der in diesen Wochen noch so zahlreich zu uns kommenden Flüchtlinge aus Krisengebieten einzusetzen.

Ich wünsche dem "Marsch für das Leben" einen guten Erfolg und eine rege Teilnahme.

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016