Marx warnt vor dem Scheitern von TTIP

Bringt das Freihandelsabkommen die richtigen Regeln für eine gerechte wirtschaftliche Ordnung? Das sagt zumindest der Vorsitzende der EU-Bischofskommission, Kardinal Reinhard Marx.

Politik | Aachen/Brüssel - 07.09.2016

Der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Reinhard Marx, hat vor einem Ende der Verhandlungen über das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA gewarnt.

"Keine Lösung"

Ein Einstellen der TTIP-Verhandlungen würde keine Lösung der derzeitigen Probleme bedeuten, erklärte Marx am Dienstag in Brüssel. "Eine gerechte wirtschaftliche Ordnung braucht gemeinsame Regeln", so Marx. Das Freihandelsabkommen TTIP könne eine Möglichkeit sein, dieses Ziel zu erreichen, so der Kardinal.

Im Juni hatte die COMECE zusammen mit der Bischofskonferenz der USA eine Position zum Freihandelsabkommen veröffentlicht. Die Bischöfe betonten darin, dass die Partizipation der Bürger, der Sozialschutz und nachhaltige Entwicklung Grundvoraussetzungen dafür seien, um ein faires Abkommen zum Vorteil aller zu erreichen.

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Politiker Sven Giegold über das Freihandelsabkommen TTIP und die Rolle der Kirche in der Debatte um den europäisch-amerikanischen Handel.
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In Bezug auf den G20-Gipfel am vergangenen Wochenende in China begrüßten die europäischen Bischöfe die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens durch China und die USA. Dies sei angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung dieser beiden Staaten und ihrer bisherigen Ökobilanz ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die COMECE forderte zugleich von den Bürgern sowie politischen und wirtschaftlichen Akteuren, sich konsequent für eine "ökologische Umkehr" einzusetzen.

Das Hilfswerk Misereor ist dagegen enttäuscht von dem Gipfeltreffen. Die führenden Wirtschaftsmächte hätten in Hangzhou die "falschen Prioritäten" gesetzt, sagte der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks, Pirmin Spiegel, am Dienstag in Aachen. Der Misereor-Chef warf den Staats- und Regierungschefs vor, einseitig auf Wirtschaftswachstum zu setzen. "Sie ignorieren damit aber nicht nur die Grenzen unseres Planeten, sondern bleiben damit auch alten Lösungen verhaftet, die in der Vergangenheit keinen Schritt zu globaler Gerechtigkeit, insbesondere für die Verletzlichsten, beigetragen haben."

Neue Impulse für Wirtschaftswachstum

In ihrer am Montag veröffentlichten Abschlusserklärung hatten die G20-Vertreter angekündigt, neue Impulse für wirtschaftliches Wachstum setzen zu wollen. Außerdem soll der Kampf gegen Terrorismus verschärft werden. Weiter wollen sich die führenden Wirtschaftsnationen dafür einsetzen, dass das Pariser Klimaabkommen noch 2016 in Kraft treten kann. (gho/KNA)

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