Schönborn: Keine Details zu "heißen Eisen"

Das Abschlussdokument der Synode äußert sich nur allgemein zu wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen. Das sagte Kardinal Schönborn am Samstag vor Journalisten. Dennoch solle sich die Kirche in Nordeuropa weiter mit diesen Themen beschäftigen.

Familiensynode | Vatikanstadt - 24.10.2015

Die Bischofssynode über Ehe und Familie äußert sich in ihrem Abschlussdokument nicht direkt zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. In dem Papier würden aber für die Seelsorge "fundamentale Kriterien zur Unterscheidung von Situationen" genannt, die von der katholische Lehre abwichen, sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am Samstag vor Journalisten im Vatikan.

Zugleich dämpfte Schönborn Erwartungen, der Text könnte sich ausführlicher zum Umgang mit Homosexuellen äußern. Es gehe darin nur um den Umgang mit Homosexuellen innerhalb von Familien. Viele Synodenväter hätten gesagt, das Thema sei für sie angesichts der kulturellen und politischen Umstände "zu heikel", erklärte Schönborn.

Unterschiedlichkeit in der Weltkirche

Dass sich das Abschlussdokument dazu nicht ausführlicher äußere, heiße jedoch nicht, dass die katholische Kirche in Europa und Nordamerika sich nicht mit diesem Thema beschäftigen sollte. Auf einer Synode der Weltkirche müsse jedoch "die Unterschiedlichkeit der kulturellen und politischen Situationen respektiert werden".

Die Bischofssynode stimmt heute Nachmittag über jeden einzelnen Abschnitt des Abschlusspapiers gesondert ab. Für die Annahme ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Das Dokument hat keinen Beschlusscharakter, sondern stellt lediglich eine Empfehlung an den Papst dar.

Player wird geladen ...
"Drei spannende Wochen": War die Synode mehr als ein Lernprozess? Worin unterscheidet sich die diesjährige Synode von der Letzten? Wir haben schon vor der Abstimmung über das Abschlussdokument mit einigen Pressevertretern in Rom einen ersten Rückblick gewagt.
 KNA

Weiter betonte Schönborn, es sei eine falsche Erwartung, die Synode könne in der Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion eine generelle Lösung finden. Es gebe nicht nur Schwarz oder Weiß. Nötig sei stets die Prüfung des konkreten Einzelfalls. Er verwies darauf, dass diese Auffassung bereits von Johannes Paul II. (1978-2005) in seinem Schreiben "Familiaris consortio" 1981 vertreten habe.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin wurde am Samstag von der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" (Samstag) mit der Einschätzung zitiert, dass das Abschlusspapier dem Papst die Möglichkeit biete, die Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen zu vertiefen.

Familie als "fundamentalste Wirklichkeit" der Gesellschaft

Schönborn betonte, die Botschaft der Synode liege für ihn weniger in konkreten Einzelaussagen, sondern darin, dass die katholische Kirche in der heutigen Zeit ein großes "Ja" zur Familie sage. Dass die katholische Kirche in der ganzen Welt zwei Jahre lang mit allen positiven und schwierigen Aspekten debattiert habe, sei allein schon ein bemerkenswerter Umstand. Die Botschaft der Synode sei, dass die Familie kein "überholtes Modell" sei. Sie sei die "fundamentalste Wirklichkeit" der Gesellschaft, so der Wiener Kardinal.

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

Zur Themenseite

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017