"Sehr ausgewogener Text"

Die Spekulationen über das Abschlussdokument mehren sich. Laut Kardinalstaatssekretär Parolin versucht das Papier "alle Sichtweisen" zu berücksichtigen - auch in Bezug auf wiederverheiratete Geschiedene. Am Freitag hatte es noch 248 Änderungswünsche gegeben.

Familiensynode | Vatikanstadt - 24.10.2015

Das mit Spannung erwartete Abschlussdokument der Bischofssynode über Ehe und Familie, das heute verabschiedet werden soll, ist nach Aussage von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ein "sehr ausgewogener Text". Es versuche alle Sichtweisen zu berücksichtigen, sagte Parolin laut der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" vom Samstag.

Auf die Frage, ob der Vorschlag der deutschsprachigen Arbeitsgruppe, eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion im begründeten Einzelfall zu ermöglichen, Eingang gefunden habe, antwortete Parolin laut dem Bericht: "Mein Eindruck ist, dass versucht worden ist, Übereinstimmung zu erzielen, und dem Papst die Möglichkeit zu bieten, diese Fragen zu vertiefen."

Am Freitag noch 248 Änderungswünsche

Das fertige Dokument wurde am Samstagvormittag wie geplant vor den Mitgliedern der Bischofssynode verlesen. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi mitteilte, umfasst der Text 94 Punkte und ist von den zehn Mitgliedern des Redaktionsteams einstimmig verabschiedet worden. Dieses habe zuvor "einige" der insgesamt 248 Änderungswünsche eingefügt, die nach der Vorstellung des Entwurfs am Freitag eingereicht worden seien.

Mit Blick auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen spekuliert die italienische Tageszeitung "La Stampa" am Samstag, das Abschlussdokument könnte den Ermessensspielraum des Beichtvaters und die Rolle des Gewissens stärken. Laut "La Stampa" sollen am Freitag während der Debatte über den Entwurf des Dokuments mehrere Synodenväter Einwände erhoben haben, weil ihnen das Verhältnis zwischen moralischem Gesetz und Gewissen nicht klar genug definiert gewesen sei.

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Der Papst will etwas tun und Dinge weiterentwickeln, davon ist Abtpräses Jeremias überzeugt. Auch wenn es in einzelnen Punkten kein gemeinsames Votum der Synode gibt, so sei dies keine Niederlage, sondern Zeichen, wie vielfältig die Weltkirche ist.
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Dazu sollen der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal Robert Sarah und der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Kurtz zählen. Müller hatte in der deutschen Sprachgruppe mitdiskutiert, die ihren letzten Zwischenbericht am Mittwoch einstimmig verabschiedet hatte. Insgesamt hatten am Freitag in letzten Aussprache des Plenums 51 Synodale das Wort ergriffen.

Kein Beschlusscharakter

Das Abschlussdokument der Bischofssynode hat keinen Beschlusscharakter. Es ist lediglich eine Empfehlung an den Papst. die Annahme ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Das Papier wurde den Synodenvätern am heutigen Vormittag vorgelesen, am Nachmittag bis in den frühen Abend hinein folgt die Abstimmung über die einzelnen Abschnitte. Nach dem vatikanischen Zeitplan für die Synode sind dafür zweieinhalb Stunden vorgesehen, von 16:30 Uhr bis 19:00 Uhr.  Beobachter rechnen damit, dass Franziskus das Dokument am Abend zur Veröffentlichung freigeben wird. (gho/KNA)

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Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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