Schönborn zeigt Verständnis für "Dubia"-Kardinäle

Kaum jemand lobt "Amoris laetitia" so sehr wie Kardinal Christoph Schönborn. Nun zeigt der Wiener Erzbischof ausgerechnet für die größten Kritiker des Schreibens Verständnis.

Kirche | Bonn - 10.01.2018

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn kann die Zweifel mancher Amtsbrüder an den Aussagen von "Amoris laetitia" verstehen. Er halte es auch für "gut und richtig, auf diese Fragen eine Antwort zu geben", sagte er der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag). Dies sei jedoch mittlerweile mehrfach geschehen, betonte er im Blick auf Äußerungen und Veröffentlichungen in der Debatte um die "Dubia" von vier Kardinälen aus dem Jahr 2016.

Während Schönborn grundsätzliches Verständnis für das Anliegen zeigte, übte er deutliche Kritik am Vorgehen seiner Amtsbrüder: "Das gehört sich nicht für enge Mitarbeiter des Papstes." Der US-Amerikaner Raymond Leo Burke, sein deutscher Amtsbruder Walter Brandmüller sowie die zwischenzeitlich verstorbenen Kardinäle Joachim Meisner und Carlo Caffarra hatten im November 2016 ihre "Dubia" öffentlich gemacht. Darin forderten sie Papst Franziskus zur Klärung auf, inwiefern er bestehende Lehraussagen der Kirche geändert hätte.

Schönborn: Johannes Paul II. zeigte nur eine Seite der Wirklichkeit

Das Nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia" empfinde der Wiener Erzbischof persönlich als "ausgesprochen wohltuend". Papst Franziskus fordere damit auf, neben kirchlichen Normen auch konkrete Lebensumstände zu beachten. Laut Schönborn habe bereits Franziskus' Vorgänger, Johannes Paul II., sich zwar den gleichen Themen gewidmet. Dabei habe er "gewissermaßen die eine Seite der Wirklichkeit gezeigt, aber die andere nicht in den Blick genommen". Franziskus füge mit "Amoris laetitia" nun die "zweite Hälfte" hinzu, erklärte der Kardinal. Dabei lehne der Papst sowohl dogmatischen Rigorismus als auch Laxismus ab: Er plädiere für den "schwierigen Weg der Unterscheidung", der sehr "viel mühsamer und anspruchsvoller" sei als eine laxe Haltung.

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Steht sein jüngstes Schreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie nicht voll auf dem Boden der kirchlichen Lehre? Solchen Bedenken ist nun Papst Franziskus entgegengetreten. (Artikel von Juni 2016)

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Schönborn lobte auch die strukturellen Reformbemühungen des amtierenden Papstes. "Ich habe schon den Eindruck, dass Franziskus der geistliche Vorausgeher in der heutigen Zeit ist." In dieser Rolle sei der Pontifex jedoch oft einsam und könne sich nicht auf die Unterstützung seiner Mitarbeiter verlassen, wie es bereits bei Jesus und den teils zögerlichen Jüngern der Fall gewesen sei. Laut Schönborn halte Franziskus das in seinen Bemühungen jedoch nicht auf: "Er geht voran, das ist das Entscheidende. Und es folgen doch viele."

Schönborn gilt als enger Vertrauter und wichtiger theologischer Berater des Papstes. Die Interpretation von "Amoris laetitia" durch den Wiener Erzbischof wurde von Franziskus selbst als zutreffend und beachtenswert gelobt. Zudem war Schönborn Mitverfasser des "Katechismus der katholischen Kirche" und Schüler von Franziskus' direktem Vorgänger, Papst Benedikt XVI. Im Interview mit "Christ & Welt" betonte der Kardinal jedoch, sich deswegen nicht in einer Vermittlerposition zu sehen: "Ich glaube nicht, dass es eine Brücke braucht zwischen den beiden." Der amtierende Papst und sein emeritierter Vorgänger seien zwar sehr verschieden, sich zugleich jedoch auch "viel näher, als man oft annimmt". (kim)

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