Umstrittene Kardinäle und ein unschuldiges Kind

Von zahlreichen Persönlichkeiten musste die Kirche 2017 Abschied nehmen. Im Nekrolog finden sich jedoch nicht nur Kardinäle. Besonders um ein kleines Kind trauerten im Sommer Millionen von Menschen.

Tod | Bonn - 31.12.2017

Im Jahr 2017 musste die Weltkirche von zahlreichen Würdenträgern Abschied nehmen. So verzeichnete der Vatikan seit Anfang Januar die Todesfälle von 15 Kardinälen. Deutsche Katholiken dürfte dabei am meisten der überraschende Tod von Kardinal Joachim Meisner bewegt haben. Der emeritierte Kölner Erzbischof wurde am Morgen des 5. Juli tot aufgefunden. Bis zuletzt galt der 83-Jährige als standhafter Vertreter des Glaubens und der kirchlichen Lehre, wodurch er sich nicht nur Freunde gemacht hatte.

Für großes Aufsehen sorgte kurz vor Weihnachten auch der Tod von Kardinal Bernard Francis Law († 20.12.). Der 86-Jährige war zuletzt Erzpriester von Santa Maria Maggiore in Rom. Weltweite Bekanntheit erlangte er als Erzbischof von Boston (1984-2002), wo er zu einer Schlüsselfigur in einem der größten Missbrauchsskandale in der Kirche wurde.

Mit Caffarra starb auch ein Papstwähler

Bereits Am 6. September verstarb Kardinal Carlo Caffarra, emeritierter Erzbischof von Bologna. Der prominente Kritiker von Papst Franziskus wurde 79 Jahre alt und hätte damit zuletzt noch an einer Papstwahl teilnehmen dürfen. Die weiteren verstorbenen Kardinäle hatten die Altersgrenze bereits überschritten: Gilberto Agustoni († 13.1.), Desmond Connell († 21.2.), Miloslav Vlk († 18.3.), William Henry Keeler, († 23.3.), Attilio Nicora († 22.4.), Lubomyr Husar († 31.5.), Ivan Cornelius Dias († 19.6.), Dionigi Tettamanzi († 5.8.), Cormac Murphy O'Connor († 1.9.), Velasio De Paolis († 9.9.), Ricardo Jamin Vidal († 18.10.), Bernard Louis Auguste Paul Panafieu († 12.11.), und Andrea Cordero Lanza di Montezemolo († 19.11.). 

Joachim Meisner im Poträt.
Neben dem früheren Erzbischof von Köln, Joachim Meisner, verlor die Weltkirche im Jahr 2017 noch 14 weitere Kardinäle.
 picture alliance/dpa/Oliver Berg

Neben Kardinälen verzeichnete die Kirche in diesem Jahr die Todesfälle von 135 weiteren Bischöfen. Bereits am Neujahrstag des Jahres verstarb der gleichsam umstrittene wie umtriebige griechisch-katholische Erzbischof Hilarion Capucci. Auch zwei deutsche Bischöfe vollendeten ihr Leben: Emil Stehle († 16.5.) und Herbert Lenhof († 13.10.). Der Freiburger Priester Stehle ging bereits in den 1950er Jahren als Auslandsseelsorger nach Kolumbien und wurde später Bischof in Ecuador. Von 1977 bis 1988 war er zudem Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat. Auch der Pallottiner Lenhof ging nach der Ausbildung in Deutschland als Missionar ins Ausland. Von 1984 bis 2009 war er Bischof von Queenstown in Südafrika. Seit 2011 verbrachte er seinen Ruhestand in Limburg, wo er ein halbes Jahrhundert zuvor seiner Ordensgemeinschaft beigetreten war.

Mysteriöser Bischofstod in Kamerun

Gleich 20 Diözesen mussten in diesem Jahr von aktiven Oberhirten Abschied nehmen. Weltweit für Aufsehen sorgte der Tod des kamerunischen Bischofs Jean-Marie Benoit Balla. Die Leiche des 58-Jährigen war am 2. Juni von Fischern im Fluss Sanaga gefunden worden, nachdem sein Auto bereits Tage zuvor verlassen auf einer Brücke stand. Nachdem Rechtsmediziner später zum Ergebnis kamen, der Bischof sei wahrscheinlich ertrunken, widersprachen Vertreter der Kirche Kameruns diesem Befund: Balla sei unter anderem wegen seiner deutlichen Aussagen zur Homosexualität ermordet worden. Bislang blieben die genauen Hintergründe seines Todes ungeklärt.

Große Sympathiebekundungen kamen aus Deutschland und der ganzen Welt für Schwester Ruth Pfau, die am 10. August verstarb. Die deutsche Ordensfrau starb im Alter von 87 Jahren im pakistanischen Karatschi, wo sie über ein halbes Jahrhundert lang als Ärztin gewirkt hatte. Für ihren Einsatz gegen Lepra und Tuberkulose wurde sie nicht nur in Deutschland umfangreich gewürdigt: Das islamische Pakistan gewährte Pfau ein Staatsbegräbnis auf einem christlichen Friedhof, das Außenministerium bezeichnete sie gar als "Nationalheldin".

Zu den weiteren kirchlichen Persönlichkeiten, die im Jahr 2017 verstarben, zählte etwa Joaquin Navarro-Valls († 5.7.). Der aus Spanien stammende Arzt leitete von 1984 bis 2006 das Presseamt des Heiligen Stuhles und war damit maßgeblich für das öffentliche Bild des Papstes verantwortlich. Ebenfalls den Glauben in die Öffentlichkeit tragen wollte Pfarrer Hans Buschor († 26.2.). Der Schweizer gründete 1999 den privaten katholischen Fernsehsender K-TV, den er bis 2011 selbst leitete.

Großen Anteil nahmen viele Gläubige auch am Tod des ehemaligen Abts Odilo Lechner († 3.11.). Im Jahr 1964 übernahm er mit nur 33 Jahren die Leitung der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und blieb fast vier Jahrzehnte im Amt. Große Bekanntheit erlangte er vor allem für seine vielen Schriften über das Leben und den Glauben.

Weltweit wurde die verstorbene Lepra-Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau für ihr Lebenswerk gewürdigt. In Pakistan wurde sie gar als "Nationalheldin" bezeichnet.
 Maik Meid / DAHW

Auch die wissenschaftliche Theologie verlor im zurückliegenden Jahr einige prominente Vertreter. Am 11. Juli verstarb in der Abtei Maria Laach der Benediktiner Angelus Häußling, einer der bekanntesten Vertreter der Liturgiewissenschaft. Der Dominikaner Tiemo Rainer Peters († 25.11.) lehrte bis 2004 in Münster das Fach der Politischen Theologie und war dort Assistent von Johann Baptist Metz. Der in Berlin geborene ehemalige Augustiner Gregory Baum († 18.10.) hatte als theologischer Berater am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) teilgenommen. Dort hatte er maßgeblich zur Erklärung "Nostra aetate" über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen beigetragen.

Kein Theologe, aber ein herausragender katholischer Wissenschaftler war Konrad Repgen († 2.4.). Der Bonner Historiker galt als einer der bedeutendsten Fachmänner für die kirchliche Zeitgeschichte, insbesondere das Verhältnis der Kirchen zum Nationalsozialismus. Auch der in Wien geborene Soziologe Peter L. Berger († 27.6.) spielt in kirchlichen Kreisen bis heute eine wichtige Rolle. Seine Forschungen zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft gehört zum Standardwerk verschiedener theologischer Disziplinen.

Deutschland nimmt Abschied von Staatsmännern

Deutschland musste in diesem Jahr auch Abschied nehmen von drei bedeutenden Staatsmännern: Bundespräsident a.D. Roman Herzog († 10.1.), Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl († 16.6.) und dem ehemaligen Bundesminister Heiner Geißler († 12.9.). Alle drei traten in ihren öffentlichen und politischen Ämtern als gläubige Christen in Erscheinung. So hatte der Protestant Herzog nicht nur als Präsident des Bundesverfassungsgerichts und später als Bundespräsident eine zentrale Rolle im deutschen Staat inne. In mehreren Funktionen diente er zudem über Jahrzehnte in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Auch Helmut Kohl zeitlebens nicht in kirchlichen Ämtern in Erscheinung trat, legte er stets Wert auf sein öffentliches Bekenntnis als Katholik. Die Kirche sei dankbar für dieses Zeugnis des verstorbenen Altkanzlers, erklärte Kardinal Reinhard Marx, der emeritierte Mainzer Kardinal Karl Lehmann lobte zudem Kohls Geradlinigkeit und Interesse an der Kirche. Seine letzte Ruhestätte fand Kohl nach einem Requiem im Dom zu Speyer auf dem Domherrenfriedhof der Stadt. Der ehemalige Jesuit Geißler hatte sich bis zuletzt nicht nur in politischen, sondern auch in kirchlichen Fragen zu Wort gemeldet. In beiden Bereichen trat er dabei als Konservativer auf, der zugleich immer wieder tiefgreifende Reformen forderte.

Mehr noch als alle Gelehrten und großen Kirchenmänner bewegte dieses Jahr jedoch der Tod eines Babys. Charlie Guard starb am 28. Juli an einer schweren genetischen Erkrankung. Er wurde nur elf Monate alt. Wochenlang hatten zuvor die Eltern des britischen Kindes um seine medizinische Versorgung gestritten, nachdem Gerichte den Abbruch der Behandlungen forderten. Die Päpstliche Kinderklinik "Bambino Gesu" bot gar an, Charlie weiter zu versorgen. Papst Franziskus selbst bekundete ebenfalls seine Verbundenheit und versprach, den kleinen Charlie, die Eltern und alle, die am Tod des Babys Anteil nahmen, ins Gebet einzuschließen.

Von Kilian Martin

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