Vatikanzeitung thematisiert Frauenpredigt

Für die Frage, ob Frauen in Messen das Predigen erlaubt werden soll, zeigen sich gleich drei Autoren des "Osservatore Romano" offen. Das Kirchenrecht ist dagegen eindeutig: Die Homilie ist Priestern und Diakonen vorbehalten.

Vatikan | Vatikanstadt - 03.03.2016

In einem ungewöhnlichen Schritt hat die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" die Frauenpredigt in der katholischen Kirche ins Gespräch gebracht. In drei Gastbeiträgen in der Märzausgabe der Sonderbeilage "Frauen - Kirche - Welt" erörtern zwei Ordensfrauen und der in Italien prominente Klostergründer Enzo Bianchi die Möglichkeit, Frauen stärker in die Verkündigung einzubinden. Nach dem geltenden Kirchenrecht ist die Auslegung des Evangeliums in der Messfeier Priestern und Diakonen vorbehalten.

In der Kirchengeschichte fänden sich genug Beispiele, dass Laien, darunter zahlreiche Frauen, den Predigtdienst ausgeübt hätten, schreibt der Gründer der ökumenischen Kommunität von Bose, Enzo Bianchi. Dies sei auch noch nach dem offiziellen Verbot durch Papst Gregor IX. (1227-1241) der Fall gewesen. "Das Thema ist delikat, aber wir müssen es dringend angehen", so der Theologe. Die Wertschätzung der Laienpredigt wäre aus seiner Sicht ein "entscheidender Schritt" für eine größere Teilhabe insbesondere von Frauen in der Kirche.

Dominikanerin: Jesus hat gerade Frauen die Stimme gegeben

Die französische Dominikanerin und Buchautorin Catherine Aubin führt an, Jesus habe in einer Zeit des rigorosen Patriarchats gerade den Frauen eine Stimme gegeben. Heilige wie Hildegard von Bingen (1098-1179) hätten die Verkündigung in charismatischen Predigten vorangetragen, so die Theologin. Die Kirche müsse den Reichtum ihrer Gemeinschaft ausschöpfen und Offenheit zeigen. Das Verkünden der Botschaft Jesu könne keine Frage von Reglementierungen und Gesetzen sein, sondern wurzele in der Freude und dem Drang, seinen Mitmenschen davon mitzuteilen - "wie ein Fluss, der sich nicht am Fließen hindern lässt".

Die schwedische Dominikanerin Madeleine Fredell schreibt, sie könne praktisch überall predigen, "manchmal sogar in der lutherischen Kirche", nicht jedoch in einer katholischen Messe. Gleichwohl sei sie überzeugt, dass die Stimme von Frauen in der Predigt einer Eucharistiefeier die katholische Liturgie "bereichern" könne. Hoffnungen knüpft sie an die "Transformation der Kirche", die Papst Franziskus auf den Weg gebracht habe. Es gebe "noch viel zu tun, um Frauen in der katholischen Kirche die gleiche Stimme zu geben", so Fredell. Katholikin und Feministin zu sein, müssten dabei "nicht zwangsläufig in Konflikt stehen".

Homilie den Priestern und Diakonen vorbehalten

Das katholische Kirchenrecht sieht für Laien - Männer wie Frauen - die Möglichkeit zu predigen vor, jedoch nach Maßgabe der jeweiligen nationalen Bischofskonferenz. Die "Homilie" genannte Auslegung des Evangeliums und der christlichen Glaubensinhalte in der Messfeier dürfen hingegen nur Priester und Diakone halten. In der Praxis wird jedoch nicht immer eine Grenze zwischen dieser Homilie und anderen Wortbeiträgen katholischer Laien gezogen. (KNA)

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