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Mit Vorurteilen aufgeräumt

Katechese zur Erstkommunion ist besser als ihr Ruf.

Erstkommunion | Bonn - 01.08.2015

Es ist doch immer das Gleiche: Während der Vorbereitung zur Erstkommunion sind alle einigermaßen engagiert dabei. Und sobald die Kerzen gelöscht, der Blumenschmuck verwelkt und das Kommunionkleid im Schrank verschwunden sind, ist die Kirche wieder aus dem Sinn. So die landläufige Meinung, die auch die Wissenschaftler der Forschergruppe "Religion und Gesellschaft" teilten. Bis sie eines Besseren belehrt wurden.

Fast alle Kinder, die katholisch getauft sind, gehen auch zur Erstkommunion. Im Jahr 2012 waren das beispielsweise rund 200.000. Bis vor kurzem erschöpfte sich die Faktenlage an dieser Stelle. Das wollten die Forscher nicht länger so stehen lassen. "Immerhin reden wir hier vom größten Feld religiöser Bildung nach dem schulischen Religionsunterricht", machen die Wissenschaftler von der Universität Bonn im katholisch.de-Interview deutlich.

Porträts der beiden Theologen
Die Theologen Reinhold Boschki (l.) und Stefan Altmeyer (r.) von der Uni Bonn haben in einer bundesweiten Erhebung der Erstkommunionkatechese auf den Zahn gefühlt.
 Privat

Zwischen 2011 und 2013 befasste sich ein interdisziplinäres Team aus Theologen, Psychologen und Sozialwissenschaftlern mit der Erstkommunionkatechese, befragte mehrfach Kinder, Eltern und Katecheten und stellte erstaunt fest: Die landläufige Meinung ist ein Vorurteil. "Die Erstkommunion und ihre Vorbereitung ist viel besser als ihr Ruf", fasst Religionspädagoge Reinhold Boschki die Ergebnisse zusammen. "Eltern und Kinder bewerten beides auch im Nachhinein erstaunlich positiv. Das hat uns auch überrascht", so der Professor an der Universität Bonn.

Erstkommunion ist ein Familienevent

Auch langfristige Effekte auf die Religiosität seien deutlich zu sehen - und zwar bei Eltern und Kindern. "Nicht nur Kinder gehen zur Erstkommunion, sondern die ganze Familie", lautet ein Ergebnis der Studie. Umso wichtiger sei es, die Eltern von Anfang an mit einzubeziehen. Das könne bei Elterntreffen während der Vorbereitung passieren oder bei Familienwochenenden, wie sie zum Beispiel eine Gemeinde bei Bonn anbietet. "Das gehört dort selbstverständlich zur Katechese dazu. Die Kinder sollen mindestens eine Person zu diesem Wochenende mitbringen. Meist ist das die Mutter, es kann aber auch der Opa oder die Patin sein", erklärt Boschki.

Weniger wichtig sei, ob die Katechese in Blockseminaren oder regelmäßig stattfinde, ob sie 20 oder 40 Stunden umfasse. "Entscheidend ist die gute Beziehung zwischen den Beteiligten und dass sich Familien in allen Lebenslagen willkommen fühlen." Gerade Alleinerziehende oder Patchwork-Familien seien dann positiv überrascht, weil sie von der katholischen Kirche eher Ablehnung erwarteten als Verständnis.

Und was bleibt von der Erstkommunion, wenn der Alltag wieder einkehrt? In der Tat sitzen Kommunionkinder nicht fortan jeden Sonntag in der Kirchenbank. Aber der Gottesdienstbesuch sei auch längst nicht der alleinige Indikator, so die Forscher. "Natürlich sollte die Erstkommunion nicht die 'Letztkommunion' sein, aber ob ein Kind zum Gottesdienst kommt, hängt sehr von den Gewohnheiten der Eltern ab."

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Lara-Michelle ist sieben Jahre alt und die Kirche ist für sie noch etwas vollkommen Neues. Doch das ändert sich jetzt, denn Lara-Michelle hat bald ihre Erstkommunion. Katholisch.de hat sie auf ihrem Weg begleitet.
 Janina Mogendorf/Gregory McKenzie Elson

Auch für Familien, die ihren Sonntagmorgen lieber anders verbringen, kann die Religion ein Teil des Alltags sein. "Sei es, dass man vor dem Essen betet, die Kinder segnet oder gemeinsam in der Kinderbibel liest", so Boschki. A propos Kinderbibel: Gute Materialien seien wesentlich für eine gelingende Katechese. "Es macht einen Unterschied, ob ich den Kindern ein schön gestaltetes Buch mitgebe oder lose Kopien."

Zu wenig Unterstützung für Katecheten

Nicht nur an dieser Stelle bräuchten die Katecheten mehr Unterstützung. "Es reicht nicht, den Leuten einfach eine Mappe in die Hand zu drücken und dann zu sagen mach mal", meint Altmeyer. Anders als beim Religionsunterricht gebe es bei der Erstkommunionkatechese bis dato keine Orientierungsrichtlinien durch die Bischofskonferenz. "Das heißt nicht, dass es von oben reglementiert werden soll", will er sich nicht falsch verstanden wissen, "aber die Gegebenheiten in den Gemeinden sind eben sehr unterschiedlich." Häufig seien Katecheten zu sehr auf sich gestellt. "Und wir reden ja hier nicht von geschulten Pädagogen, sondern meist von Eltern, die sich der Sache freiwillig und aus innerer Überzeugung annehmen."

Und diese müssen Antworten finden, auch auf kritische Glaubensfragen der Eltern und Kinder. "Wichtig ist es, authentisch zu sein, also mit seinem Glauben und den dazu gehörenden Zweifeln offen umzugehen. Das wird von Eltern und Kindern honoriert", so Boschki. Dann nähmen auch die Kinder viel aus der Vorbereitung mit und trügen christliche Werte in ihren Alltag hinein.

Da gehe es zum Beispiel um die Frage: Wie gehe ich damit um, wenn ein Kind auf dem Schulhof vom Fußballspielen ausgeschlossen wird? "Die Erstkommunionkatechese weckt eine Sensibilität für den Umgang mit anderen", ist Altmeyer sicher. Daneben sei auch die Nähe zu Jesus etwas, das die Kommunionkinder stärker spürten als andere - und das auch noch ein Jahr nach der Erstkommunion.

"Für die Kinder ist der Tag, an dem sie zum ersten Mal das Heilige Brot empfangen, wie ein religiöser Kindergeburtstag", schildert der Theologe seine Eindrücke. Es sei aufregend, Mittelpunkt eines großen Festes zu sein, vor der Gemeinde Fürbitten vorzulesen, mit Familie und Freunden zu feiern. "Geschenke gehören auch dazu, das würde ich gar nicht so abwerten." Sie unterstrichen die Bedeutung des Tages, seien aber in der Rückschau gar nicht mehr so wichtig.

Daneben gebe es eine innere Aufgeregtheit während der Erstkommunion, die sich auf das Geheimnis der Eucharistie beziehe. "Wenn man Kinder fragt, was Eucharistie bedeutet, bekommt man in den seltensten Fällen eine Definition geliefert. Dafür sprechen sie aber darüber, wie es sich anfühlte, in der Kirche zu stehen und die erste Hostie ihres Lebens zu empfangen", so Altmeyer. Ihre Schilderungen spiegelten ein tiefes Erleben wider, so sein Kollege Boschki. "Und diese Erfahrung ist bedeutsamer als alles prüfbare Wissen."

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Die "Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerks" finden Sie unter www.bonifatiuswerk.de/erstkommunion und unter www.erstkommunion.de Wissenswertes und Materialien vom Sankt Michaelsbund.

Von Janina Mogendorf

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