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Grün - Weiß - Violett?

Gottesdienste sollen mit möglichst allen Sinnen gefeiert werden. Farben spielen dabei eine wichtige Rolle. In der Liturgie gibt es einen Farbkanon für die einzelnen Zeiten im Jahr.

Liturgische Farben | Bonn - 06.01.2015

Gottesdienste sollen mit möglichst allen Sinnen gefeiert werden. Mit den Augen nehmen wir den Kirchenraum und die Umgebung wahr, sehen die anderen Mitfeiernden, verfolgen den Ablauf. Farben spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie drücken Stimmungen aus, lassen einen Raum warm oder kalt wirken und haben Symbolkraft. In der Liturgie gibt es einen Farbkanon für die einzelnen Zeiten im Jahr.

Ihren Ursprung haben die unterschiedlichen Farben in der antiken Alltagskleidung, aus denen die liturgischen Gewänder entstanden sind. Das Unterkleid war weiß, die Oberbekleidung je nach gesellschaftlichem Stand, Vermögen und Festlichkeit gefärbt. Zum Färben verwendete man das verdünnte Sekret der Purpurschnecke. Je nach Färbungsgrad ergaben sich verschiedene Purpurfarben: von Rosa über Rot, Amethystgrün und Violett zu rotschimmerndem Schwarz.

Seit der Zeit der Karolinger im 8./9. Jahrhundert sind vereinzelt passende Farben bestimmten Festen zugeordnet. Verpflichtende Regelungen gibt es für den römischen Ritus erst mit dem Missale Romanum - dem amtlichen Messbuch - von 1570.

In der Regel tragen die Personen, die einen besonderen Dienst im Gottesdienst verrichten, Gewänder in der jeweiligen liturgischen Farbe: Das sind vor allem Bischof, Priester, Diakon und Ministranten. Oft sind auch Altar, Ambo und liturgische Geräte in den liturgischen Farben geschmückt. Diese Stoffe werden in der Fachsprache Paramente genannt.

Weiß wird für die Feiern in der Oster- und Weihnachtszeit, für die Feste des Herrn, Marias, der Engel und für die Feste der Heiligen, die nicht Märtyrer sind, verwendet. Um den besonderen Rang dieser Feste hervorzuheben, wird oft die Farbe Weiß durch goldene Ausschmückungen ergänzt.

Am dritten Adventssonntag "Gaudete" und am vierten Fastensonntag "Laetare" können Kleriker anstelle des violetten Messgewands eines in rosa tragen.  picture alliance/ZUMAPRESS.com

Die rote Farbe, die Blut, Feuer, aber auch den Heiligen Geist symbolisiert, ist für Palmsonntag, Karfreitag und das Fest der Kreuzerhöhung, für Pfingsten sowie Apostel- und Märtyrerfeste vorgesehen. Wegen des feierlichen Charakters dieser Farbe tragen auch Ministranten an manchen Festen rote Gewänder.

Eine violette Farbe haben die Gewänder in der Advents- und Fastenzeit. Damit bekommen die Vorbereitungszeiten auf Weihnachten und Ostern eine besondere farbliche Prägung, die auf die Buße hinweist. Neben den geprägten Zeiten im Weihnachts- und Osterfestkreis gibt es auch eine allgemeine Zeit im liturgischen Jahr. Für diese Tage wird Grün verwendet.

Bei der Liturgie für Verstorbene ist Violett oder die Trauerfarbe Schwarz vorgesehen. Wo es Brauch ist, kann an zwei Festen im liturgischen Jahr Rosa zum Einsatz kommen: an Gaudete, dem dritten Adventssonntag, und Laetare, dem vierten Fastensonntag. An manchen Orten wird für Marienfeste die marianische Farbe blau verwendet.

Von Florian Kluger

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