Kardinäle sitzen auf Stühlen.
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Italiener wollen nach zwei "Ausländern" wieder einen der ihren

115 Wähler - 115 Kandidaten

Bereits jetzt tauchen Namen möglicher, aber auch mancher unwahrscheinlicher Kandidaten auf.

Von Johannes Schidelko |  Rom - 18.02.2013

Und da diesmal nicht ein Papsttod frühzeitige Spekulationen pietätlos erscheinen lässt, tauchen bereits in den ersten Stunden nach der Rücktrittsankündigung die Namen möglicher, aber auch mancher unwahrscheinlicher Kandidaten auf.

Die 117 Wahlmänner kommen aus 50 Ländern; erforderlich für die Papstwahl ist eine Zweidrittelmehrheit. Europa stellt mit 61 Kardinälen knapp die absolute Mehrheit der Konklave-Teilnehmer. Die zweitgrößte Gruppe bilden die Lateinamerikaner (19), gefolgt von den Nordamerikanern (14). Aus Afrika und Asien kommen jeweils elf und aus Ozeanien kommt ein Wahlberechtigter. Der älteste Wähler ist Walter Kasper, der fünf Tage nach Sedisvakanz-Beginn 80 wird, jüngster - mit 53 Jahren - der Inder Baselios Cleemis Thottunkal.

Wie in der Vergangenheit bilden auch bei der Wahl des 266. Nachfolgers Petri die Italiener (28) die größte Landsmannschaft. Es folgen die USA (11) und danach bereits die sechs Deutschen. Für sie ziehen die Kurienkardinäle Walter Kasper (80) und Paul Josef Cordes (78), sowie die Diözesanbischöfe Joachim Meisner (79), Karl Lehmann (76), Reinhard Marx (59) und Rainer Maria Woelki (56) ins Konklave ein. Stark vertreten mit jeweils fünf Kardinälen sind auch die Spanier, Brasilianer und Inder. Je vier Konklave-Teilnehmer kommen aus Polen und Frankreich, jeweils drei stammen aus Kanada und Mexiko, und mit zwei Papstwählern sind Portugal, Argentinien und Nigeria vertreten.

Sprachkenntnisse und Managerqualitäten

Noch gibt es keinerlei Erkenntnisse, nach welchen Kriterien die Kardinäle den neuen Papst wählen wollen. Freilich dürften nach Benedikt XVI., der mit 78 Jahren sein Amt trat und sich gegen Ende des 86. Lebensjahres der Bürde nicht mehr gewachsen fühlte, Alter, physische Kräfte und Belastbarkeit eine Rolle spielen.

Hinzu kommen neben theologischer Bildung, pastoraler Erfahrung und internationalen Sprachkenntnissen - ein Handicap vor allem für viele Italiener - auch Managerqualitäten für die Leitung der Kirchenverwaltung. Das könnte für einen Kandidaten um die 70 sprechen, wie etwa der Kölner Kardinal Meisner betonte. Da 67, also die Mehrheit der 117 Wahlmänner von Benedikt XVI. ins Heilige Kollegium berufen wurde, könnte man daraus eher auf Kontinuität als auf einen abrupten Kurswechsel schließen.

Wäre es nicht an der Zeit für einen afrikanischen oder asiatischen Papst, wird in die Rom laut überlegt. Oder für einen Lateinamerikaner? Dagegen reklamieren italienische Kommentatoren, nach einem Polen und einem Deutschen sollte der nächste Papst wieder aus ihrem Land kommen - zumal Italiener wohl am besten mit dem Kurienapparat umgehen könnten. Häufig taucht der Name des Mailänder Erzbischofs Angelo Scola (71) auf. Aber auch sein Landsmann Gianfranco Ravasi (70), der umtriebige vatikanische Kulturminister, wird genannt.

Kurienkardinälen mit wichtiger Rolle

Als papabel gelten weiter die Kurienkardinäle Marc Ouellet (68, Bischofskongregation, Kanadier) und Leonardo Sandri (69, Ostkirchenkongregation, Italo-Argentinier) genannt. Gegen den ebenfalls erwähnten Franzosen Jean-Louis Tauran (69) könnten gesundheitliche Gründe sprechen. Dann taucht der konservative und in seiner Heimat sehr politisch agierende New Yorker Kardinal Timothy Dolan (63) auf.

Das "Papst-Roulette"

Katholisch.de stellt einige Kandidaten für das Papstamt vor

Unter den Lateinamerikanern scheinen, wenn man italienischen Medien glauben will, fast alle papabel. Das soll vor allem für den Argentinier Jorge Bergoglio (76) gelten, der beim letzten Konklave der "Gegenkandidat" von Joseph Ratzinger war - oder für Oscar Rodriguez Maradiaga (70) aus Honduras, der ebenfalls schon 2005 im Gespräch war. Aus Afrika werden die Kurialen Peter Kodwo Appiah Turkson (64) und Francis Arinze genannt, dessen Wahl aber aufgrund seiner 80 Jahre wenig wahrscheinlich ist.

Eine besondere Rolle bei der Papstwahl dürfte den Kurienkardinälen zukommen. Sie sind die erste Anlaufstelle für die viele Konklave-Teilnehmer aus der Weltkirche, die nach Rom kommen und nicht alle mit den Mechanismen der Kirchenzentrale vertraut sind.

Allerdings werden sich die Wahlmänner erst im Verlauf der täglichen Generalkongregationen, die ab Anfang März dem Konklave vorausgehen, näher kennenlernen. Dort werden sich die Kriterien herausbilden, welche Eigenschaften und Fähigkeiten der nächste Papst haben sollte - und wer für die Leitung der 1,2 Milliarden Katholiken in Frage kommt.

Von Johannes Schidelko