Ab 2020: Das werden die ersten Großpfarreien in Trier
Bistum hält trotz Protesten an Pfarreireform fest

Ab 2020: Das werden die ersten Großpfarreien in Trier

Es gab Petitionen und Demonstrationen, Pfarrgemeinderäte und Kommunalpolitiker haben protestiert – doch der Trierer Bischof Stephan Ackermann hält an der Pfarreireform fest. Aus gut 900 Pfarreien werden 35 Großpfarreien – und jetzt steht auch fest, wo die Reform zuerst wirken wird.

Von Felix Neumann (mit Material der KNA) |  Trier - 10.01.2019

Die Pfarreireform im Bistum Trier beginnt trotz Protesten zum 1. Januar 2020. Zunächst werden 13 "Pfarreien der Zukunft" errichtet, die restlichen 22 Pfarreien spätestens zum 1. Januar 2022. Dies teilten Bischof Stephan Ackermann und Generalvikar Ulrich von Plettenberg am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Trier mit. Ackermann bezeichnete die Errichtung der neuen Gebietsstruktur als "Zäsur", die zu einer "Unterbrechung vieler traditionelle Strukturen und Muster unserer bisherigen territorialen Seelsorge" führe.

Das gestufte Verfahren sei gewählt worden, um eine reibungslose Umsetzung der Reform zu gewährleisten, so Ackermann. Außerdem sollen dadurch Erfahrungen für die Umsetzung in den übrigen Gemeinden gewonnen werden. Ackermann hofft, dass dadurch Ängste abgebaut und mehr Menschen für die Reformen gewonnen werden können. "Ich bin mir sicher, dass die Errichtung der ersten 13 Pfarreien eine Bewegung auslösen wird, die auch den anderen hilft, intensiv auf die neue Form des pfarrlichen Lebens zuzugehen", so der Bischof. Das werde sich aber "nur im Gehen klären". Mit der Entscheidung wolle er das Versprechen einlösen, "nicht über Jahre hinweg über die Strukturen zu leben". Die Pfarreireform sei nicht einfach eine Strukturreform, sondern Teil einer "Erneuerung des kirchlichen Lebens im Bistum Trier".

Bisherige Dekanate werden Pfarreien

Im ersten Schritt werden die 13 "Pfarreien der Zukunft" errichtet, deren Territorium deckungsgleich mit bisherigen Dekanaten ist. Die dort bisher bestehenden Dekanate werden ebenfalls zum 1. Januar 2020 aufgelöst. In den Grenzen der bisherigen Dekanate gebe es bereits "vielfältige Vernetzungen, über die Grenzen von Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften hinaus pastorale Praxis und gemeinsame Erfahrungen", so Generalvikar Plettenberg. Für 2019 sind Informationsveranstaltungen mit dem Bischof und weiteren Verantwortlichen geplant, im März soll die kirchenrechtlich vorgesehene Anhörung der Räte im ganzen Bistum beginnen. Dabei solle es neben der Raumgliederung auch um den künftigen organisatorischen Aufbau, die Gremienstruktur, die Rechtsnachfolge und die Pfarrorte der neuen Pfarrei gehen.

Die Gremien der neuen Pfarreien sollen aus einem von den Gemeindemitgliedern gewähltem Rat, einer Synodalvertretung und einem Verwaltungsgremium bestehen. Die Kirche solle aber nicht wie bsiher vor allem durch ihre Gremien, sondern als "Orte von Kirche" wahrgenommen werden. Dazu gehören Kindergärten, Verbände und caritative Einrichtungen.

Kritiker weiterhin unzufrieden

Der Sprecher der Initiative "Kirchengemeinde vor Ort", Harald Cronauer, zeigte sich gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur in einer ersten Reaktion enttäuscht. Der Jurist und frühere FDP-Landesvorsitzende ist ehrenamtlich in seiner dörflichen Kirchengemeinde tätig, die nach den Plänen des Bistums ab 2020 zur Pfarrei Saarbrücken gehören soll. "Es ist schlimmer als gedacht", so Cronauer, denn mit dem Festhalten an den 35 Großpfarreien würden Fakten geschaffen. "Insgesamt wird deutlich, dass wir hier einen Rückschritt haben, denn die Machtkonzentration auf den Bischof wird noch intensiver", sagt Cronauer.

An der Spitze der Großpfarreien werde "eine teure, kopflastige Mammut-Verwaltung geschaffen, die die Zentralisierung weiter fördern wird". Die Initiative stört sich vor allem an den Plänen, dass die Vermögen der aufzulösenden Altpfarreien künftig durch die Großpfarrei verwaltet werden sollen. Welcher Einfluss in den Dörfern bestehen bleibe, das sei derzeit noch "äußerst schwammiges Wischi-Waschi". Cronauer will zur Not auch vor Verwaltungsgerichten gegen die Reformpläne vorgehen: "Wir bereiten nun die Klagen vor."

Die 13 Pfarreien der Zukunft zum 1. Januar 2020

Andernach, Bad Kreuznach, Betzdorf, Idar-Oberstein, Koblenz, Neuwied, Ochtendung, Wittlich, Saarbrücken, St. Wendel, Tholey, Völklingen und Wadern.

Grundsätzlich werden die neuen Pfarreien jeweils den Namen des zentralen Pfarrorts tragen. Ausnahmen davon sind nach bisherigem Stand Adenau-Gerolstein und Cochem-Zell, die einen Doppelnamen bekommen, sowie Tholey, dessen Pfarrort der Tholeyer Ortsteil Theley ist.

Diözesansynode hatte Strukturreform beschlossen

Die Neugliederung des Bistums Trier ist ein Ergebnis der Diözesansynode, die von 2013 bis 2016 tagte. Diese hatte beschlossen, die bisher gut 900 Pfarreien in 172 Pfarreiengemeinschaften in deutlich weniger "Pfarreien der Zukunft" aufgehen zu lassen, um die Gemeinden von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und Raum für pastorale Neuaufbrüche und thematische Schwerpunktsetzungen zu schaffen. Im Synodenbeschluss war die Rede von einem Richtwert von 60 Pfarreien, in der Umsetzung des Beschlusses wurde die endgültige Zahl auf 35 festgelegt. Die neuen Pfarreien werden zwischen 13.800 in Neuerburg/Eifel und fast 100.000 Katholiken in Saarbrücken umfassen. Saarbrücken wäre damit die bundesweit größte katholische Pfarrei und umfasst mehr als dreimal so viele Gläubige wie das Bistum Görlitz.

Die Pfarreireform wird in der Diözese kontrovers diskutiert. Besonders im ländlichen Raum gibt es Proteste gegen die Aufgabe der bisherigen Strukturen. Bürgerinitiativen, Lokalpolitiker und viele Gläubige hatten gegen die Neugliederung protestiert. Im Oktober 2018 haben 1500 Menschen in Trier gegen die Großpfarreien demonstriert; nach Angaben der Organisatoren hatten sich 264 Pfarreien mit der Demonstration solidarisiert.

Von Felix Neumann (mit Material der KNA)

10. Januar 2019, 14.30 Uhr: Ergänzt um Statement Cronauer.

Linktipp: Ist das Gemeindeleben im Bistum Trier vom Aussterben bedroht?

Schon seit Jahren rumort es im Bistum Trier: Aus fast 900 Gemeinden sollen 35 Großpfarreien werden. Viele Gläubige haben Angst, dass durch die Strukturreform das Ehrenamt ausstirbt. Einige von ihnen wollen notfalls sogar vor Gericht ziehen. Doch das Bistum sieht keine andere Lösung.