Ein Priester macht mit Öl ein Kreuzzeichen in die Hand einer Frau.
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Priorin von Kloster Fahr schlägt Erprobung in Frauenklöstern vor

Benediktinerin für Sakramentenspendung durch Frauen

Gleichberechtigung hat für die Priorin des Klosters Fahr viel mit Spiritualität zu tun. Statt einer Öffnung des Weihesakraments schlägt sie daher die Beauftragung von Frauen zur Sakramentenspendung vor.

Kloster Fahr - 13.03.2018

Die Schweizer Benediktinerin Irene Gassmann plädiert dafür, in Frauenklöstern die Sakramentenspendung durch Frauen zu erproben. In der aktuellen Ausgabe von "Forum", dem Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich, äußert sich die Priorin des Klosters Fahr zu Möglichkeiten der Gleichberechtigung in der Kirche.

Die Frage nach der Gleichberechtigung habe viel mit Spiritualität zu tun, sagt sie. Im Zentrum ihres Vorschlags stehen daher die Sakramente. Durch den Priestermangel gewöhne man sich daran, dass die Sakramente immer seltener gespendet würden, so Gassmann. Als Lösung schlägt die 52-jährige vor, "ad experimentum" in Klöstern zu erproben, Frauen mit der Spendung bestimmter Sakramente zu beauftragen. Eine Klostergemeinschaft könne dem Bischof Schwestern für eine Beauftragung empfehlen, die sie für geeignet halten, "dass diese für die Gemeinschaft ein Sakrament spendet". Ein Beispiel dafür sei die Krankensalbung, aber auch die Eucharistiefeier sei denkbar: "So könnten wir Erfahrungen sammeln mit weiblicher Sakramentalität, auf unspektakuläre Art."

Nach Probephase in Klöstern Ausweitung auf Pfarreien

Die Priorin des zur Abtei Einsiedeln gehörenden Benediktinerinnenklosters bezieht sich mit ihrem Vorschlag auf die Regel ihres Ordensgründers, der selbst kein Priester war: "Er schreibt im Kapitel über die Priester: Wenn ein Abt für die Gemeinschaft einen Priester braucht, dann wählt er einen aus der Gemeinschaft und bittet den Bischof, ihn zu weihen."

Derartige Beauftragungen zur Sakramentenspendung seien nach der Probephase in Klöstern auch in Pfarreien möglich, die Frauen für eine solche Beauftragung vorschlagen könnten, so die Priorin. "Etwa, wenn eine die Kranken besucht", könne der Bischof sie zur Spendung der Krankensalbung ermächtigen. "Eine Öffnung der Weiheämter hält die Benediktinerin zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht für sinnvoll: "Dann verweiblichen wir den Klerikalismus." Das sei "nicht das Miteinander, das ich mir wünsche". Ämter seien nur ein Teil der Frage nach dem Verhältnis von Männern und Frauen in der Kirche.

Schwester Irene Gassmann leitet seit 2003 ihr Kloster als Priorin in Vertretung des Abtes von Einsiedeln. Zuvor wurde das Kloster von einem Propst verwaltet. Heute leben dort 25 Nonnen  Seit seiner Gründung um 1130 gehört das in einer Exklave des Kantons Aargau gelegene Kloster zur etwa 50 Kilometer entfernten Abtei Einsiedeln. Einsiedeln und Fahr bilden das letzte erhalten gebliebene Doppelkloster, in dem Mönche und Nonnen unter einem gemeinsamen Ordensoberen in getrennten Kommunitäten leben. (fxn)