Bischof Franz-Josef Overbeck
"Mehr als nur eine liturgische Frage"

Bischof Overbeck kritisiert Piusbruderschaft

Vor zehn Jahren hob Benedikt XVI. die Exkommunikation der Piusbruderschaft auf. Seitdem konnte man zu keiner Einigung gelangen. Denn die großen Differenzen betreffen nicht nur liturgische Fragen, kritisiert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

Berlin - 13.04.2019

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich kritisch zu theologischen Positionen der Piusbruderschaft geäußert. Es gehe bei der Auseinandersetzung mit ihnen nicht zuerst um eine liturgische Frage, sondern um die Einsicht, dass Religionsfreiheit und Menschenrechte "für uns alle" gelten, sagte Overbeck am Freitag in Berlin.

Die katholische Kirche habe sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil der modernen Welt geöffnet, so der Bischof. Dazu gehöre auch die Akzeptanz inklusivistischer Positionen, wonach auch andere Religionen zu Gott führen.

Weiter kritisierte der Essener Bischof die politische Instrumentalisierung des Begriffs "christliches Abendland" durch Rechtspopulisten. "Die selbst ernannten Retter eines christlichen Abendlandes" bezögen sich dabei gerne genuin auf christliche Wurzeln, vergäßen aber etwa auch die christlich-jüdischen Traditionen, sagte Overbeck. Widersprüchlich sei zudem, dass sich die Vordenker eines Rechtspopulismus und -extremismus häufig auf vorchristliches, heidnisches Gedankengut bezögen, so der Bischof weiter. Overbeck äußerte sich bei einer Tagung des "Arbeitskreises der Christen in der SPD".

Verwirrung um Dialog mit Piusbrüdern

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde 1969 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründet. Sie lehnt viele Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in der katholischen Kirche ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. 1988 erfolgte die Exkommunikation ihrer Bischöfe, 2009 wurde sie von Papst Benedikt XVI. wieder aufgehoben.

Am Mittwoch dementierte der Vatikan eine Ankündigung des Bistums Chur, dass Bischof Vitus Huonder nach seiner Emeritierung für den Dialog mit der Priesterbruderschaft zuständig sei. Laut schweizer Medien bestehe kein Auftrag durch die Glaubenskongregation. Daraufhin veröffentlichte der Medienbeauftragte des Bistums eine anderslautende Stellungsnahme. "Es steht Aussage gegen Aussage", sagte der Provinzial der Schweizer Jesuiten Christian Rutishauser laut "Rundschau". Er vermute, Huonder habe versucht, mit Verweis auf die Glaubenskongregation seinen Umzug zur Priesterbruderschaft St. Pius X. zu rechtfertigen. (cst/KNA)