Heiner Wilmer im Mariendorm
Scharfe Kritik an Josef Homeyer

Bischof Wilmer: Mein Vorgänger hat bei Missbrauch mehr als versagt

In Sachen Missbrauch habe sein Vorvorgänger Josef Homeyer nicht nur versagt, sondern "fürchterliche Dinge" zugedeckt: Bischof Heiner Wilmer verurteilt die Arbeit der ehemaligen Hildesheimer Bistumsleitung aufs Schärfste.

Hildesheim - 18.10.2018

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer wirft seinem Vorvorgänger Josef Homeyer und der damaligen Bistumsleitung Versagen und Vertuschung in Sachen Missbrauch vor. "Ich kann nur sagen: Im Zusammenhang mit der Causa Peter R. hat der damalige Bischof Josef Homeyer mit seiner Bistumsleitung nicht nur versagt, sondern sie haben fürchterliche Dinge zugedeckt, und das ist eine Katastrophe", sagt Wilmer am Mittwochabend im NDR. Der 2010 gestorbene Homeyer war von 1983 bis 2004 Bischof von Hildesheim.

Nach einem Bericht der Hildesheimer "KirchenZeitung" bezieht Wilmer sich auf ein Gespräch mit einem Mitarbeiter seines Bistums. Dieser habe ihm versichert, die damalige Bistumsleitung über das Verhalten von Peter R. informiert zu haben. Außerdem habe es finanzielle Unregelmäßigkeiten gegeben, so die Zeitung. Die Bistumsleitung hat dem Mitarbeiter demnach mit einer Abmahnung gedroht, falls dieser nicht schweige.

Haupttäter im Missbrauchsskandal am Canisiuskolleg

Wilmer reagierte mit seinen Äußerungen auch auf neue Berichte über den Fall Peter R. Der Jesuitenpater gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Canisiuskolleg und war später bis 2003 unter anderem als Pfarrer im Bistum Hildesheim tätig. Der Beschuldigte lebt jetzt als Ruheständler in Berlin, wo sich das Kirchengericht des Erzbistums Berlin mit neuen Missbrauchsvorwürfen gegen ihn beschäftigt.

Am Dienstag sagte der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner, dass sich zusätzlich zu den bekannten Anschuldigungen weitere Betroffene äußern wollten. Das Bistum Hildesheim will laut Sprecher Volker Bauerfeld Kontakt zu bekannt gewordenen weiteren Opfern aus Chile aufnehmen.

Themenseite: Missbrauch

2010 wurde erstmals eine größere Zahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Seitdem bemüht sich die Kirche um eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Bei ihrer Herbst-Vollversammlung veröffentlichten die deutschen Bischöfe am 25. September 2018 eine Studie, die die Missbrauchsfälle im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1946 und 2014 dokumentiert.

Die Äußerungen beziehen sich auf einen ARD-Bericht, der am Montagabend unter dem Titel "Meine Täter, die Priester" ausgestrahlt wurde. Dafür war der Sprecher der Opferinitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, Anfang des Jahres in Chile unterwegs auf den Spuren der Jesuitenpatres Peter R. und Wolfgang S., der beiden Hauptbeschuldigten vom Canisiuskolleg. An der Jesuitenschule waren Katsch und zahlreiche andere Schüler in den 1970er und 1980er Jahren missbraucht worden.

Für den Film besuchte Katsch unter anderem ein katholisches Sozialzentrum, das von Peter R. seit Jahrzehnten finanziell unterstützt wird und wo er auch häufig zu Gast war. Zudem hatten immer wieder Jugendliche von dort Peter R. in Deutschland besucht. Mehrere von ihnen berichten in dem Film von Übergriffen.

Missbrauchsfälle mit Hilfe von außen aufklären

Bischof Wilmer kündigte im NDR darüber hinaus an, Missbrauchsfälle in seinem Bistum mit Hilfe von außen aufklären zu wollen: Dies sei notwendig, "um Betroffene zu finden, um hier auch adäquat vorzugehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen externen Sachverstand. Es ist unmöglich, dass Kirche hier nur eine Binnenkultur pflegt."

Bereits in der vergangenen Woche hatte Wilmer angekündigt, für die Aufklärung von Missbrauchsfällen in seinem Bistum die Akten weitgehend öffnen. "Ich bin für eine offene Herangehensweise. Wir haben nichts zu verheimlichen", sagte er dem "Rundblick". Er sei dafür, Akten auch für Externe zu öffnen. "Anders können wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen nicht zurückgewinnen." Der Bischof lasse sich derzeit beraten, wie eine Öffnung der Unterlagen aussehen könne, zitierte das Blatt einen Sprecher. (tmg/KNA)