Bischöfe gegen neuen Down-Syndrom-Test
Verfahren könnte Abtreibungsmechanismus in Gang setzen

Bischöfe gegen neuen Down-Syndrom-Test

Ein neuer Bluttest zur Früherkennung des Down-Syndroms könnte bald von den Krankenkassen finanziert werden. Die katholische Kirche fürchtet einen Abtreibungsmechanismus - und schlägt Alarm!

Bonn - 23.08.2016

Die deutschen Bischöfe lehnen die flächendeckende Einführung eines neuen Bluttests zur Früherkennung des Down-Syndroms ab. Alle empirischen Forschungen zeigten, "dass der Praena-Test als reines Selektionsinstrument wirkt", heißt es in einem Brief des für bioethische Fragen zuständigen Bischofs Gebhard Fürst an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Der G-BA ist das höchste Gremium der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Der Ausschuss hatte in der vergangenen Woche ein Prüfverfahren zur Übernahme der Bluttests in den Leistungskatalog der Krankenkassen eingeleitet. Der Test könnte dann die gefährlichere Untersuchung des Fruchtwassers ersetzen, bei der es zu Infektionen und Fehlgeburten kommen kann. Aktuell kosten die neuen Tests noch zwischen 400 und 1.000 Euro. In Deutschland werden die Untersuchungen hauptsächlich unter dem Namen "Praena" vom Hersteller LifeCodexx aus Konstanz vertrieben.

Mehrere Gründe sprechen gegen flächendeckende Einführung

Bischof Fürst warnt in seinem Brief, den er bereits im Januar verschickte und der katholisch.de nun vorliegt, aus mehreren Gründen vor dem neuen Testverfahren. Zwar sei es ein medizinischer Fortschritt, dass frühzeitig therapeutische Maßnahmen für das ungeborene Kind eingeleitet werden könnten. Es sei aber davon auszugehen, dass eine Ausbreitung des Verfahrens werdende Eltern zunehmend in gravierende Entscheidungskonflikte über Leben und Tod brächten. Darüber hinaus könne eine Diagnose des Down-Syndroms weder etwas über die Schwere der Erkrankung aussagen, noch sei gegenwärtig eine Therapie möglich.

Letztlich "zeigen alle empirischen Forschungen, dass der Praena-Test in der Praxis als reines Selektionsinstrument wirkt, das einen Abtreibungsautomatismus in Gang setzt", so der Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Statistiken der Behindertenverbände legten offen, dass bereits jetzt 90 Prozent der Trisomie-Verdachtsfälle zum Tod des Embryos führten. Wenn ein risikoarmer Test zur Feststellung von Trisomie 21 zur Routineuntersuchung für Schwangere würde, stünde das Leben mit Behinderung noch mehr in Gefahr. Die Selektion menschlichen Lebens nach genetischen Kriterien verstoße aber "gegen die unbedingte Pflicht, die Würde des Menschen zu achten", so Fürst. (bod)

Linktipp: "Lebensgefahr für ungeborene Kinder"

Eine relativ neue Methode der Medizin macht es möglich, schon in der frühen Phase der Schwangerschaft zu erkennen, ob ein ungeborenes Kind einen Chromosonenfehler hat. Das Verfahren könnte bald zur Regel werden - ist aber hoch umstritten.