Bischof Georg Bätzing
Eventuell rechtliche Schritte gegen radikale Abtreibungsgegner

Bistum Limburg sieht "Rufmord" gegen Bischof

Diffamierende Berichte, eine Onlinepetition und Banner vor der Wohnung: Limburgs Bischof Georg Bätzing ist ins Visier radikaler Abtreibungsgegner geraten. Das Bistum erwägt nun rechtliche Schritte.

Limburg - 27.12.2017

Nach einer Postkartenaktion und Onlinepetition radikaler Abtreibungsgegner gegen den Limburger Bischof Georg Bätzing erwägt das Bistum rechtliche Schritte. "Das ist schon Rufmord", sagte Sprecher Stephan Schnelle am Mittwoch über Flyer, die den Bischof als einen "Komplizen der Abtreibungsindustrie" verunglimpften. Vor dem Privathaus des Bischofs sei zudem ein Banner errichtet worden. Es müsse noch geprüft werden, wer die rechtliche Verantwortung dafür trage. Zu behaupten, der Bischof oder das Bistum förderten Abtreibung, sei "großer Quatsch", so Schnelle weiter.

Die Aktion überschattet auch einen Gottesdienst für Familien an diesem Donnerstag. "Morgen ist das Fest der unschuldigen Kinder", sagte Schnelle. Es sei eine "Belastung", wenn vor einem für alle gedachten Gottesdienst Türsteher einen störungsfreien Ablauf sichern müssten. Auch für den bundesweit übertragenen Weihnachtsgottesdienst im Dom hatte es Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

Auslöser war Hetzkampagne von Internetportal

Auslöser der Hetzkampgane war ein Bericht des ultrakonservativen Internetportals "katholisches.info" Mitte November über ein Verzeichnis mit Kontaktadressen für "Menschen in Notsituationen". Das hatte der katholische Bezirk Hochtaunus, der zum Bistum Limburg gehört, als PDF-Datei auf seine Internetseite gestellt. Unter den Kontaktadressen befand sich auch eine Hilfseinrichtung der evangelischen Diakonie, die Scheine in der Schwangerenkonfliktberatung ausstellt. Diese sind Voraussetzung für eine Abtreibung. Anschließend folgten eine Onlinepetition sowie eine Strafanzeige durch den Bundesvorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei gegen Bätzing, der diesem Werbung für Abtreibung vorwarf. Die entsprechenden Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen den Bischof wurden allerdings inzwischen eingestellt.

Das Bistum Limburg hatte das entsprechende Dokument unmittelbar von der Internetseite entfernt, nachdem es auf das Angebot der Diakonie aufmerksam gemacht worden war. Dass man aus dem Adressenverzeichnis jedoch den Vorwurf gegen Bischof Bätzing konstruiert hat, er werbe "direkt für den Kindermord im Mutterleib", bezeichnete Schnelle damals gegenüber katholisch.de als "perfide und abseitig". Und er ergänzte: "Der Lebensschutz hat für den Bischof und für die Diözese höchste Priorität."

Georg Bätzing ist seit seit dem 18. September 2016 Bischof von Limburg und damit Nachfolger von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Zuvor war Bätzing vier Jahre lang Generalvikar im Bistum Trier. (bod/dpa)