Kloster Tabgha brennt
Gericht verkündet Strafmaß für Verurteilten

Brandstifter von Tabgha: Vier Jahre Gefängnis

Vor eineinhalb Jahren verübte ein jüdischer Extremist einen Brandanschlag auf das deutsche Kloster Tabgha in Israel. Bereits im Sommer wurde er für schuldig befunden. Nun ist auch das Strafmaß bekannt.

Bonn/Jerusalem - 12.12.2017

Für den Brandanschlag auf das Kloster Tabgha am See Genezareth in Israel ist ein jüdischer Extremist zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die letzten beiden Jahre wurden zur Bewährung ausgesetzt, wie israelische Medien am Dienstag berichteten. Knapp ein halbes Jahr nach dem Schuldspruch wurde damit auch das Strafmaß für Yinon Reuveni festgelegt. Ein Gericht in Nazareth verurteilte den 22-Jährigen zudem zu umgerechnet 12.500 Euro Schadensersatz. Reuvenis Anwalt kündigte Berufung gegen den Schuldspruch und das Strafmaß an.

Beim Brandanschlag in der Nacht auf den 18. Juni 2015 wurde das deutschsprachige Benediktinerkloster schwer beschädigt. Ein Teil des erst drei Jahre zuvor errichteten Neubaus brannte komplett aus. Ein Mönch und eine Mitarbeiterin erlitten dabei leichte Verletzungen, zudem richtete das Feuer nach Ordensangaben Schäden in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro an. Im Sommer 2016 wurden die Renovierungsarbeiten begonnen und im Februar 2017 mit der Wiedereröffnung der Klosterkirche abgeschlossen.

Staatsanwalt lobt Schlag gegen Terrorismus

Wenige Wochen nach dem Anschlag hatten die israelische Polizei und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet drei Verdächtige festgenommen, gegen zwei von ihnen wurde später Anklage erhoben. Im Juli dieses Jahres hatte das Bezirksgericht in Nazareth Reuveni für schuldig befunden. Ein 21-jähriger Mitangeklagter wurde freigesprochen. Bei beiden handelt es sich um Mitglieder einer jüdisch-extremistischen Siedlergruppe. Staatsanwalt Avi Pasternak hatte das Urteil im Juli als bedeutendes Statement gegen jüdischen Terrorismus bezeichnet.

Tabgha am Ufer des Sees Genezareth ist nach christlicher Überlieferung jener Ort, an dem Jesus Christus das Wunder der Brotvermehrung gewirkt haben soll. Seit 1939 wird der Pilgerort durch Mönche der von deutschen Benediktinern gegründeten Dormitio-Abtei in Jerusalem betreut. 1954 wurde für das Priorat in Tabgha ein erstes Kloster errichtet. Drei Jahrzehnte nach der Eröffnung der heutigen Brotvermehrungskirche im Jahr 1982 wurde im Jahr 2012 der neue Klosterbau fertiggestellt. (kim/KNA)