Bischöfe nehmen an der Generalversammlung der Jugendsynode teil.
Katholisch.de-Blog zur Jugendsynode im Vatikan - Teil 8

Die ständigen Verweise auf Rom müssen ein Ende haben

Am Sonntag endet die Jugendsynode. Aus Sicht unserer Autors Simon Linder geht die Arbeit dann erst richtig los. Denn dann müssten die Beschlüsse in den Ländern der Weltkirche mutig umgesetzt werden. Und das könne in Deutschland anders aussehen als auf den Philippinen, in Kenia anders als in Argentinien.

Von Simon Linder |  Vatikanstadt - 27.10.2018

Simon Linder bei katholisch.de

Dreieinhalb Wochen Textarbeit gehen am heutigen Samstag zu Ende. Ein letztes Mal werden Änderungsanträge eingereicht, dann wird über das Abschlussdokument Punkt für Punkt abgestimmt. Schon heute Abend könnte es veröffentlicht werden. Am Sonntagmorgen folgt die Abschlussmesse im Petersdom, dann ist die Jugendsynode vorbei. Und wieder einmal ist deutlich geworden: Weltkirche und dezentralisierte Kirche bedingen sich gegenseitig.

1. Weltkirche braucht weltkirchlichen Austausch

Man stelle sich einmal vor, ein weltweit operierendes Unternehmen würde für einen ganzen Monat alle Führungskräfte für einen bestimmten Arbeitsbereich aus allen Ländern abziehen und an einem Ort versammeln, um dort über aktuelle Herausforderungen ins Gespräch zu kommen – nahezu undenkbar. Bei ihren Weltbischofssynoden macht Kirche aber genau das, und das ist gut. Das gegenseitige Zuhören, der interkontinentale Austausch, die gemeinsam entwickelten Vorstellungen – das alles ist von unschätzbarem Wert für die Kirche.

Eine Synode als "gemeinsamen Weg" zu gehen bedeutet, für ein paar Wochen den Kalender freizuschaufeln und die üblichen Pfade zu verlassen. Das haben die Bischöfe gemacht, deren Kalender stets gut gefüllt ist; die Auditorinnen und Auditoren, von denen manche ein paar Wochen an der Uni schwänzten; und auch Papst Franziskus: Er war in fast allen Sitzungen des Plenums dabei. Durch seine Anwesenheit und seine Aufmerksamkeit drückte er der Synode seine große Wertschätzung aus und zeigte, was es heutzutage heißt, Führungskraft zu sein: zuzuhören und sich vor Entscheidungen fundiert zu beraten.

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Was beschäftigt junge Menschen heute? Woran glauben sie? Und wie kann die Kirche sie bei einem gelingenden (Glaubens-) Leben unterstützen? Darüber diskutieren die Bischöfe bei ihrer weltweiten Synode vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan.

In der Synode wurde förmlich greifbar: Weltkirche zu sein hat seinen besonderen Wert im Spannungsfeld von Einheit in Vielfalt. Es braucht eine gemeinsame Basis, über die wir uns verständigen. Eine Weltbischofssynode kann eine grundsätzliche Verständigung über die Richtung leisten, in die man als Kirche gemeinsam gehen will. Es ist zu hoffen, dass diese im Abschlussdokument deutlich wird.

2. Weltkirche braucht Dezentralisierung

Reinhard Kardinal Marx brachte mit seinem Statement und später nochmals auf einer Pressekonferenz mit deutlichen Worten zum Ausdruck, wie wichtig ihm Frauen in Leitungsfunktionen der Kirche sind. Es ist zu hoffen, dass das Abschlussdokument der Synode ein klares Bekenntnis dazu enthält. Die Umsetzung dieser Richtungsentscheidung und ihr Tempo werden in den Bischofskonferenzen und Diözesen der ganzen Welt unterschiedlich aussehen.

Dieses Beispiel zeigt, was eine Synode leisten kann – und was nicht. Eine Synode gibt die Richtung vor, aber Interpretation und Realisierung übernehmen die Bischofskonferenzen und Diözesen in den jeweiligen Ländern. Das ist nichts Neues: Subsidiarität gehört von Anfang an zur Kirche. Die Kirche ist eine Einheit – aber eben in der Vielfalt der Wege, die vor Ort gegangen werden müssen.

Das bedeutet dann allerdings auch: Die ständigen Verweise auf Rom müssen ein Ende haben. Die Grundlinien, die das Dokument vorgeben wird, müssen zu mutigen Veränderungen in der Kirche führen – das können in Deutschland andere sein als auf den Philippinen, in Kenia andere als in Argentinien.

Was auf einer Weltbischofssynode nur im Allgemeinen bleiben kann, muss jetzt dezentral konkret werden. Die Jugendsynode kommt jetzt zu ihrem Abschluss. Sie ist aber nicht das Ende einer Entwicklung, sondern ein Anfang. Jetzt geht die Arbeit vor Ort erst richtig los.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder ist Referent für Kirchenpolitik und Jugendpastoral beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Kolumnist bei der Ludwigsburger Kreiszeitung. Bei der Jugendsynode berät er den BDKJ-Bundesvorsitzenden Thomas Andonie theologisch und unterstützt ihn bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem berichtet er täglich auf dem Instagram-Account von katholisch.de (@katholisch_de) über die Synode.