Ein leerer Teller.
Umfrage und Aufruf des bischöflichen Hilfswerks Misereor

Handy-Fasten geht gar nicht

Die 40 Tage vor Ostern sind für Christen traditionell die Fastenzeit. Das Hilfswerk Misereor hat daher nachgefragt: Wer fastet und worauf verzichten die Deutschen? Das Ergebnis ist aus kirchlicher Sicht ernüchternd.

Aachen - 19.01.2018

Ein Drittel der Deutschen hat einer Umfrage zufolge schon einmal gefastet. Jeder Zehnte (11 Prozent) übte den Verzicht zur christlichen Fastenzeit vor Ostern, knapp ein Viertel (22 Prozent) der Befragten fastete zu anderen Zeiten, wie aus der repräsentativen Umfrage des Bischöflichen Hilfswerks Misereor mit dem Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht. Für knapp die Hälfte (45 Prozent) aller Deutschen kommt das Fasten "nicht infrage", während sich knapp ein Viertel vorstellen könnte, auf etwas zu verzichten.

Als Motivation nannten die Befragten demnach am häufigsten gesundheitliche Gründe: "Entgiften/Entschlacken" gaben 44 Prozent an. Zudem nannten rund 40 Prozent der Befragten "Gesünder leben", "Bewusster leben" oder das "Gewicht reduzieren". Doch auch den Aussagen "Änderung des Konsumverhaltens" oder "Gewohnheiten infrage stellen" stimmte jeweils ein Viertel der Befragten zu.

Die Befragten verzichten demnach oft auf Alkohol (48 Prozent), dicht gefolgt von Süßigkeiten (47 Prozent) und Fleisch (30 Prozent). Auf den Computer oder das Handy wollen die Deutschen offenbar kaum verzichten: Lediglich 7 Prozent der Befragten ließen die Finger von digitalen Geräten. Zwei Drittel der Teilnehmer blieben der Umfrage zufolge standhaft - sie hielten die gesamte Fastenzeit durch. 23 Prozent legten zwischendurch Pausen ein, und jeder Zehnte brach das Fasten ab. An der Umfrage nahmen 2.022 Deutsche teil.

Der Spitzenreiter in der Fastenzeit: 48 Prozenz der Befragten verzichten auf Alkohol.

Georg Stoll, entwicklungspolitischer Referent bei Misereor, erklärte am Donnerstag in Aachen, dass Fasten und Teilen zusammengehörten. Nicht nur, um global gerechtere Lebensverhältnisse für alle zu schaffen - "sondern auch, weil wir mit unserem konsumorientierten Lebensstil in Deutschland so tun, als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung. Verzicht ist keine Selbstkasteiung, sondern die Entdeckung guten Lebens jenseits der vielfältigen Konsumzwänge."

Fasten sei eine gute Gelegenheit, Wege zu einem besseren und freieren Leben zu entdecken. Stoll kritisierte, dass im politischen Raum kaum jemand den notwendigen radikalen Umbau hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft in der erforderlichen Konsequenz vorantreibe. "Da wird gerne das Arbeitsplatzargument vorgeschoben - während in Zusammenhang mit Digitalisierung und Industrie 4.0 gleichzeitig die Veränderung der Erwerbsarbeit gepredigt wird."

Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, appellierte an die künftige Bundesregierung, stärker eine "sozial-ökologische Umgestaltung" Deutschlands voranzutreiben. "Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft, was die Bereitschaft zur Veränderung betrifft, deutlich weiter ist als die Parteipolitik." (KNA)