Ein kirchlicher "Hausarzt" für Bauern in Not
Harald Klein ist Landwirtschaftlicher Familienberater

Ein kirchlicher "Hausarzt" für Bauern in Not

Ob sinkende Milchpreise, schlechte Ernten oder Konflikte auf dem Hof: Im Bistum Trier bietet man Bauern in Not Hilfe an. Wie die Kirche das konkret tut, erklärt Berater Harald Klein im Interview.

Von Steffen Zimmermann |  Trier - 04.03.2018

Seit Anfang des Jahres koordiniert Harald Klein die Landwirtschaftliche Familienberatung im Bistum Trier. In dieser Funktion ist der 54-Jährige Ansprechpartner für Bauern und Winzer in Krisensituationen. Im Interview spricht Klein über die Probleme landwirtschaftlicher Betriebe. Außerdem erklärt er, wie die Kirche Bauern in Not helfen kann.

Frage: Herr Klein, Sie bieten im Bistum Trier eine Familienberatung speziell für Landwirte an. Warum hat diese Gruppe besonderen Beratungsbedarf?

Klein: Landwirtschaftliche Betriebe stellen gesellschaftlich und wirtschaftlich durchaus eine Besonderheit dar. Zum einen leben auf einem Bauernhof – anders als sonst in der Gesellschaft – oftmals noch mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach. Zum anderen sind das Betriebliche und das Private hier meist eng verzahnt; die Betriebsstätte und der private Wohnbereich gehen in der Regel nahtlos ineinander über. Diese beiden Faktoren können durchaus herausfordernd sein und bei Problemen eine spezielle Beratung erforderlich machen.

Frage: Bei den Bauernverbänden oder den Landwirtschaftskammern gibt es schon längere Zeit Ansprechpartner für Bauern in Not. Warum braucht es in diesem Feld trotzdem auch ein kirchliches Beratungsangebot?

Klein: Wir sehen unser Beratungsangebot nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu anderen Angeboten. Wir vergleichen unsere Beratung gerne mit der Rolle eines Hausarztes, der ja in der Regel der erste Ansprechpartner bei Beschwerden und Krankheiten ist. Auch wir wollen ein erster Ansprechpartner für Landwirte in Not sein. Unser Ziel ist es, mit unseren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern einen Ort anzubieten, an dem man einfach mal reden und seine Sorgen ausschütten kann. Und bei Bedarf leiten wir die Landwirte dann – um im Bild zu bleiben – natürlich auch an die "Fachärzte" anderer Beratungsstellen weiter.

Linktipp

Weitere Informationen und Ansprechpartner für eine Beratung finden Sie auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone.

Frage: Was sind typische Sorgen, mit denen sich Landwirte an Ihre Beratungsstelle wenden?

Klein: Derzeit gibt es vor allem zwei Themen, die in der Beratung regelmäßig zur Sprache kommen: Generationenkonflikte bei einer Betriebsübergabe und Probleme in der Partnerschaft. Doch auch wirtschaftliche Sorgen sind immer wieder Thema in der Beratung – zum Beispiel dann, wenn der Milchpreis wieder einmal absinkt und die landwirtschaftlichen Betriebe dadurch in eine finanzielle Schieflage geraten.

Frage: Wie sieht Ihre Arbeit in solchen Fällen aus? Welche Angebote können Sie Landwirten in Not als kirchliche Beratungsstelle machen?

Klein: Unsere Arbeit orientiert sich an dem Grundsatz "Reden hilft". Bei Generationenkonflikten in einem Betrieb führen wir zum Beispiel meist erst einmal ausführliche Einzelgespräche mit allen Betroffenen; anschließend versuchen wir, die zerstrittenen Parteien an einen Tisch zu holen und die Probleme gemeinsam zu besprechen. Wichtig ist dabei immer, dass kein zeitlicher Druck aufgebaut wird – gerade die Lösung innerfamiliärer Konflikte braucht meist viel Zeit. Mit einer Sitzung oder einem Gespräch ist es da nicht getan – im Gegenteil: Es gibt Klienten, die schon seit mehreren Jahren durch unsere Familienberatung begleitet werden.

Frage: Und was ist das konkrete Ziel Ihrer Beratung?

Klein: Unser Ziel ist es, im Gespräch mit den Landwirten Lösungen für ihre Probleme zu erarbeiten. Wichtig ist dabei, immer ehrlich mit den Betroffenen umzugehen und eine realistische Perspektive einzunehmen. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn sich die unterschiedlichen Generationen – zum Beispiel Vater und Sohn – bei einer Betriebsübergabe partout nicht einig werden oder eine Weiterführung des Betriebs innerhalb der Familie aus finanziellen Gründen aussichtslos erscheint, kann es durchaus sinnvoll sein, den Betrieb an einen externen Interessenten zu verkaufen – und wenn wir zu diesem Schluss kommen, beraten wir auch in diese Richtung. Darüber hinaus stellen wir bei Bedarf natürlich auch den Kontakt zu anderen Beratungsstellen her. Wir kooperieren zum Beispiel mit der Lebensberatung und der Schuldnerberatung der Caritas sowie mit sozioökonomischen Beratungsstellen bei den Bauernverbänden.

Bild: © biptrier

Harald Klein koordiniert die Landwirtschaftliche Familienberatung im Bistum Trier

Frage: Sie knüpfen im Bedarfsfall also ein richtiges Beratungsnetz um den betroffenen Landwirt?

Klein: Selbstverständlich, denn auch wir haben natürlich nicht für jedes Problem sofort eine Lösung parat. Wenn sich in der Beratung beispielsweise zeigt, dass es auf einem Bauernhof vor allem ein finanzielles Problem gibt, stellen wir gerne den Kontakt zu den entsprechenden Experten bei Bauernverbänden oder Banken her. Wie ich schon gesagt habe: Uns geht es in unserer Beratung vor allem darum, die Probleme konkret zu benennen und mögliche Lösungswege aufzuzeigen.

Frage: Können sich denn nur Landwirte aus dem Bistum Trier an Ihre Beratungsstelle wenden oder sind sie bundesweit ansprechbar?

Klein: Unser Beratungsangebot ist auf das Gebiet des Bistums Trier und die entsprechenden Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland – mit der wir die Landwirtschaftliche Familienberatung gemeinsam anbieten – begrenzt. Ähnliche Beratungsangebote gibt es aber auch in einigen anderen Bistümern und Landeskirchen. Auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen und Sorgentelefone findet man eine Übersicht aller regionalen Beratungsangebote.

Frage: Sie selbst sind gelernter Bankkaufmann. Welchen Zugang haben sie zu landwirtschaftlichen Themen und den Problemen von Bauern?

Klein: Zum einen habe ich lange bei Genossenschaftsbanken gearbeitet und dort viele Kunden auf dem Land betreut, darunter natürlich auch Landwirte. Zum anderen wohne ich selbst auf dem Land und habe von daher sicher auch ein Gespür landwirtschaftliche Themen. Für meine Arbeit in der landwirtschaftlichen Familienberatung hilft mir aber auch meine Tätigkeit als Diakon mit Zivilberuf. Aus diesem Kontext heraus fühle ich mich gut gewappnet, um unsere Ehrenamtlichen bei der Erstberatung zu unterstützen. Und wenn es dann im Erstgespräch doch bereits einmal um finanzielle Sorgen der Landwirte gehen sollte, greife ich gerne auf die Erfahrungen aus meiner Banktätigkeit zurück.

Von Steffen Zimmermann

Zur Person

Harald Klein koordiniert seit 1. Januar 2018 die Landwirtschaftliche Familienberatung der Kirchen im Bereich des Bistums Trier. Daneben ist der 54-Jährige Referent der Katholischen Landvolkbewegung in der südwestdeutschen Diözese.