Anthony Sablan Apuron, Erzbischof von Agana, der ehemalige Erzbischof von Agaña
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Urteil in Amtsenthebungsverfahren verkündet

Erzbischof von Guam: Ich bin Opfer einer koordinierten Kampagne

Seit 2017 ermittelte der Vatikan gegen den Erzbischof von Guam wegen sexuellen Missbrauchs. Jetzt wurde das Urteil verkündet. Die Entscheidung ist endgültig - trotzdem legt Erzbischof Apuron Widerspruch dagegen ein.

Vatikanstadt - 04.04.2019

Der wegen Missbrauchs von Minderjährigen abgesetzte Erzbischof Anthony Sablan Apuron (73) wehrt sich gegen die endgültige Entscheidung der Römischen Glaubenskongregation. Er sei unschuldig und Opfer einer "koordinierten Kampagne" gegen ihn, schrieb der frühere Erzbischof von Agana auf der Pazifikinsel Guam in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Wie der Vatikan kurz zuvor mitteilte, bestätigte das Gericht der Kongregation bereits Anfang Februar ein erstinstanzliches Urteil vom März 2018. Dagegen hatte Apuron damals Widerspruch eingelegt.

Das Urteil beinhaltet mehrere Strafen. So ist Apuron seines Amtes als Erzbischof von Guam enthoben und darf sich nicht mehr - auch nicht vorübergehend - auf dem Gebiet des Erzbistums aufhalten. Er bleibt weiterhin Priester und Bischof, darf aber nicht mehr die Insignien eines Bischofs tragen; dazu gehören Bischofsstab, Brustkreuz und Mitra. Gegen das Urteil ist keine Revision mehr möglich.

Kardinal Burke ermittelte im Auftrag des Vatikan

Mehrere ehemalige Messdiener hatten Apuron beschuldigt, er habe sie als Gemeindepfarrer in den 1970er Jahren sexuell missbraucht. Der Erzbischof bestritt dies und lehnte einen Rücktritt ab. Papst Franziskus stellte ihm im Oktober 2016 mit dem US-Amerikaner Michael Byrnes einen Koadjutor an die Seite. Anfang 2017 beauftragte der Papst den US-amerikanischen Kurienkardinal Raymond Burke mit Ermittlungen auf Guam.

In seiner Erklärung beteuert Apuron seine "totale Unschuld". Dies zeigten auch die von ihm vorgebrachten "Fakten und Beweise". Dagegen gebe es auf Guam eine "Pressure group", die beschlossen habe, ihn zu vernichten. Mehrere Personen hätten ihm gestanden, zu Falschaussagen gedrängt worden zu sein, auch unter dem Angebot von Geldzahlungen. Derweil hätten die Medien auf Guam ein Klima der Vorverurteilung geschaffen.

Unter anderem aufgrund der im vatikanischen Prozess verhandelten Fälle laufen vor den staatlichen Gerichten Guams weitere Prozesse. Im November hatte das Erzbistum angekündigt, aufgrund der erwarteten Schadensersatzzahlungen in über 200 Fällen Insolvenz anzumelden. Das Gebiet der Insel Guam bildet das Erzbistum Agaña. 85 Prozent der gut 170.000 Einwohner sind katholisch. Politisch gehört die im Süden des Marianen-Archipels im Westpazifik gelegene Insel den USA als nichtinkorporiertes Territorium an. Seit 1994 haben 20 US-Bistümer Insolvenz angemeldet. (cst/KNA)