Der us-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke.
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Der Amerikaner ist Wortführer der konservativen Papst-Kritiker

Kardinal Burke wird 70

Kardinal Raymond Burke hat eine außergewöhnliche kirchliche Karriere hinter sich - bis zum Pontifikat von Papst Franziskus. Denn Burke ist einer der schärfsten Kritiker des Papstes. Heute wird er 70 Jahre alt.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA) |  Bonn - 30.06.2018

Wenn Kirchenhistoriker einst die Geschichte des Franziskus-Pontifikats schreiben werden, hat einer schon jetzt einen sicheren Platz darin: Kardinal Raymond Leo Burke, der vor 70 Jahren am 30. Juni 1948 in einer Kleinstadt in Wisconsin als jüngstes von sechs Kindern geboren wurde. Der stämmige Amerikaner mit dem messerscharfen Intellekt zählt seit 2014 zur Minderheit der konservativen Kritiker des moraltheologischen Öffnungskurses von Papst Franziskus. Und er hat für seine Überzeugungen eine bis dahin brillante Kirchenkarriere aufs Spiel gesetzt.

Nach dem Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana war Burke zunächst Bischof seines Heimatbistums La Crosse. Ein erster Karrieresprung war die Beförderung zum Erzbischof von Saint Louis 2004. Benedikt XVI. ernannte den exzellenten Kirchenrechtler dann 2006 zunächst zum Mitglied und schließlich 2008 zum Vorsitzenden des höchsten Kirchengerichts, der "Apostolischen Signatur" im Vatikan. 2010 folgte die Erhebung in den Kardinalsrang. Die Vorliebe des Amerikaners für die "alte Messe" dürfte dabei nicht geschadet haben. Burke war damals im selben Kardinalsjahrgang wie der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, der aber inzwischen zu den Wortführern im Reformer-Lager zählt.

Ein Mann hält das Papstschreiben "Amoris laetitia" in der Hand
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Am nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus zu Ehe und Familie "Amoris laetitia" hatte sich die Kritik der vier Dubia-Kardinäle entzündet. Unter ihnen ist auch Kardinal Burke.

Die Wegscheide für beide Kirchenfürsten heißt Franziskus: Seit der Argentinier 2013 begann, die unverrückbaren Säulen der Dogmatik, der Moraltheologie und des Kirchenrechts dem "weichen" Prinzip der Barmherzigkeit unterzuordnen, finden sich unflexible Männer wie Burke in der Opposition wieder. Dass Burke den neuen Kurs nicht mitgehen wollte, bekundete er gleich bei der ersten Bischofssynode zum Thema Familie im Oktober 2014. Auch ein Papst könne die kirchliche Lehre zur Unauflöslichkeit der Ehe nicht ändern, betonte er. Wenige Wochen später berief ihn Franziskus als obersten Kirchenrichter ab und ernannte ihm zum "Kardinalpatron des Malteser-Ordens". Der Schritt wurde allgemein als Degradierung gesehen, was der Papst jedoch dementierte. Als Burke später in einem Richtungs- und Machtkampf innerhalb des Ordens auf der falschen Seite stand, wurde er auch in der neuen Stellung faktisch entmachtet.

An der zweiten, entscheidenden Runde der Familiensynode im Oktober 2015 durfte Burke nicht mehr teilnehmen. Das hinderte ihn nicht daran, die Ergebnisse zu kritisieren. In der fundamentalen Glaubensfrage der Unauflöslichkeit der Ehe fehle dem Synodenbeschluss die nötige Klarheit, schrieb Burke damals. Als Franziskus dann im April 2016 im päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia" den Kommunionempfang für wiederverheiratet Geschiedene in einer Fußnote für möglich erklärte, war aus der Sicht des Kirchenrechtlers der Rubikon überschritten.

Zusammen mit drei weiteren Kardinälen verfasste er im September 2016 einen Brief an den Papst, in dem er in fünf Zweifeln (lateinisch: dubia) fragte, ob diese Öffnung wirklich erlaubt und mit der Kirchenlehre vereinbar sei. Burkes Rolle bei diesem Brief war eine besondere: Von den Unterzeichnern war er der einzige noch nicht Pensionierte. Zwei sind unterdessen verstorben und einer, Kardinal Walter Brandmüller, steht im 90. Lebensjahr.

Linktipp: "Amoris Laetitia": Kardinäle bitten Papst um Klärung

Mehrere Kardinäle haben an den Papst appelliert, mehr Klarheit über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Dazu haben sie konkrete Fragen zum Schreiben "Amoris laetitia" formuliert. (Artikel vom November 2016)

Zudem verrät der Text durch seine Diktion und die glasklare juristisch-dogmatische Argumentation, dass er eigentlich nur aus der Feder des Amerikaners stammen kann. Als der Papst nicht antwortete, beschlossen die vier Kardinäle, den Brief zu veröffentlichen. Für diesen historisch einmaligen Schritt ernteten sie massive Kritik aus dem Vatikan und aus den Reihen der Bischöfe. Ein katholischer Oberhirte in Griechenland bezichtigte sie gar der "Irrlehre".

Franziskus hat zu den "dubia" bis heute geschwiegen. Mit Burke endgültig gebrochen hat er dennoch nicht. Als er im Februar 2017 einen Spezialkommissar brauchte, um einen diffizilen Missbrauchsfall auf Guam im Pazifik aufzuklären, schickte der Papst keinen anderen dorthin als Burke. Ein Jahr später wurde der dortige Erzbischof vom Kirchengericht der Glaubenskongregation für schuldig befunden und amtsenthoben. Dass Franziskus den Kirchenjuristen Burke weiterhin schätzt und braucht, verdeutlicht eine weitere Nachricht: Am 30. September 2017 berief er ihn erneut zum Richter am Obersten Kirchengericht - allerdings nicht mehr auf den Posten des Vorsitzenden.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)