Ex-Messdiener: Musste mich vor Bischof Janssen nackt ausziehen
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Früherer Hildesheimer Oberhirte schwer belastet

Ex-Messdiener: Musste mich vor Bischof Janssen nackt ausziehen

Spätestens seit der Studie der Deutschen Bischofskonferenz ist bekannt, wie viele Priester sich in den vergangenen Jahrzehnten an Kindern vergangen haben. Bei den Bischöfen selbst sieht das anders aus. Doch nun gibt es neue Vorwürfe gegen den Hildesheimer Oberhirten Heinrich Maria Janssen.

Hildesheim - 13.11.2018

Ein ehemaliger Ministrant hat im Bistum Hildesheim ein Missbrauchsvergehen durch den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) gemeldet. Wie die Diözese am Dienstag mitteilte, habe der Mann angegeben, dass er sich Ende der 1950er-Jahre vor Janssen nackt ausziehen musste. Der Bischof habe ihn anschließend mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen. Der heute Mitte 70-Jährige hatte sich nach Bistumsangaben Anfang Oktober persönlich an Bischof Heiner Wilmer gewendet. Dabei meldete er auch weitere Missbrauchstaten an seiner Person durch Kirchenmitarbeiter ab dem Jahr 1957. Gegen Bischof Janssen lag bereits Missbrauchsverdacht in einem anderen Fall vor.

Als weitere mutmaßliche Missbrauchstäter nannte der Mann zudem den Leiter sowie einen Kaplan an den ehemaligen Hildesheimer Kinderheimen "Bernwardshof" und "Johannishof". Beide beschuldigten Geistlichen seien dem Bistum bereits als mutmaßliche Täter bekannt und inzwischen verstorben, hieß es in der Pressemitteilung weiter. Die Daten zu ihren Fällen sind laut Diözese in die MHG-Studie der deutschen Bischöfe eingeflossen.

Der Betroffene gab außerdem an, von jugendlichen Mitbewohnern der Kinderheime sexuell missbraucht worden zu sein. Weiterhin berichtete er, von einem Lehrer geschlagen worden zu sein, der am Bernwardshof und am damaligen Hildesheimer Internat "Albertinum" tätig war.

Wilmer: "Es zerreißt mir das Herz"

Zu den Schilderungen des Mannes sagte Wilmer: "Es zerreißt mir das Herz angesichts dessen, was der Betroffene uns mitgeteilt hat." Die Verbrechen hätten ihn für sein weiteres Leben schwer gezeichnet. "Es macht mich wütend und tief traurig zugleich, dass ihm dies offensichtlich durch Mitarbeitende unserer Kirche angetan worden ist", so der Bischof weiter. Dass er sich entschlossen habe, mit der jetzigen Bistumsleitung über die Vorfälle zu sprechen, "verdient meinen allerhöchsten Respekt".

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In einer Pressekonferenz äußert sich der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Hildesheimer Oberhirten Heinrich Maria Janssen.

Wilmer kündigte an, eine externe Untersuchungsgruppe damit zu beauftragen, weitere Informationen zu den genannten Umständen, den Beschuldigten und erwähnten Institutionen zu sammeln. Ziel sei es, mögliche weitere Vergehen aufzudecken, Betroffene zu ermitteln und Verbindungen der mutmaßlichen Täter untereinander zu rekonstruieren. Die Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe und deren genauen Auftrag will das Bistum noch bekanntgeben. Wilmer sagte, dass insbesondere die Rolle Janssens weiter ergründet werden soll. "Viele Menschen in unserem Bistum werden genau wie ich erschüttert sein, insbesondere die, die den Bischof als guten Seelsorger erlebt haben."

Heinrich Maria Janssen war von 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim. Es liegen Anschuldigungen vor, dass er zwischen 1958 und 1963 einen Jungen sexuell missbraucht haben soll. Damit ist er der erste deutsche Bischof, dem sexueller Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen wird. Bislang konnten die Vorwürfe weder bewiesen noch entkräftet werden. Wilmers Vorgänger im Amt, Bischof Norbert Trelle, hatte die Vorwürfe als "plausibel" bezeichnet. (tmg)