Margit Eckholt
Bild: © Privat
Autoren seien auf Rede von "Gender-Ideologie" hereingefallen

Gender-Dokument: Dogmatikerin wirft Vatikan Unkenntnis vor

Die Dogmatikerin Margit Eckhold ist Spezialistin für Geschlechterfragen. Den Autoren eines umstrittenen Vatikan-Dokuments zum Thema Gender wirft sie nun mangelnde Sachkenntnis vor: Unzutreffende Vorwürfe seien als "Papiertiger" inszeniert worden.

Vatikanstadt/Osnabrück - 12.06.2019

Die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckholt hat dem Vatikan Unkenntnis beim Thema Gender vorgeworfen. Die Autoren eines jüngst veröffentlichten Dokuments seien nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, sagte die Theologin dem Nachrichtenportal "Vatican News" am Dienstag. Das Schreiben werfe der Gender-Theorie vor, dass bei ihr biologisches und kulturell-soziales Geschlecht auseinanderfielen. Beim Thema gehe es jedoch um eine größere Freiheit von der Fixierung auf biologische Voraussetzungen, so Eckholt, die verstärkt zum christlichen Menschenbild und Geschlechterfragen forscht.

Am Montag hatte die vatikanische Bildungskongregation ein Dokument mit dem Titel "Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs zur Genderfrage in der Bildung" veröffentlicht, indem sie die Gender-Theorie kritisiert. Das Dokument hinterfragt unter anderem Vorstellungen, die "Manipulationen des Körpers nach Belieben" befürworten. In vielen Fällen würden "angeblich neutrale" Konzepte vermittelt, die in der Realität ein Menschenbild widergäben, das "dem Glauben und der lauteren Vernunft" widerspreche, so ein Vorwurf der Autoren. Bereits zuvor hatte sich Papst Franziskus in seinem Nachsynodalen Schreiben "Amoris laetitia" skeptisch zur Gender-Theorie geäußert.

Schreiben ist "selbstreferentielles Dokument"

Die Bildungskongregation bleibe mit dem Dokument hinter ihrem eigenen Anspruch zurück, in einen Dialog mit Vertretern der Gender-Theorie zu treten, sagte Eckholt weiter. Die Autoren seien vielmehr auf die Rede von einer Gender-Ideologie hereingefallen. In dem Schreiben würden daher unzutreffende Vorwürfe als "Papiertiger" inszeniert. Zudem handele es sich um ein äußerst "selbstreferentielles Dokument". Es würden zu einem Großteil Papst Franziskus und sein Vorgänger Johannes Paul II. zitiert.

Außerdem kritisierte die Osnabrücker Theologin, dass der Text "um den heißen Brei herumredet". Er fordere eine Erziehung zur "Sensibilität für verschiedene Ausdrucksweisen der Liebe", aber benenne etwa Homosexualität nicht ausdrücklich. Immerhin verstärke das Schreiben nicht den aggressiven Ton der Gender-Ideologie-Debatte, sondern sei eine "nüchterne Annäherung". (rom)