Eine Frau sitzt verängstigt auf dem Boden.
Hat sie Novizinnen sexuell belästigt?

Missbrauchsvorwürfe: Ordensfrau verlässt Hochschule

Eine US-Ordensfrau gab zu, sich vor Jahren "unangemessen" gegenüber Novizinnen verhalten zu haben. Deshalb räumt sie nun ihren Posten an einer Hochschule. Deren ehemaliger Rektor – mittlerweile Erzbischof – wusste schon länger von den Vorwürfen.

Detroit - 22.01.2019

Wegen "unangemessenen Verhaltens" gegenüber Novizinnen vor rund 50 Jahren hat eine US-Ordensfrau ihre Stelle an einer theologischen Hochschule in Detroit aufgegeben. "Mit großer Entschlossenheit, Traurigkeit und großer Hoffnung auf Jesus kündige ich meinen Abschied vom 'Sacred Heart Major Seminary' und den Rücktritt von all meinen Ämtern an", schrieb Schwester Mary Finn in einem Brief, der vergangene Woche auf der Internetseite der Hochschule veröffentlicht wurde. Die 84-Jährige arbeitete seit 1969 dort als Dozentin.

Damals habe sie ihre Machtposition missbraucht, so die Ordensfrau. "Ich bedauere dieses Verhalten, bereue meine Handlungen und entschuldige mich aufrichtig für den Schaden, den ich angerichtet habe". Mary Finn war in den 1960er und -70er Jahren in ihrer Ordensgemeinschaft, den "Home Visitors of Mary", für die Betreuung der Novizinnen zuständig.

Nach der Rücktrittsankündigung veröffentlichte das Internetportal "Deadline Detroit" einen Artikel, in dem sich eine ehemalige Novizin der "Home Visitors of Mary" über Vorfälle mit Finn äußerte. Bei Einzelexerzitien habe sie "sehr nahe" bei Finn liegen müssen, was sie als "verwirrend" empfunden habe. Nachdem sie und eine weitere Novizin 1972 "aus heiterem Himmel" aus dem Orden geworfen worden waren, hätten sie beide nach therapeutischer Hilfe zur Bewältigung ihrer Erfahrungen gesucht. Die andere Ex-Novizin habe eine sexuelle Beziehung zu Finn gehabt. Laut dem US-amerikanischen Pressedienst "Catholic News Agency" (CNA) waren die "Home Visitors of Mary" nicht bereit, eine Stellungahme zu der Angelegenheit abzugeben. Weitere Versuche der Kontaktaufnahme zum Orden seien bislang gescheitert.

Erzbischof: Dachte, die Angelegenheit sei erledigt

Die Hochschule akzeptierte Finns Rücktritt umgehend. In ihrer Stellungnahme wird Allen Vigneron, Erzbischof von Detroit und Kuratoriumsvorsitzender der Hochschule, zitiert. Demnach habe er als Rektor des "Sacred Heart Major Seminary" in den 1990er Jahren die Details über Finns "unangemessenes Verhalten" erfahren. Damals habe er gedacht, die Angelegenheit sei erledigt. Er bedauere, dass dies nicht der Fall sei. "Angesichts der zusätzlichen Informationen" unterstütze er die Entscheidung der Hochschule, den Rücktritt anzunehmen.

Wie CNA berichtete, sei Finn auch am "Sacred Heart Major Seminary" durch unangemessenes Verhalten aufgefallen. Sie habe seit Ende der 1970er Jahre dort gewohnt. Laut zwei ehemaligen Seminaristen pflegte sie einen lockeren Umgang mit den Studenten. Das habe sich besonders in ausgedehnten Umarmungen und unerwünschtem Körperkontakt gezeigt. Finn habe insgesamt "kein Gefühl für Grenzen" aufgewiesen. So sei sie oft spätnachts unangekündigt durch die Stockwerke gegangen, in denen die Seminaristen wohnten. Einmal sei sie sogar zu einem Priester in die Dusche gestiegen. Dieser Vorfall sei allerdings umgehend geklärt worden. (mal)