Weihbischof Silvio Baez während einer Demonstration für Friede und Gerechtigkeit im April in Managua
Silvio Baez muss auf Wunsch von Franziskus Nicaragua verlassen

Papst beruft populären Weihbischof ab – Hintergründe unklar

Am Tag, an dem der populäre Weihbischof Silvio Baez seine Heimat Nicaragua Richtung Rom verlassen muss, erhält der Papst Glückwünsche des sandinistischen Regimes. In Miami betonte Baez noch einmal, er sei nicht freiwillig gegangen.

Von Tobias Käufer (KNA) |  Managua/Miami - 25.04.2019

Im Terminal J des Internationalen Flughafens von Miami dominieren an diesem Dienstagnachmittag die Farben blau und weiß: Landsleute von Silvio Baez bereiten dem Weihbischof von Managua einen herzlichen Empfang. In landesüblicher Tracht und mit Nationalflaggen begrüßen die in Florida lebenden Exil-Nicaraguaner den Mann, der in seiner mittelamerikanischen Heimat zu einem Symbol der Menschenrechte und des Protests gegen das sandinistische Regime des linksgerichteten Präsidenten Daniel Ortega geworden ist.

Weihbischof Silvio Baez hat auf Bitte von Papst Franziskus am Dienstag sein Heimatland Nicaragua verlassen. "Ein herzlicher Gruß vom Flughafen in Managua. In Gehorsam gegenüber Papst Franziskus verlasse ich das Land Richtung Rom", schrieb Managuas Weihbischof, der sich zuletzt immer wieder mit der Regierung angelegt und die Einhaltung von Menschenrechten angemahnt hatte. Diese Woche werde er allerdings noch mit Angehörigen in Miami verbringen.

Dort angekommen, empfingen ihn seine Landsleute begeistert. Es sei sehr hart, das Vaterland in einer solchen Situation zu verlassen, aber die Nicaraguaner wüssten, dass er Nicaragua weiter in seinem Herzen trage, sagte Baez in Miami. "Das Wichtigste ist, nicht die Hoffnung zu verlieren, dass alles besser wird." Bereits am Flughafen in Managua hatten sich enge Freunde und die Familie von Baez verabschiedet. Ein Vertreter der Nicaraguanischen Bischofskonferenz war aber nicht am Airport erschienen.

Nuntius: Kann Papst-Entscheidung nicht kommentieren

Auch die Entscheidung des Papstes, ihn aus Nicaragua abzuberufen und für unbestimmte Zeit nach Rom zu holen, kommentierte Baez. Der Heilige Vater habe diese Entscheidung getroffen. In Rom werde sich zeigen, um was ihn Franziskus bitte werde und wie er helfen könne.

In Managua wächst derweil der mediale Druck auf den Vatikan, die Abberufung zu erklären. Nuntius Waldemar Sommertag sagte der regierungskritischen Tageszeitung "La Prensa", er könne die Entscheidung des Kirchenoberhaupts nicht kommentieren, da er seine Beweggründe nicht kennte: "Diese Dinge müssen sie Weihbischof Baez fragen."

Demonstranten protestieren vor der Kathedrale von Managua gegen Nicaraguas Präsident Daniel Ortega.

Demonstranten protestieren vor der Kathedrale von Managua gegen Nicaraguas Präsident Daniel Ortega.

Ebenfalls am Dienstag erhielt Papst Franziskus Grüße aus Managua zum Namenstag. Absender war Vizepräsidentin Rosario Murillo. Die Ehefrau von Präsident Ortega gratulierte dem Kirchenoberhaupt, der mit bürgerlichem Namen Jorge Bergoglio heißt, in ihrer eigenen Sendung im Kanal Viva Nicaragua, der von den Kindern des Präsidentenpaares kontrolliert wird, zum Georgstag und dankte ihm für alles, was er für Nicaragua getan habe.

Der Papst habe Baez kürzlich während einer Privataudienz im Vatikan um seine vorübergehende Umsiedlung gebeten, erklärte Managuas Erzbischof, Kardinal Leopoldo Brenes, jüngst in einer Pressekonferenz. Eine konkrete Dauer für den Rom-Aufenthalt seines Weihbischofs nannte der Kardinal nicht. Er stellte aber klar, dass es sich nicht um eine "permanente" Lösung handele.

Kirche kritisiert Menschenrechtsverletzungen der Regierung

Nicaragua erlebt seit April 2018 eine Krise mit landesweiten Protesten gegen die Regierung von Präsident Daniel Ortega. Seither kamen rund 350 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Die katholische Kirche kritisierte immer wieder in scharfer Form Menschenrechtsverletzungen der Regierung.

Weihbischof Baez gehörte dabei zu den Wortführern. Während der Proteste gewährte er bedrohten Studenten in seiner Kirche Schutz und wurde bei einem Zwischenfall von regierungsnahen Schlägern verprügelt. Über die sozialen Netzwerke informierte der Geistliche immer wieder über Übergriffe der Sicherheitskräfte. Inzwischen folgen ihm auf Twitter etwa 140.000 Menschen. Teile der nicaraguanischen Opposition zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung des Papstes.

Der "Weggang von Monsenor Baez aus dem täglichen Leben und der nicaraguanischen Kirche" hinterlasse einen faden Beigeschmack, kommentierte Bischof Abelardo Mata Guevara zuletzt in "La Prensa". Der Papst habe seine Entscheidung aber sicher aus einer guten Absicht heraus getroffen, immerhin habe die sandinistische Regierung von Daniel Ortega eine Diffamierungskampagne gegen Baez gefahren und amerikanische Diplomaten hätten über Attentatspläne berichtet, so Mata Guevara.

Von Tobias Käufer (KNA)