Astronaut Paolo Nespoli überreicht Papst Franziskus einen Raumanzug
ISS-Astronaut soll apostolische Weltraumreise vorbereiten

Papst Franziskus erhält persönlichen Raumanzug

Einem Papstbesuch im All steht nun fast nichts mehr entgegen: Astronauten schenkten Franziskus einen ISS-Bordanzug – einer von ihnen wurde prompt zum apostolischen Weltraumreisemarschall gemacht.

Vatikanstadt - 08.06.2018

Papst Franziskus hat jetzt einen eigenen Raumanzug. Bei einer Audienz am Freitag überreichten ihm Astronauten einen blauen Bordanzug, wie er auf der internationalen Raumstation ISS getragen wird. Neben dem Geburtsnamen des Papstes, Jorge M. Bergoglio, ist die Flagge des Heimatlandes des Papstes, Argentinien, auf den Anzug gestickt. Der Anzug sei aus dem gleichen Material und in der gleichen Machart wie die der ISS-Astronauten, erläuterte der italienische Astronaut Paolo Nespoli: "Wir fanden das Outfit gut, aber weil Sie der Heilige Vater sind, und der Heilige Vater eine eigene Uniform hat, haben wir noch einen Umhang dazu getan." Auf dem Umhang ist die vatikanische Flagge, das NASA-Logo und "Papst Franziskus" aufgestickt.

Nespoli hatte bereits im Oktober 2017 mit dem Papst geredet, damals allerdings über eine Videokonferenz zwischen Vatikan und ISS. Auf die Frage von Franziskus nach der besonderen Perspektive, die eine Raumstation biete, hatte er damals gehofft, dass diese Aussicht eines Tages nicht nur Astronauten offenstehe, sondern auch Dichtern, Philosophen, Schriftstellern – und dem Papst. Das könne schon bald der Fall sein. Auf die implizite Einladung hin zeigte sich der Papst zwar interessiert, allerdings ohne einen Staatsbesuch im Weltraum anzukündigen.

Nun ist die Vorbereitung einer apostolischen Reise in den Weltraum weiter gediehen: "Sie planen dann meine Reise", sagte Franziskus am Freitag zu Nespoli, nachdem dieser ihm den Raumanzug überreicht hatte.

Papst Franziskus spricht am 26. Oktober 2017 vom Vatikan aus zur Besatzung der International Space Station (ISS), der Internationalen Weltraumstation.

Neben Nespoli waren noch weitere Astronauten der 53. ISS-Mission mit ihren Familien bei der Audienz dabei, darunter der Kommandant Randy Bresnik, ein amerikanischer Baptist. Bresnik äußerte sich gegenüber dem Catholic News Service über die besonderen Gefühle, die der Aufenthalt im Weltall auslöst: "Es berührt Menschen in ihrer Seele. Ich denke, dass niemand ohne ein Gefühl für ein höheres Wesen zurückkommt. Die meisten kommen zurück und denken 'Hey, Gott, du hast super Arbeit geleistet!'" Dass viele der Astronauten gläubig sind, wundere ihn nicht: "Je mehr wir über Wissenschaft lernen, desto mehr wird unser Glaube gestärkt. Wir stellen fest, was wir alles nicht wissen und wie komplex alles ist."

Nach dem Start einer Sojus-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur am Mittwoch sind ebenfalls am Freitag drei neue Astronauten auf der ISS angekommen, darunter der Deutsche Alexander Gerst. Vor dem Abflug empfingen Crew und Rakete den Segen eines orthodoxen Geistlichen. (fxn)

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Der Vatikan interessiert sich schon lange für das All – nicht nur dank der eigenen Sternwarte. Immer wieder haben Päpste mit Astronauten besprochen. Sogar eine eigene Weltraum-Politik hat Tradition im kleinsten Staat der Welt.