Kardinal Theodore E. McCarrick, emeritierter Erzbischof von Washington.
Pater berichtet von Missbrauch durch früheren Erzbischof

Priester bestätigt Vorwürfe gegen Kardinal McCarrick

Kardinal Theodore McCarrick wird vorgeworfen, Priesterseminaristen sexuell missbraucht zu haben. Desmond Rossi soll einer von ihnen gewesen sein. Nun berichtet der Priester von seinen Erfahrungen.

Washington - 26.07.2018

Ein Priester der US-Diözese Albany hat die Missbrauchsvorwürfe gegen Kardinal Theodore E. McCarrick aufgrund eigener Erfahrungen bestätigt. Als junger Seminarist in der Diözese Newark habe er unerwünschte Berührungen und sexuelle Belästigungen durch den damaligen Erzbischof von Washington erlebt, berichtete Pater Desmond Rossi dem Jesuiten-Magazin "America". Laut Medienberichten soll McCarrick (88), der von 2001 bis 2006 die Erzdiözese Washington leitete, junge Priesteranwärter zum Sex genötigt sowie auch mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben.

Einladung in ein Strandhaus

Schon 1986 habe er von unangemessenen Beziehungen des Kirchenmannes zu jungen Männern gehört, sagte Rossi laut "America". Wie durch Aussagen anderer Priester schon belegt, will auch Rossi eine Einladung in das Strandhaus erhalten haben, in dem es gegenüber mehreren Priesteranwärtern zu sexuellen Handlungen gekommen sein soll.

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Gegen Kardinal Theodore McCarrick werden schwere Vorwürfe erhoben. Er soll Priesteranwärter und Minderjährige missbraucht haben. Was wussten die US-Kardinäle Farrell, Wuerl und O'Malley?

Die zahlreichen Treffen mit McCarrick beschreibt Rossi als Missbrauch seiner Machtstellung. Der Erzbischof habe ihn berührt, "weil er Macht über mich hat". Es habe keinerlei Chance gegeben, außerhalb der kirchlichen Strukturen das Thema öffentlich zu machen. "Sie müssen durch die Struktur gehen... und haben sich dabei selber einem großen Risiko ausgesetzt." Die mehrfachen sexuellen Belästigungen durch McCarrick und ein Übergriff zweier Priesterkollegen hätten Rossi in eine tiefe Depression gestürzt, berichtet "America". 15 Jahre lang habe er demnach sein Priesteramt ruhen lassen. Erst im vergangenen Jahr nahm er seine Tätigkeit in der Diözese Albany wieder auf.

Solidarität mit anderen Opfern

Rossi hatte nach den Enthüllungen über Kardinal McCarrick im Juni demnach Kontakt zu seinem Bischof Edward Scharfenberger gesucht. Dieser hatte in einer Stellungnahme Rossi volle Unterstützung für die Veröffentlichung seiner Erfahrungen gegeben. Dies sei notwendig für die eigene Heilung des Geistlichen und die Solidarität mit anderen Opfern, so der Bischof. (KNA)