Warum feiern wir Pfingstmontag?

Die Hochfeste Ostern, Weihnachten und Pfingsten kommen im Doppelpack. Ostermontag geht es um die Emmausjünger, am zweiten Weihnachtstag um den Märtyrer Stephanus. Und warum gibt es den Pfingstmontag?

Feiertage | Bonn - 21.05.2018

In Deutschland ist der Pfingstmontag ein Feiertag, und zwar sowohl kirchlich wie gesetzlich. Doch nicht überall auf der Welt gibt es den Pfingstmontag: In den meisten Ländern ist er ein ganz normaler Arbeitstag und kirchlich beginnt am Montag nach Pfingsten die sogenannte "Zeit im Jahreskreis", also sozusagen die "normale" Zeit, in der die Liturgie nicht durch die Feier oder Vorbereitung der Hochfeste Ostern und Weihnachten geprägt ist.

Am Ostermontag geht es um die Emmausjünger. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gedenkt die Kirche ihres ersten Märtyrers Stephanus. Mit dem Pfingstmontag dagegen ist nicht die eine, große Erzählung verbunden. Seine Feier ist geprägt vom Wirken des Geistes Gottes in der Kirche – die Feier des Geburtstages der Kirche wird also auf den zweiten Tag ausgedehnt. Die Lesungen berichten davon, wie der Heilige Geist die Christen im Glauben stärkt und in der Welt wirkt, von der Taufe und der Sendung der Gläubigen zum Dienst am Evangelium. Vielerorts wird der Pfingstmontag als Tag der Ökumene begangen: Katholiken und Protestanten feiern gemeinsam Gottesdienst – denn auch die pfingstliche Urgemeinde war nicht in Konfessionen getrennt. Wie an Pfingsten selbst ist die liturgische Farbe des Tages rot, die Farbe des Feuers und der Liebe.

Linktipp: Pfingsten: Was bedeutet das Fest nach Ostern?

Pfingsten ist ein wichtiges und zugleich schwer zu fassendes Kirchenfest. Anders als Weihnachten oder Ostern. Katholisch.de erklärt das Pfingstfest. (Artikel vom Februar 2015)

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Die zentralen Hochfeste werden bei uns alle "doppelt" gefeiert: Ostermontag, Pfingstmontag und der zweite Weihnachtsfeiertag verlängern den eigentlichen Festtag und betonen so, wie wichtig diese Feste für die Kirche sind. Was heute in Deutschland und einigen anderen Ländern im Vergleich zum Rest der Weltkirche eine Besonderheit ist, wurde früher sogar noch ausführlicher gefeiert: Viele Feste wurden gleich eine ganze Woche lang begangen. Vom Festtag an bis zum Oktavtag, dem achten Tag. Das eigentliche Fest wird dabei mitgezählt, der Oktavtag liegt also immer auf demselben Wochentag wie der Festtag.

Pfingsten hatte im Westen seit dem 11. Jahrhundert eine eigene Oktav, zuvor wurde das Fest vor allem als Abschluss der Osterzeit verstanden. Die ersten beiden Tage nach Pfingstsonntag wurden zudem als "Doppelfeste erster Klasse" begangen. In den Ostkirchen wird das Fest so heute noch drei Tage lang gefeiert: Mit dem Dreifaltigkeitssonntag, dem Heiliggeistmontag und dem dritten Tag der Dreifaltigkeit.

Neuordnung nach dem Konzil

Mit der Zeit nahmen die Oktaven überhand, sogar manche Heiligen wurden mit einer eigenen Festwoche gefeiert. Es gab einfach zu viel zu feiern: Das "Lexikon für Theologie und Kirche" spricht trocken von einer "unerträglichen Überlagerung der vermehrten Oktaven" seit dem 13. Jahrhundert.

Der Pfingstmontag im vorkonziliaren Schott-Messbuch
Bis 1969 folgte auf Pfingsten noch eine Oktav, eine achttägige Festzeit. Im damaligen Schott-Messbuch findet sich der Pfingstmontag noch als Duplex-Fest erster Klasse.
 katholisch.de

Papst Paul VI. räumte daher 1969 das Kirchenjahr auf. Mit seinem Motu proprio "Mysterii Paschalis" ("Österliches Geheimnis") ordnete er vier Jahre nach dem Zweiten Vatikanum den liturgischen Kalender im Sinn des Konzils neu. Nur noch Ostern und Weihnachten haben seither eine Oktav, nach Pfingsten beginnt direkt die Zeit im Jahreskreis. "Die Feier der beiden Hochfeste Ostern und Weihnachten erstreckt sich über acht Tage", heißt es in der "Grundordnung des Kirchenjahres", während der Pfingstmontag nicht eigens bedacht wird. Das führt auch zu der ungewöhnlichen Situation, dass der Pfingstsonntag und der Pfingstmontag in unterschiedlichen kirchlichen "Jahreszeiten" liegen: Sonntag in der Osterzeit, Montag im Jahreskreis. Auf dem Gebiet der Deutschen Bischofskonferenz wurde der Pfingstmontag in den Rang eines gebotenen Feiertags erhoben. Das bedeutet: Für sie gilt die Sonntagspflicht, Katholiken müssen den Tag wie einen Sonntag heilig halten und die Messe mitfeiern.

Neues Marienfest am Montag nach Pfingsten

Eine weitere Änderung im Kalender der Kirche hat Papst Franziskus 2018 verfügt: Der Montag nach Pfingsten wird zum Gedenktag "Maria, Mutter der Kirche". Damit soll das Verständnis für die "Mutterschaft der Kirche" und eine "unverfälschte Marienfrömmigkeit" gefördert werden.

Die deutsche Tradition des Pfingstmontags als kirchlich gebotenen wie staatlichen Feiertag hatte der Papst dabei nicht im Blick; vergessen wurden die Ortskirchen, in denen der Pfingstmontag eine besondere Bedeutung hat, aber nicht. Ausgenommen seien Regionen, in denen der Pfingstmontag ein gewohnter Feiertag ist, präzisierte bald nach Einführung des neuen Marienfests eine Bekanntmachung der zuständigen Gottesdienstkongregation. Auch künftig wird in Deutschland also der Pfingstmontag gefeiert werden.

Zum arbeitsfreien Tag wird ein Feiertag in Deutschland per Landesgesetz: Jedes der 16 Bundesländer hat ein Feiertagsgesetz oder eine -verordnung, um die arbeitsfreien Tage zu regeln. Der Pfingstmontag kommt in allen 16 Feiertagsgesetzen vor. Selbst in der DDR war der Pfingstmontag gesetzlicher Feiertag, und auch die Vorgängerstaaten machten einige christliche Feiertage, darunter der Pfingstmontag, zum Feiertag. Noch heute sind Feiertage durch das Grundgesetz als "Tage der Arbeitsruhe" und der "seelischen Erhebung" geschützt. In Baden-Württemberg regelt die Verfassung sogar, dass bei der Festlegung der Feiertage "die christliche Überlieferung zu wahren" sei.

Pfingstmontag in Gefahr

Diese Hintergründe sind heute nicht mehr allgemein bekannt. Kein Wunder, dass der Pfingstmontag daher oft unter die Räder kommt: In Irland und Großbritannien gibt es zwar noch einen freien Montag im Frühling, aber nicht mehr nach Pfingsten, sondern Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni. Schweden und Italien haben den Feiertag schon ganz abgeschafft, während er in Frankreich 2008 wieder eingeführt wurde, nachdem ab 2005 daraus ein unbezahlter Arbeitstag wurde, um nach einer unerwarteten Hitzewelle, der viele ältere Menschen zum Opfer fielen, das Gesundheitssystem besser zu finanzieren.

Nach französischem Vorbild wollten 2005 verschiedene deutsche Wirtschafts- und Unternehmerverbände den gesetzlichen Feiertag Pfingstmontag abschaffen, um einen Tag Arbeit zu gewinnen – zum Glück ohne Erfolg: Auch weiterhin wird Pfingsten bei uns doppelt gefeiert, in der Kirche wie im Arbeitsleben.

Von Felix Neumann

Der Artikel erschien zuerst am Pfingstmontag 2017. 2018 wurde er um "Maria, Mutter der Kirche" ergänzt.

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