Wie Gott auf die Welt blicken
Ein Neujahrsvorsatz der besonderen Art: Jeden Tag ein wenig spiritueller leben

Wie Gott auf die Welt blicken

Weniger rauchen, mehr Sport treiben, gesünder essen: Diese Vorsätze für das neue Jahr sind Klassiker - und ziemlich langweilig. Warum sich also für 2017 nicht mal etwas ganz anderes vornehmen?

Von Kerstin-Marie Berretz OP (KNA) |  Bonn - 27.12.2016

In dem amerikanischen Film "Das Glücksprinzip" fordert ein Lehrer seine Schüler auf, sich etwas auszudenken, womit sie die Welt verbessern können. Der junge Trevor entwickelt daraufhin die Idee, drei Menschen etwas Gutes zu tun. Diese drei sollen wiederum den nächsten drei Menschen etwas Gutes tun, so dass sich das Gute immer mehr ausweiten kann. Der Zuschauer kann im Film sehen, wie schwierig diese Aufgabe sein kann - vor allem dann, wenn das Gute, das man seinem Nächsten tut, offensichtlich nichts bewirkt.

Wenn die Saat auf fruchtbaren Boden fällt

Das muss auch der junge Schüler am eigenen Leib erfahren, als er sieht, dass seine Saat scheinbar nicht auf fruchtbaren Boden fällt und er in seinem dritten Vorhaben - einem Mitschüler beizustehen, der verprügelt wird - sogar scheitert. Was er nicht sieht: Diejenigen, denen er etwas Gutes getan hat, geben das Gute weiter und langsam breiten sich Trevors Idee und damit das Gute aus. Seine Idee ist wie der Sauerteig, der nach und nach das Mehl durchsäuert, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht erkennen kann.

Linktipp: Patron des Jahreswechsels

Auf der ganzen Welt wird am 31. Dezember der Gedenktag eines bedeutenden Heiligen gefeiert: Papst Silvester I. gab dem Jahreswechsel seinen Namen. Der römische Bischof lebte in einer kirchengeschichtlich überaus bedeutsamen Zeit.

Welche Voraussetzungen braucht es dafür, wie Trevor zu handeln? Es braucht einen Blick für die Menschen und für die Nöte der Welt. Wer nur sich und seine Welt um sich herum wahrnimmt, kann schwer entdecken, was dem Nächsten helfen würde oder was ihm gut tun könnte. Dabei geht es nicht nur darum zu sehen, was in der Welt passiert, sondern auch, sich von diesen Bildern anrühren zu lassen. Sein Herz öffnen und Anteil nehmen an dem, was geschieht.

Das kann bedeuten, sich mit anderen über Glück und Erfolge zu freuen. Es kann auch heißen, mit anderen Menschen zu leiden, mit ihnen traurig zu sein über Verluste und Misserfolge. Ein solcher Blick auf die Welt kann verglichen werden mit dem Blick, mit dem Gott auf die Welt schaut. Ihn lässt das Geschehen seiner Schöpfung nicht kalt, er freut sich mit uns Menschen und leidet mit allen seinen Kreaturen. Deswegen wurde er in Jesus Christus Mensch mit allen Konsequenzen. Deswegen haben wir Weihnachten gefeiert und haben im Blick, dass wir durch das Geschehen an Ostern erlöst sind von allen Leiden der Welt.

Um als Mensch aber diese Haltung und den Blick auf die Welt aus der Perspektive Gottes einzunehmen, braucht es wohl eine ständige Übung und eine neue Lebensgestaltung. Es kann hilfreich sein, jeden Tag zu versuchen, in noch innigerer Verbindung mit Gott zu leben. Das Leben als Christ nicht nur auf das Wochenende zu verlagern, wenn man in die Kirche geht und dort in Gemeinschaft seinen Glauben feiert. Warum nicht jeden Tag aus dem Gedanken gestalten, dass Gott jeden Menschen und die ganze Welt liebt? Das kann gelingen, wenn man schon den Morgen mit einem Gedanken daran beginnt, dass einem das Leben an diesem Tag wieder geschenkt ist - was auch immer kommen mag. Es kann einen selbst verändern, wenn man immer wieder am Tag kurz innehält.

Schwester Kerstin-Marie Berretz, die Autorin dieses Beitrags, ist Arenberger Dominikanerin.

Warum nicht kurz in eine Kirche gehen, wenn man an ihr vorbei kommt? Oder beim Läuten der Glocken zum Angelus die Arbeit ruhen lassen und sich neu ausrichten auf Gott und seine frohe Botschaft für uns Menschen. Die Zeit in der Supermarktschlange oder in der Bahn können wir nutzen, in einem kurzen Gedanken die Menschen Gott anzuvertrauen, die gerade um einen herum sind. Auch und gerade dann, wenn sie einen kurz vor Feierabend nerven.

Das eigene Leben und die Welt Stück für Stück verändern

Denn nichts anderes tut Gott immer wieder, wenn er sich auf sein Volk neu einlässt. Dabei setzt Gott auf jeden Einzelnen. Er erwartet nicht von jedem, sein Leben für einen anderen zu geben, so, wie der junge Trevor aus dem Film "Das Glücksprinzip" es tut. Aber wer sich einlässt auf die Perspektive Gottes, der wird sein Leben und damit das Leben der Menschen um ihn herum verändern. Das mögen keine großen Taten sein, mit denen es beginnt. Aber solch eine Haltung kann wie der Sauerteig sein, der nach und nach das ganze Mehl durchsäuert. Warum nicht so etwas mal als Vorsatz für das neue Jahr nehmen und auf diese Weise sein eigenes Leben und die Welt um einen herum Stück für Stück verändern.

Von Kerstin-Marie Berretz OP (KNA)