Schachfigur
Simon Linder über Katholiken beim CSD

Katholiken, feiert mit den Homosexuellen!

Simon Linder über Katholiken beim CSD

Von Simon Linder |  Bonn - 01.08.2018

Simon Linder bei katholisch.de

Rund 80 junge Menschen haben sich am vergangenen Samstag beim Christopher Street Day als katholisch geoutet. Mit Startnummer 81 der CSD-Politparade liefen sie durch Stuttgarts Straßen und feierten Vielfalt und Toleranz. Dass sie nicht nur toleriert, sondern sehr willkommen waren, wurde dann am Nachmittag besonders deutlich: Die Katholische junge Gemeinde (KjG) Rottenburg-Stuttgart, die den Auftritt organisiert hatte, erhielt für ihre Kreativität und ihr politisches Statement den Preis für die beste CSD-Formation. Die jungen Menschen, die einer Kirche angehören, deren offizielle Lehre praktizierte Homosexualität als schwere Sünde betrachtet, wurden nicht abgewiesen, sondern ausgezeichnet.

Die KjG weiß um die Verletzungen, die ihre Kirche Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen zugefügt hat. Sie ignoriert das nicht – sondern setzt ein starkes Gegengewicht und engagiert sich für ein besseres Verhältnis. Dass die Jury des CSD dies zu schätzen weiß, zeigt die Verleihung des ersten Preises, der mehr ist als eine Auszeichnung. Er ist eine Einladung an alle Katholikinnen und Katholiken: Kommt dazu, feiert mit! Auch wenn ihr eine Weile gebraucht habt, um euch anzunähern: Es ist schön, dass ihr jetzt da seid.

Auf Facebook mag es manchmal so aussehen, als seien in der Kirche die, welche gleichgeschlechtliche Partnerschaften ablehnen, immer noch in der Mehrzahl. Möglicherweise werden sie auch in diesem Beitrag wieder eine Anpassung an den "bösen Zeitgeist" sehen; sie werden ohne vertiefte exegetische Kenntnisse Levitikus-Stellen aus dem geschichtlichen Zusammenhang reißen; sie werden sich ärgern, dass ein solcher Text bei katholisch.de erscheinen darf und ihre Erwartung formulieren, dass doch wenigstens in einer Seitenspalte über die offizielle Lehre der Kirche informiert werden sollte.

Was soll’s: Wir lassen uns unsere gute Laune, unsere Offenheit, unsere Toleranz und unsere Vielfalt nicht nehmen. Gott sei Dank, die Welt ist bunt.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder ist Referent für Kirchenpolitik und Jugendpastoral beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Kolumnist bei der Ludwigsburger Kreiszeitung.

Hinweis

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