Erzbischof von Rouen will Martyrium Jacques Hamels anerkennen lassen

Bischof will Jacques Hamel seligsprechen lassen

Aktualisiert am 03.10.2016  –  Lesedauer: 
Frankreich

Bonn/Rouen ‐ Bei einer Gedenkmesse im Vatikan bezeichnete Papst Franziskus den ermordeten Priester Jacques Hamel als Seligen. Nun will der Erzbischof von Rouen diese Aussage auch offiziell verbindlich machen.

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Für den von Islamisten ermordeten französischen Priester Jacques Hamel wird ein Seligsprechungsverfahren eröffnet. Das kündigte Rouens Erzbischof Dominique Lebrun nach einer Messe in Hamels Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray am Sonntag an. Wie das Erzbistum am Sonntagabend weiter mitteilte, hob Papst Franziskus die übliche Wartefrist von fünf Jahren nach dem Tod einer Person für den Beginn des Verfahrens auf. Lebrun hatte in dem Gotteshaus in Saint-Etienne-du-Rouvray einen Sühneritus vollzogen und die erste Messe seit der Bluttat gefeiert.

Der 85-jährige Hamel war am 26. Juli während eines Gottesdienstes in seiner Kirche Saint-Etienne von zwei Männern brutal ermordet worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Tat für sich. Papst Franziskus bezeichnete den Geistlichen in einer Gedenkmesse im Vatikan am 14. September als Märtyrer, der "schon selig" sei.

Franziskus will Verfahren bald eröffnen lassen

Papst Franziskus äußerte am Sonntag selbst den Wunsch, das Seligsprechungsverfahren für Hamel bald zu eröffnen. Er habe darüber bereits mit dem Präfekten der zuständigen Kongregation, Kardinal Angelo Amato, gesprochen, sagte Franziskus bei der "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückflug seiner Kaukasusreise.

Linktipp: "Für mich ist Abbé Jacques ein Märtyrer"

Der Würzburger Priester Christian Stadtmüller wollte ursprünglich nur als Urlauber nach Rouen kommen. Doch dann hat er beim Requiem für Jacques Hamel konzelebriert. Ein Interview. (Interview von August 2016)

Damit eine verstorbene Person in katholischen Kirchen offiziell als Seliger oder Heiliger verehrt werden darf, ist üblicherweise ein kirchenamtliches Prüfverfahren nötig. Dieses wird in zwei Schritten im betreffenden Bistum und in Rom durchgeführt. Für eine Seligsprechung ist neben dem Nachweis eines "heroischen Tugendgrads" auch der Nachweis eines Wunders nötig, das auf Fürbitte des Seligsprechungskandidaten gewirkt wurde. Dieses Erfordernis entfällt bei Märtyrern.

Im Fall von Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) rückte Papst Johannes Paul II. ebenfalls von der Fünf-Jahres-Frist ab und erlaubte eine Aufnahme des Verfahrens zwei Jahre nach ihrem Tod. Das Seligsprechungsverfahren für ihn selbst begann mit Erlaubnis Benedikts XVI. sogar schon drei Monate nach seinem Tod im April 2005.

Pfarrkirche erhält Heilige Pforte

Am Sonntag hatte Lebrun die seit dem Terroranschlag im Juli geschlossene Kirche wiedereröffnet. Die Zeitung "Le Figaro" sprach von einer "Zeremonie voller Emotionen und Symbole", zu der eine Prozession zur Kirche gehörte. Lebrun hatte dem italienischen bischöflichen Pressedienst SIR (Samstag) gesagt, die Mörder Hamels hätten "einen Priester töten wollen und einen Märtyrer geschaffen". Das Kirchtor sei künftig eine "Pforte der Barmherzigkeit". Mit dem Durchschreiten der "Heiligen Pforte" können Katholiken während des derzeit laufenden Heiligen Jahres einen Jubiläumsablass erhalten. (kim/KNA)

03.10., 11:35 Uhr: Ergänzt um Aussage von Papst Franziskus bei Pressekonferenz

Linktipp: Jacques Hamels Kirche erhält "Heilige Pforte"

Am 26. Juli hatten zwei Terroristen den Priester Jacques Hamel in seiner Kirche getötet. Am Sonntag wird das Gotteshaus wiedereröffnet - mit einer "Pforte der Barmherzigkeit".