Priester Joseph Marxen im Kreis albanischer Gemeindemitglieder.
Sie wurden wegen ihres Glaubens getötet

Deutsche Missionspriester selig gesprochen

Selige - Während der kommunistischen Zeit war in Albanien Religionsausübung verboten. Damals waren die aus Deutschland stammenden Missionspriester Alfons Tracki und Josef Marxen wegen ihres Glaubens getötet worden.

Tirana - 05.11.2016

Der Vatikan hat 38 Märtyrer in Albanien selig gesprochen, die zu kommunistischen Zeiten wegen ihres Glaubens gefoltert und getötet worden waren. Tausende Gläubige nahmen am Samstag in Shkodra im Norden des Landes an der Zeremonie teil. Die Heilige Messe wurde von Kardinal Angelo Amato als dem Abgesandten von Papst Franziskus geleitet, der die Entscheidung über die Seligsprechung im vergangenen April unterzeichnet hatte.

Zwei von ihnen waren deutsche Missionspriester

Bei den Seliggesprochenen handelt es sich um Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, die zwischen 1946 und 1974 wegen ihres Glaubens getötet wurden. Unter ihnen sind Alfons Tracki und Josef Marxen, zwei aus Deutschland stammende Missionspriester, die in Österreich ihre Ausbildung erhielten. Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki war unter den Konzelebranten.

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Tracki (1896-1946) stammte aus dem oberschlesischen Bleischwitz (Bliszczycach). 1920 schloss er sein Theologiestudium in Bosnien ab. 1925 wurde er in Shkoder zum Priester geweiht und begann seine Tätigkeit als Missionar in Nordalbanien. Er unterrichtete an Schulen und organisierte neue Sportvereine. Während des Zweiten Weltkriegs war er wegen seiner Sprachkenntnisse für den Kontakt mit der Wehrmacht zuständig. Nach 1944 wurde er von den Kommunisten verfolgt und am 19. Juli 1946 hingerichtet.

Deutsche Soldaten wollten Marxen mitnehmen

Das gleiche Schicksal hatte der Kölner Priester Josef Marxen (1906-1946). Nach seiner Weihe 1936 brach er in die albanische Diözese Durres/Durazzo auf. In einem Dorf in den nordalbanischen Bergen konnte er die Blutrache zwischen verfeindeten Familien beenden. Auch seine medizinischen Kenntnisse setzte er hier ein. Ein wichtiges Anliegen war ihm die Erziehung und Unterrichtung der Kinder. Von 1941 bis 1945 war Marxen Pfarrer in Juba nahe Durres. Zu seiner Gemeinde zählten mehrere Dörfer, in denen Katholiken, Orthodoxe und Muslime lebten. Als deutsche Soldaten die Gegend besetzten, vermittelte er zwischen ihnen und der Bevölkerung. Die deutschen Soldaten boten Marxen bei ihrem Abzug an, mit ihnen nach Deutschland zurückzukehren, da die Religionsfeindlichkeit der an die Macht drängenden Kommunisten deutlich zu erkennen war. Er entschied sich aber, bei seiner Gemeinde zu bleiben. 1945 wurde er wiederholt verhaftet und nach Folter am 16. November 1946 in einem Wald bei Tirana erschossen.

Linktipp: Mein Onkel, der Märtyrer

2008 erfuhr Cäcilia Giebermann, dass ihr Großonkel in Albanien seliggesprochen werden soll. Sie begab sich auf Spurensuche. Das Ergebnis: ein Buch - und eine Art persönliches Asyl für einen albanischen Flüchtling.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Albanien von den Kommunisten unter ihrem Führer Enver Hodscha ein ultraorthodoxes kommunistisches Regime errichtet worden. Seit den 60er Jahren feierte sich das Land als ersten atheistischen Staat der Welt, nachdem jede Religionsausübung untersagt worden war. So war es streng verboten, zu beten, ein Kreuzzeichen zu machen oder ein Kreuz zu tragen. Heute sind in dem überwiegend muslimischen Land etwa zehn Prozent der drei Millionen Einwohner katholisch.

Die Bischofskirche war eine Sportstätte

Die nordalbanische Stadt Shkoder ist neben Prizren in Kosovo Zentrum des katholisch geprägten albanischen Stammes der Mirditen, dem unter anderem Nikolle Bojaxhiu angehörte, der Vater der heiligen Mutter Teresa (1910-1997). Die Bischofskirche, in der die Seligsprechung stattfand, war unter der kommunistischen Herrschaft eine Sportstätte. Ebenso waren auch alle anderen Kirchen, Moscheen und Gebetsstätten des Landes in Sportstätten, Einkaufszentren oder Theater umgewandelt worden.

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Die Märtyrer seien aus kirchlicher Sicht wegen ihrer Standfestigkeit Glaubensvorbilder für ganz Europa, erklärte der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) am Freitag. Die neuen Seligen hätten zeitlebens einem kommunistischen Regime getrotzt, "das den Glauben aus dem Leben seiner Bürger verbannen wollte".

Papst Franziskus erinnerte bei seinem Angelus-Gebet am Sonntag an die albanischen Märtyrer. Sie seien Opfer der Verfolgung des atheistischen Regimes, sagte er. Ihre Glaubenstreue, mit der sie Gefängnis, Folter und Tod erduldeten, solle heutige Katholiken zu Vergebung und Frieden ermutigen.  Mit der Zeremonie vom Samstag verdoppelte sich laut Radio Vatikan die Zahl der Katholiken, die wegen ihres Todes unter kommunistischer Herrschaft in Osteuropa als Selige verehrt werden. Nach Angaben des Senders wurden in Albanien zwischen 1944 und 1991 allein 130 katholische Priester hingerichtet oder starben an den Folgen ihrer Inhaftierung; hinzu kommen Tausende katholische Laien.

In Kürze folgt nun die Kardinalserhebung des albanischen Franziskaners Ernest Simoni (88) durch Papst Franziskus am 19. November. Simoni war in der Zeit der kommunistischen Verfolgung im Geheimen zum Priester geweiht worden und verbrachte 18 Jahre seines Lebens im Gefängnis, teils in Isolationshaft und in Erwartung der Vollstreckung seines Todesurteils. 1981 wurde er entlassen und musste als "Feind des Volkes" in den Kloaken von Shkoder arbeiten. Der Papst war ihm bei seinem Besuch in Tirana im September 2014 begegnet. Simoni erhält beim Konsistorium mit 16 weiteren Kirchenmännern von Franziskus die Kardinalsinsignien überreicht; alle anderen neuen Kardinäle sind Bischöfe. (jhe/KNA/dpa)

05.11.2016, 18:05 Uhr: Ergänzt um biographische Angaben, um Angaben zu Simoni sowie Details zur Feier und zur Stadt Shkoder. /jhe

06.11.2016, 13:26 Uhr: Ergänzt um Aussage von Papst Franziskus und Radio Vatikan. /jhe