Josef Lange fordert stärkeres Einmischen in die Gesellschaft

Hochschulpolitiker beobachtet Theologie kritisch

Aktualisiert am 08.11.2016  –  Lesedauer: 
Hochschule

Erfurt ‐ Für den Hochschulpolitiker Josef Lange hat die Theologie innerwissenschaftliche, gesellschaftliche und kirchliche Funktion. Die nimmt sie in seinen Augen jedoch zu selten wahr.

  • Teilen:

Der Hochschulpolitiker Josef Lange (68) hat die theologischen Fakultäten aufgerufen, sich stärker in öffentliche Diskurse einzubringen. "Es gibt eine steigende Nachfrage nach wissenschaftlicher Expertise zu Weltanschauungs-, Religions- und ethischen Fragen in der Politik, in Gesellschaft und Wissenschaft", sagte der Universitätsratsvorsitzender der Uni Jena am Montagabend in Erfurt bei der Hochschulbegegnung des Bistums Erfurt. Zudem gehöre es auch zu den Aufgaben einer theologischen Fakultät "Dienstleister für die Gesellschaft" zu sein.

Der frühere Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin und Niedersachsen erklärte, die Theologie habe innerwissenschaftliche, gesellschaftliche und kirchliche Funktion. Um als Wissenschaft wahrgenommen zu werden, seien Interdisziplinarität und Kooperationen mit nicht theologischen Einrichtungen unumgänglich, unterstrich Lange. Für seiner Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Bildungspolitik und als Berater der Deutschen Bischofskonferenz erhielt er 2014 den päpstlichen Gregoriusorden.

Kritisch beobachte er einen Rückzug der katholischen Theologie in der deutschen Hochschullandschaft. Er verwies auf die ruhenden Fakultäten in Bamberg und Passau sowie die Aufgabe von Graduierungsrechten etwa der katholisch-theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität in Bochum.

Erst Pflege der Theologie, dann Priesterausbildung

Mit Blick auf die katholisch-theologische Fakultät an der Universität Erfurt betonte Lange, dass deren erste Aufgabe laut Gründungsvertrag die "Pflege und Entwicklung der Katholischen Theologie" sei, erst dann folge die Priesterausbildung. Lange gehörte 1993/1994 dem Gründungsausschuss der Universität Erfurt an.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr verwies darauf, dass die katholische Theologie im säkularen Umfeld Erfurts im konstruktiven Dialog mit der Gesellschaft stehe. An anderen katholischen Fakultätsstandorten werde die zunehmende Säkularisierung mitunter noch nicht wahrgenommen. "Da sind wir hier in Erfurt ehrlicher und sehen die Situation, in der wir gegenwärtig als Kirche sind und Theologie betreiben, sehr realistisch", sagte Neymeyr. Er betonte, dass das Erfurter Priesterseminar trotz der geringen Zahl von Priesteramtskandidaten "auf jeden Fall" weiter erhalten werde. Aktuell wohnen sechs Seminaristen dort.

Das 1952 gegründete Priesterseminar in Erfurt ist die überregionale ostdeutsche Ausbildungsstätte für den Priesternachwuchs des Erzbistums Berlin sowie der Bistümer Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg. (KNA)