Papst richtet Untersuchungskommission ein
Kommission soll Amtsenthebung des Großkanzlers des Malteserordens untersuchen

Papst richtet Untersuchungskommission ein

Malteserorden - Nach der Amtsenthebung von Albrecht von Boeselager als Großkanzler des Malteserordens hat sich jetzt der Vatikan eingeschaltet. Papst Franziskus berief eine Kommission, die die Vorgänge untersuchen soll.

Vatikanstadt - 22.12.2016

In einen internen Streit des Malteserordens um die Amtsenthebung von Albrecht von Boeselager als Großkanzler hat sich jetzt der Vatikan eingeschaltet. Papst Franziskus berief eine Untersuchungskommission unter Leitung des UN-Diplomaten Erzbischof Silvano Tomasi, die den Heiligen Stuhl "umfassend und binnen kurzer Frist" über die Vorgänge um Boeselager informieren solle, wie das vatikanische Presseamt am Donnerstag mitteilte.

Der Malteserorden hatte vergangene Woche den 67-jährigen Deutschen von Boeselager, dessen Amtszeit als Großkanzler eigentlich bis 2019 dauern sollte, durch den aus Malta stammende John Critien ersetzt. Der Großmeister des Ordens, Matthew Festing, begründete die Entlassung mit "schwerwiegenden Problemen", die während Boeselagers Zeit als Hospitalier des Ordens aufgetreten seien, die dieser aber verschwiegen habe. Als Hospitalier war Boeselager von 1989 bis 2014 für die Koordination der humanitären Hilfe verantwortlich. Boeselager teilte am Dienstag mit, er betrachte sich weiter als "rechtsgültig gewählten Großkanzler" des Souveränen Malteserordens. Das Verfahren, mit dem seine Amtsenthebung betrieben worden sei, entbehre "jeder rechtlichen Grundlage".

Der jetzt vom Papst berufenen Kommission gehören neben Erzbischof Tomasi vier weitere Personen an: Der Kirchenrechtler und Jesuit Gianfranco Ghirlanda, ehemaliger Rektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, der Jurist Jacques de Liedekerke und die Bankmanager Marc Odendall und Marwan Sehnaoui. Der Malteserorden mit weltweit 13.500 Mitgliedern hat den Status eines Völkerrechtssubjekts. Kardinalpatron ist seit 2014 der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke. (KNA)