Ein Rückblick auf die katholische Woche von Alexander Brüggemann

Nimm dir das Leben

Nimm dir das Leben
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Der Welt wird der Erlöser geboren - und der Einzelhandel hat's auch in diesem Jahr wieder missverstanden. Klar: Die Erlöse des Weihnachtsgeschäfts 2016 sind mal wieder himmlisch - aber: Was war das sonst  für eine schreckliche Nachrichtenwoche? Vom IS propagandistisch verbrannte Soldaten, eine Flugzeugentführung in Libyen, 5.000 Tote im Mittelmeer 2016, verhaftete Terrorverdächtige in Melbourne - auch in Duisburg? Und, über allem, der geisteskranke Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche.

Der tunesische Attentäter wurde am Freitag bei einer Polizeikontrolle in Mailand erschossen. Ist das eine frohe Botschaft? Eine Erlösung? Die Antwort darauf kann durchaus unterschiedlich ausfallen. Kirchen in Indonesien, England, Frankreich werden mit Maschinenpistolen gesichert - denn die Islamisten haben sich zum Christfest offenbar eine Menge vorgenommen. Terror zu Weihnachten, vermeintlich im Namen Gottes. Man ist versucht zu sagen: Der mit dem größten Dachschaden hat den freiesten Blick zum Himmel.

Auch in der Kirche gibt es zu Weihnachten allenthalben Krach. Der edle Malteserorden zofft sich mit harten Bandagen. Über die Gründe dringt weiter nur wenig nach außen. Und auch die traditionelle Reformbotschaft von Papst Franziskus an die Kurie zum Jahreswechsel hatte scharfe Kanten. "Es sind nicht die Falten, vor denen man sich in der Kirche fürchten muss, sondern die Schmutzflecken", sagte der Papst - freilich ohne konkreter zu werden.

Doch er hatte ein klares Wort für die Bremser in der vatikanischen Verwaltung. Natürlich gebe es auf einem Weg der Veränderung immer Hürden. Neben Angst und Trägheit und konstruktiver Kritik kämen aber auch "böswillige Widerstände" aus einem "verqueren Geist". Solche Querulanz  komme "im Schafspelz" daher und flüchte sich "in Traditionen, in Schein, Formalitäten, ins Bekannte". Frohes Fest?

Franziskus Freund und Amtsbruder Bartholomaios I. von Konstantinopel, Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen weltweit, hat zur Geburt des Christkinds auch eine eher deprimierende Weihnachtsbotschaft. Es sei unerträglich zu sehen, in welcher Lage sich unzählige Kinder befinden. Erneut werde das Weihnachtsevangelium einer Welt verkündet, in der das Dröhnen von Waffen zu hören sei und in der Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit herrschten. So viele litten unter Ausbeutung, Verfolgung und Diskriminierung, unter Hunger, Armut und schmerzlicher Vertreibung.

Eine frohe Botschaft gab's dann doch noch - ausgerechnet von den Vereinten Nationen. Die Weltgesundheitsorganisation meldet erfolgreiche Impf-Tests gegen Ebola. Ein Hoffnungsstreif für Afrika.

War’s das? Wer will das in dieser an schlechten Nachrichten so reichen Woche sagen? Noch ist nicht dieser Tage Abend, wenn uns wirklich der Erlöser geboren wird. Das Schlusswort am Heiligmorgen soll daher einer der merkwürdigen Philosophen unserer merkwürdigen Zeit haben, Udo Lindenberg: Nimm dir das Leben und gib‘s nie wieder her; denn wenn man es mal braucht, dann findet man's so schwer.

Alexander Brüggemann