Die Konfessionen im Reformationsjahr

Einvernehmlich geschieden

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx bei einem ökumenischen Gottesdienst.
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500 Jahre nach Martin Luthers überliefertem Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche ist der reformatorische Zorn verraucht. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurfte, so wird er am Montag (6. Februar) in Rom geliefert: Die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) trifft dann Papst Franziskus. "Wir erleben in dem Land, aus dem die Trennungen der Reformationszeit hervorgegangen sind, heute eine Ökumene herzlicher gegenseitiger Wertschätzung", sagt dazu der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Herzlich ist das Verhältnis mittlerweile wirklich - aber es ist die Herzlichkeit zweier Geschiedener, die vor vielen Jahren in einem Mega-Krach auseinandergegangen sind und sich dann langsam wieder angenähert haben. Beide sind froh und erleichtert darüber, dass sie wieder miteinander reden, manchmal sogar zusammen feiern. Sie pflegen den Kontakt, passen deshalb auch genau auf, dass sie nichts Falsches sagen. Aber noch einmal zusammenziehen? Das natürlich nicht! Sie bleiben einvernehmlich geschieden.

Der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm hält eine Rede, im Hintergrund ein violettes Kreuz.
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Heinrich Bedford-Strohm ist bayerischer Landesbischof und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die deutschen Christen teilen sich im Reformationsjahr 2017 nahezu gleichmäßig in zwei Lager auf: Es gibt etwa 23 Millionen Katholiken und 22 Millionen Protestanten. Der deutsche Durchschnittschrist sieht die Sache seit langem pragmatisch. Beispiel Köln, Heiligabend: Da findet man Protestanten in der katholischen Kirche St. Peter, weil's dort ein Krippenspiel mit echten Lamas gibt. Und in der protestantischen Friedenskirche im Multikulti-Stadtteil Ehrenfeld sitzen umgekehrt Katholiken. Denn dort dürfen die Kinder am Ende den Christbaum plündern - und Süßigkeiten mitnehmen. Für viele ein geradezu zwingendes Argument, zur "Konkurrenz" zu wechseln...

Auch die Amtskirchen kommen ihren Schäflein mittlerweile weit entgegen, um sie überhaupt noch bei der Herde zu halten. Ein Katholik heiratet eine Protestantin? Natürlich kein Problem! Eine Katholikin heiratet einen Atheisten? Auch kein Problem! Für alle möglichen Kombinationen hat der Pastor die passenden Texte.

Wie ist eine "Wiedervereinigung" möglich?

Wenn dem aber so ist, warum gibt es dann immer noch zwei unterschiedliche Kirchen? "Es liegt nicht an Glaubensunterschieden, sondern am Beharrungsvermögen der Institutionen", kritisierte Bundestagspräsident Norbert Lammert beim vergangenen Katholikentag in Leipzig. Tosender Beifall war ihm gewiss.

Doch wer nur einen Moment darüber nachdenkt, wie eine "Wiedervereinigung" der Kirchen aussehen müsste, der merkt schnell, dass sie kaum im Bereich des Möglichen liegt. Die Protestanten wieder zurück unter die Obhut des Papstes? Oder umgekehrt die Katholiken mit Priesterinnen, dafür aber ohne Marienwallfahrtsorte? Nein, das erscheint doch höchst unwahrscheinlich. "Es kann weder ein Papst noch ein Weltkirchenrat einfach sagen: Liebe Freunde, jetzt machen wir's so!" Das sagte Papst Benedikt, als er noch Kardinal Joseph Ratzinger war.

Linktipp: Ökumene - Was verbindet? Was trennt?

Ein Haus mit vielen Wohnungen: So lässt sich - vereinfacht - die Ökumene beschreiben. Das Haus, das viele Kirchen und Gemeinschaften beherbergt, umspannt die ganze Welt. Die Familien in diesem Gebäude sind Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Kopten, Altkatholiken, Anglikaner und Freikirchler.

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Natürlich sei er auch für die Einheit der Kirche, spottete der praktizierende Katholik Harald Schmidt einmal: "Ich werde mich immer für die Wiederaufnahme der Protestanten in die katholische Kirche einsetzen." Das macht auf überspitzte Weise deutlich, wo die Ökumene 500 Jahre nach Luther steht: Beide Seiten beharren letztlich auf einigen unverhandelbaren Standpunkten.

Die Sache betrifft ja auch nicht nur Deutschland. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern. Und Protestanten gibt es ebenfalls rund um den Globus, organisiert in einer Vielzahl von Kirchen. Das Spektrum reicht von den tendenziell sehr sanften Protestanten in Deutschland oder Skandinavien bis zu den rechtskonservativen Evangelikalen in den USA, die fast alle Donald Trump gewählt haben.

Wenn es um ihr Verhältnis zueinander geht, haben sich die Kirchen auf den Begriff "versöhnte Verschiedenheit" geeinigt. Übersetzt heißt das ungefähr: Ich bin katholisch, du bist protestantisch - und das ist gut so.

Christoph Driessen (dpa)