Bereits jetzt polnischstämmige Gemeinden betroffen

Experte: Brexit beeinflusst auch Kirche in England

Aktualisiert am 30.03.2017  –  Lesedauer: 
Großbritannien

Barcelona ‐ Die Gespräche über den Austritt Großbritanniens aus der EU stehen bevor. Doch schon jetzt sind Folgen des Brexits für die Katholiken in England spürbar - besonders für jene mit ausländischen Wurzeln.

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Der Brexit hat nach Einschätzung eines Experten auch mögliche Folgen für die katholische Kirche in England. Auf psychologischer Ebene seien Auswirkungen bereits in den polnischstämmigen Gemeinden zu spüren, sagte Christopher Jamison, Verantwortlicher für katholische Berufungspastoral in England, am Donnerstag. Er äußerte sich am Rande einer Tagung in Barcelona. Die mehrheitlich katholischen osteuropäischen Migranten empfänden "Missbehagen" und fühlten sich nach der Debatte um den Brexit unwillkommen.

Jamison betonte, praktische Fragen des Aufenthalts und der Berufstätigkeit ausländischer Kirchenmitarbeiter hingen von den jetzt zu erarbeitenden gesetzlichen Regelungen ab. Er hoffe, dass die augenblickliche Verunsicherung ende, wenn die entsprechenden Abkommen getroffen seien. Im Blick auf Theologiestudierende seien unter anderem auch die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland und Modalitäten für Austauschprogramme wie Erasmus zu klären.

Durch Brexit keine Änderungen an Kirchenstrukturen

Die katholische Kirche sei "von Natur aus für Internationalität", sagte Jamison. Der Benediktiner und Mitarbeiter der Bischofskonferenz von England und Wales verwies auch auf zahlenstarke katholische Migrantengemeinden aus Nicht-EU-Ländern, vor allem Nigerianer und Philippinos.

Für bestehende internationale Kirchenstrukturen werde der Brexit keine Änderungen erfordern, so Jamison weiter. Im Rat der europäischen Bischofskonferenzen CCEE seien bereits jetzt katholische Ortskirchen über die Grenzen der Europäischen Union hinaus vertreten. "Europa ist größer als die EU", sagte Jamison. (KNA)

Linktipp: Woelki: "Brexit" ist Herausforderung und Chance

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki möchte nicht, dass die Brexit-Tage "als dunkles Kapitel in unsere europäische Geschichte eingehen". Deshalb ruft er zu einem Neubeginn auf. (Artikel von Juni 2016)