Der satirische Wochenrückblick müsste diese Woche eigentlich ausfallen. Ein rechtsextremer Bundeswehrsoldat gibt sich als syrischer Flüchtling aus, Kim Kardashian verkauft Andachtskerzen mit ihrem eigenen Bild, und ein Kirchturm in Bielefeld (Bielefeld!) macht Lachyoga – wie soll man da mit einem noch so launigen Text gegen die nackten Nachrichten ankommen? Aber es hilft ja nichts.
Daher: Malteser. Kleider machen Leute. Da ist es kein Wunder, dass Operetten-Uniformen zu Operetten-Geschichten führen – gerade wieder (immer noch) zu beobachten bei den nie endenwollenden Führungsquerelen bei den hohen Herren. Im Zentrum: Der geschasste Ex-Großmeister Matthew Festing. Der ist gleichzeitig (aus Sicht des Vatikans) unerwünscht in Rom und (aus Sicht der hohen Herrn selbst) heißer Anwärter auf seinen alten Stuhl.
Der Staatsrat der Malteser wählt (heute, und damit vor Redaktionsschluss dieser Zeilen) – mit oder ohne Festing als Wähler, mit oder ohne Festing als Kandidat, und erst wenn man die Kiste aufmacht, weiß man, wer noch steht. Wie bei Schrödingers Katze – mit weniger Tieren, aber ähnlich vergifteter Atmosphäre. Sicherheitshalber rüstet der Vatikan schon einmal deutlich auf. 40 neue Rekruten schwört die Schweizergarde Anfang Mai ein.
Besser ist die Stimmung bei den Tataren: Die können nun endlich auch die ganze Bibel in ihrer Sprache lesen, teilt die Deutsche Bibelgesellschaft mit. Die tatarische Übersetzung ist die insgesamt 648. Variante, das Neue Testament allein liegt sogar in 1.432 Sprachen vor. Kein Wunder, dass die AfD bei so viel Multikulti-Durcheinander so ihre Schwierigkeiten mit der Kirche hat. Die ganz große Allianz der drei großen K (Kirche, Karneval, Kölschkneipiers) beim Protest gegen den Kölner Parteitag sorgte für Verstimmung bis hin zur Aufforderung zum Kirchenaustritt. Wenn schon Entchristlichung des Abendlands, dann macht man das bei der AfD immer noch selber! Immerhin – das Spitzenteam zur Bundestagswahl steht, und mit Alice Weidel und Alexander Gauland sind mustergültig beide Flügel der Partei abgedeckt: Eurokritiker und Afrokritiker.