"Er hatte keine Angst vor dem Tod"
Reaktionen auf den Tod von Kardinal Joachim Meisner

"Er hatte keine Angst vor dem Tod"

Erzbistum Köln - Der Tod von Kardinal Joachim Meisner hat die Menschen bewegt. Der frühere Erzbischof war mit vielen deutschen Bischöfen verbunden, die sich nun zu Wort melden. Auch der Papst bekundet sein Beileid.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 05.07.2017

Kardinal Joachim Meisner ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er sei im Urlaub in Bad Füssing "friedlich eingeschlafen", wie das Erzbistum Köln am Mittwoch mitteilte. Nun haben die ersten Kirchenvertreter auf den überraschenden Tod des früheren Kölner Erzbischofs reagiert. Unter ihnen auch zahlreiche Bischöfe, die von Meisner persönlich gefördert worden sind.

Tief betroffen zeigte sich etwa Meisners Nachfolger im Erzbistum Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki. Für ihn sei die Nachricht "ein Schock" gewesen, sagte er am Mittwoch dem Kölner "domradio". Noch am Freitag sei Meisner während eines Telefonats "guter Dinge und ausgeglichen" gewesen. Angst vor dem Tod hätte Meisner, für den Gott im Zentrum gestanden habe, nicht gehabt, erklärte Woelki. "Für ihn war es nach eigenen Worten nur der Übergang von der einen in die andere Hand Gottes." Meisner hätte sein Denken, sein Handeln, sein politisches und gesellschaftliches Deuten immer von Christus her gedacht und auf ihn hin ausgerichtet. Woelki selbst war in den 1990er Jahren zunächst Sekretär Meisners und dann Weihbischof in Köln, bevor er Erzbischof von Berlin wurde und schließlich nach Köln zurückkehrte.

"Mit seinem Tod verliert die Kirche in Deutschland einen gläubigen Katholiken, der bis zuletzt Position bezogen hat", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Meisner, dessen Frömmigkeit und theologische Argumentation ihn immer beeindruckt habe, sei "ein mutiger Kämpfer" gewesen. "Er war bereit, öffentlich anzuecken und hielt mit seiner Meinung nicht zurück", so Marx. Der Verstorbene habe aufopferungsvoll die katholische Kirche im geteilten Deutschland geprägt und sich ebenso unermüdlich und mit großem Engagement in die Arbeit der Deutschen Bischofskonferenz eingebracht.

Trelle: "Ich werde ihn sehr vermissen"

"Dass er so plötzlich von uns gegangen ist, trifft mich sehr. Ich verliere mit ihm einen Ratgeber und einen Freund, dem ich in Dankbarkeit und Respekt verbunden war", sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. "Ich werde ihn sehr vermissen", fügte er hinzu. Trelle war 1992 von dem damaligen Kölner Erzbischof zum Bischof geweiht worden und hat als Weihbischof im Erzbistum Köln 13 Jahre lang, bis zu seiner Berufung nach Hildesheim, gewirkt. Trelle würdigt den Verstorbenen als eine "prägende Persönlichkeit der katholischen Kirche in Deutschland". Er habe – oft auch gegen viele Widerstände – stets klar seinen Standpunkt vertreten, sei es in Fragen der Glaubenslehre und des Lebensschutzes oder in Bezug auf die Bewahrung wesentlicher gesellschaftlicher Werte. "Das nötigt mir hohen Respekt ab."

Papst sendet Beileidstelegramm an Kardinal Woelki

"Mit innerer Anteilnahme habe ich die Nachricht aufgenommen, dass der Barmherzige Gott Kardinal Joachim Meisner plötzlich und unerwartet von dieser Welt abberufen hat. Ich verbinde mich mit Ihnen und den Gläubigen des Erzbistums Köln im Gebet für den verstorbenen Hirten. Aus einem tiefen Glauben und einer aufrichtigen Liebe zur Kirche heraus ist Kardinal Meisner für die Frohe Botschaft eingetreten. Christus der Herr lohne ihm seine Treue und seinen unerschrockenen Einsatz für das Wohl der Menschen in West und Ost und schenke ihm Anteil an der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel. Von Herzen erteile ich allen, die des Verstorbenen im Gebet und Opfer gedenken, den Apostolischen Segen."

Als "Mann von großer Begeisterungsfähigkeit und Verlässlichkeit" hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße den verstorbenen Kardinal gewürdigt. Mit Dankbarkeit denke er daran, wie Meisner ihn 1993 zum Priester geweiht und später in wichtige Aufgaben im Erzbistum Köln berufen habe. "Ich habe immer gespürt, dass der Erzbischof hinter mir stand", sagte der Erzbischof. Wenn die beiden etwas besprochen hätten, "konnte ich mich stets auf ihn verlassen. Und ich habe seine Begeisterungsfähigkeit geschätzt. Er hat für den Glauben gebrannt“, so Heße.

Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, dankte Meisner ebenfalls, durch den er 2006 im Kölner Dom zum Bischof geweiht worden war. Gleichzeitig erinnerte Koch an die Zeit Meisners als Bischof von Berlin. Dort habe der Kardinal vor dem Mauerfall "unbeeindruckt von den Versuchen kommunistischer Einflussnahme" an der Einheit des Bistums Berlin festgehalten. Gleichzeitig habe Meisner die Annäherung und Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken vorangetrieben. "Diesem Vermächtnis fühle ich mich als sein Nachfolger zutiefst verpflichtet", so Koch. Mit den Christen im Erzbistum bete er, "dass Kardinal Meisner nun Gott schauen darf, dem er in seinem Leben die Ehre gab".

Genn: Das Ende einer kirchengeschichtlichen Ära

Für den Bischof von Münster, Felix Genn, markiert der Tod Meisners das Ende einer kirchengeschichtlichen Ära, "die er wesentlich mitgestaltet und geprägt hat". Über viele Jahrzehnte hinweg habe er unerschütterlich und auch gegen Widerstände ein glaubhaftes Zeugnis gegeben. "Er hat sich mit großer Leidenschaft in gesellschaftliche und kirchliche Debatten eingeschaltet", so Genn. Meisners bischöflicher Wahlspruch "Unsere Hoffnung steht fest" stehe wie ein Leitwort über dessen Leben und Wirken. "Er hat mich in mein Amt in Essen und Münster eingeführt", sagte der Bischof. Mit der Kirche, insbesondere im Erzbistum Köln, und mit seiner Familie sei Genn in der Hoffnung verbunden, "dass er nun die ewige Heimat in Jesus Christus gefunden hat".

Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann, der selbst aus dem Erzbistum Köln stammt, sagte über Meisner: "Seine katholische Prägung, die er unter dem Druck eines atheistischen kommunistischen Systems erfahren hatte, war der Glaubenshaltung der Rheinländer zunächst fremd." Doch die Menschen, die ihm persönlich begegneten, freuten sich über seine offene, unkomplizierte Art, seinen schlesischen Humor und seine zupackende Menschlichkeit. Meisner sei eine spannungsreiche Persönlichkeit gewesen, die begeisterte und aneckte.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Ein Kondolenzschreiben an den amtierenden Kölner Erzbischof, Rainer Maria Woelki, hat sein Amtsbruder aus Limburg aufgesetzt. "Ganz persönlich und im Namen vieler Gläubigen im Bistum Limburg spreche ich Dir in dieser besonderen Stunde meine aufrichtige Anteilnahme aus", schreibt Bischof Georg Bätzing. Diejenigen, die ihn als Verkünder der Frohen Botschaft erlebt hätten, hätten die Gradlinigkeit seines Glaubenszeugnisses als außerordentlich kraftvoll empfunden. Bätzing erinnert dabei an seine erste Begegnung mit Meisner während des Weltjugendtags 1984: "Seine bildreiche Sprache während der Katechese hat mich ermutigt und aufgerüttelt." Meisner habe mit seinen markanten Äußerungen vielen Gläubigen Orientierung gegeben. "Bei aller Kontroverse gebührt der stets vom Gewissen geleiteten und aus Verantwortung für die ganze Kirche erwachsenen Haltung unser großer Respekt."

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck würdigte Meisner als einen "kantigen Priester und Bischof, der stets tief von einer innigen Frömmigkeit geprägt" gewesen sei. Die intensive Diaspora-Erfahrung in Ostdeutschland und die offene Kirchenfeindschaft des politischen Systems in der DDR hätten Meisners persönlichen Glauben und sein politisches Handeln als Erzbischof tief beeinflusst, sagte der Ruhrbischof. Außerdem seien Meisner "die Festigkeit seines Glaubens, die Bestimmtheit der Kirchlichkeit – gerade des bischöflichen Tuns, die Verbundenheit mit dem Papst und die Klarheit der kirchlichen Lehre stets besondere Anliegen gewesen". Overbeck wolle für den verstorbenen Kardinal beten und lädt auch die Katholiken im Bistum Essen ein, "des Verstorbenen im Gebet zu gedenken".

Ein großer Freund des Bistums Dresden-Meißen

Die Diözese Dresden-Meißen würdigte Meisner als "einen großen Freund des Bistums". Die gemeinsame schlesische Herkunft habe ihn etwa mit dem emeritierten Dresdener Bischof Joachim Reinelt, aber auch mit zahlreichen weiteren Priestern der Diözese verbunden. Das Bistum Dresden-Meißen habe zudem eine jahrzehntelange Partnerschaft mit dem Erzbistum Köln unterhalten und sei vor allem zu DDR-Zeiten von den Katholiken am Rhein unterstützt worden. Die Geschichte des Kardinals sei daher auch "immer auch ein Stück Geschichte der DDR".

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Mit Trauer hat auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die Nachricht vom Tod des emeritierten Kölner Erzbischofsaufgenommen. "Wir trauern mit dem Erzbistum Köln und mit seiner Familie um einen der profiliertesten Kirchenführer unserer Zeit", so ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Auf der Grundlage seines starken Glaubens war es ihm sein Leben lang ein Anliegen, Orientierung und, ganz im Sinne seines bischöflichen Wahlspruchs, 'feste Hoffnung' zu geben", sagte Sternberg. Ob in Erfurt, Berlin, Köln oder in der Weltkirche habe er sich stets mit großem Nachdruck für seinen Glauben und seine Überzeugungen eingesetzt, auch wenn dies oft unbequem gewesen seien. "Der Lebensschutz war ihm, mit allen Katholiken in Deutschland, ein besonderes Anliegen, das zu unterschiedlichen Auffassungen in den praktischen Wegen führte."

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" bezeichnete Meisner als einen großen Freund der Sternsinger. "Wir sind ihm dankbar für die langjährige Unterstützung der Aktion Dreikönigssingen“, sagte Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks. "In großer Verbundenheit nehmen wir Abschied von Kardinal Meisner." Stets hatte der Kölner Alt-Erzbischof die Verbundenheit seiner Stadt und seines Erzbistums mit der Aktion Dreikönigssingen betont. "Die Heiligen Drei Könige und Köln, die Sternsinger und der Kölner Dom – das gehört untrennbar zusammen", sagte Meisner etwa bei der Eröffnung der Aktion im Jahr 2014.

Kardinal Meisner wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau geboren und empfing nach seiner Flucht 1962 in Erfurt die Priesterweihe. 1975 wurde er Weihbischof in Erfurt und fünf Jahre später Bischof von Berlin. Nachdem ihn Papst Johannes Paul II. 1983 zum Kardinal erhoben hatte, wechselte er 1989 nach Köln. Das Erzbistum leitete er bis zu seinem altersbedingten Rücktritt 2014.

Von Björn Odendahl

05.07.2017, 13.29 Uhr: ergänzt um das Statement von Kardinal Reinhard Marx
05.07.2017, 14.20 Uhr: ergänzt um Telegramm des Papstes
05.07.2017, 14.40 Uhr: ergänzt um das Statement von Bischof Friedhelm Hofmann