Die Sonne scheint durch dicht stehende Stämme in einem Wald.
Vom Bergkloster Bestwig zur Benediktinerabtei Königsmünster

Spirituell wandern im Sauerland

Zwei Wanderwege verbinden das Bergkloster Bestwig und die Abtei Königsmünster in Meschede. Das ist nicht nur etwas für die Fitness: Stationen unterwegs laden ein, über das Leben an sich nachzudenken.

Von Johannes Schönwälder (KNA) |  Bestwig/Meschede - 11.07.2017

Das Wandern sei für die Beine eine Tätigkeit, aber ein Zustand für die Seele. So sagen Menschen, die nicht allein um des Laufens willen laufen. Im besten Fall kommen bei einer Wanderung also Körper und Geist zu ihrem Recht. Für einen neuen Wanderweg im Hochsauerland, der vor kurzem eröffnet wurde, gilt das in fast idealer Weise.

Zwei ausgearbeitete und beschilderte Routen verbinden das Bergkloster Bestwig und die Abtei Königsmünster in Meschede. 15 Kilometer misst die eine, 16 Kilometer die andere. Es geht rechts und links der Ruhr entlang, natürlich nicht auf direktem Weg, sondern durch Wälder und Wiesen, bergauf und bergab. Und unterwegs kann der Wanderer an jeweils neun Stationen kurz rasten und den Blick sowohl in die Ferne als auch nach innen werfen.

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Wer ein Stück auf dem Jakobsweg wandern will, der muss nicht erst nach Spanien reisen: Auch in Deutschland gibt es Abschnitte des weltbekannten Wegs. Doch auch andere historische Pilgerrouten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Besonders groß ist die Auswahl im Bistum Trier. (Artikel von September 2015)

Einen "spirituellen Wanderweg" haben sich die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel in Bestwig und die Benediktinerbrüder in Meschede ausgedacht. Auf ihm solle es darum gehen, sich auch mit dem eigenen Lebensweg auseinanderzusetzen, erläutert Pater Maurus Runge. Es sei ein Angebot für die vielen, die auf der Suche nach Halt und Orientierung sind.

Die Impulse an den Stationen befassen sich denn auch mit allgemeinen Lebensfragen, wie Schwester Maria Ignatia Langela ergänzt. Der Blick etwa auf eine Kriegsgräberstätte am Weg solle zur Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit anregen. Beim Überqueren der Autobahn A46 gehe es um den immer schneller werdenden Alltag, den Sinn von Zeitgewinn und um gesetzte Lebensziele, so die Ordensfrau. Auch das Lied von Reinhard Mey "Über den Wolken" und die darin besungene grenzenlose Freiheit kommt zum Einsatz - an einem Modellflugplatz am Wegesrand.

Faltblätter für spirituelle Impulse

Und schließlich wird auch geschwiegen. "Beim steilsten Anstieg auf der Strecke geschieht das von ganz allein", sagt Schwester Maria Ignatia. Dennoch haben die Ordensleute auch dazu noch ein paar Impulse zusammengetragen. An beiden Klöstern sind auch Faltblätter zu den Stationen erhältlich, so dass man jederzeit zum Körper auch den Geist bewegen kann auf dem "spirituellen Wanderweg".

Natürlich lassen sich die Touren kombinieren mit einer Übernachtung. In der "Oase" des Benediktinerklosters Königsmünster stehen dafür rund 30 Zimmer zur Verfügung - schlicht und einfach, aber mit wohnlicher Ausstrahlung, wie es heißt. Im Bergkloster Bestwig, dem Mutterhaus der europäischen Provinz der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel, stehen mehr als 40 Zimmer bereit. "Die meisten ohne, aber elf auch mit Fernsehen", so Schwester Maria Ignatia. Sie empfiehlt zudem den Besuch der Klosterkirche. Deren Architektur und Atmosphäre wirke auch auf Menschen, "die weit weg sind vom Glauben".

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Das Wandern wurde beiden Ordensniederlassungen sozusagen in die Wiege gelegt. Ordensgründerin Maria Magdalena Postel sei Anfang des 19. Jahrhunderts in der Normandie mehr als 20 Jahre lang mit ihrer jungen Gemeinschaft unterwegs gewesen, um eine feste Bleibe zu finden. Benedikt von Nursia habe sich - erschrocken von der Sittenlosigkeit im alten Rom - mit einer Gruppe von Einsiedlern in die Berge zurückgezogen und drei Jahre in einer Höhle gelebt, bevor er 529 auf dem Monte Cassino bei Neapel in einem Apollotempel das erste Benediktinerkloster gründete.

Auch wenn Jesus seinen Jüngern bei ihrer Aussendung nahelegte, nichts mit auf den Weg zu nehmen, "keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd", empfiehlt die Ordensfrau "zumindest gute Wanderschuhe". Beide Touren seien vom Schwierigkeitsgrad aber recht unterschiedlich. Die nördliche von Meschede nach Bestwig führe über meist gut ausgebaute Wege. Die südliche in Gegenrichtung sei jedoch von teils steilen An- und Abstiegen gekennzeichnet, ordentliches Schuhwerk also ein Muss. Den Rest muss der Körper schaffen - mit Hilfe der spirituellen Impulse.

Von Johannes Schönwälder (KNA)