Immer noch ist Mainz eine der bedeutendsten deutschen Diözesen

Bistum mit großer Geschichte – und neuem Bischof

Aktualisiert am 27.07.2017  –  Lesedauer: 
Mainz

Mainz ‐ In Mainz bekommt der heilige Bonifatius seinen 88. Nachfolger: In einem Monat wird Peter Kohlgraf zum Bischof geweiht. Das Bistum ist zwar nicht mehr das "zweite Rom" – aber immer noch wichtig.

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Wenn Peter Kohlgraf am letzten August-Sonntag im 1.000 Jahre alten Mainzer Dom zum Bischof geweiht und in das Amt eingeführt wird, tritt er an die Spitze einer in ihren heutigen Grenzen gerade einmal bald 200 Jahre alten Diözese. In ihr – dem Bistum Mainz – geht es bescheidener zu als im einstigen Erzbistum Mainz. Es war über Jahrhunderte eines der größten und wichtigsten Bistümer des Abendlandes, mit Erzkanzlern und ranghöchsten Kurfürsten an der Spitze, galt als «zweites Rom» - bis es im Zuge der Französischen Revolution und ihrer Folgen 1801 zerschlagen wurde.

Flächenmäßig kleiner, reicht das heutige Bistum, das rund 740.000 Katholiken zählt, in seiner politischen wie kirchenpolitischen Bedeutung - formal betrachtet - nicht an das vormalige Erzbistum heran. Aber eben nur formal betrachtet. Denn immerhin: Vor allem Bischöfe wie Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1850-1877), Albert Stohr (1935-1961), Hermann Volk (1962-1982) und Karl Lehmann (1983-2016) verschafften dem Bistum immer wieder besonderes Ansehen und Einfluss.

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Als zukünftiger Bischof von Mainz besetzt Peter Kohlgraf einen der traditionsreichsten deutschen Bischofssitze. Im Laufe der Jahrhunderte saßen viele bedeutende Kirchenmänner auf dem Mainzer Bischofsstuhl.

Und wenn auch - anders als etwa in Köln und München - der Mainzer Bischofsstuhl nicht traditionell mit der Kardinalswürde verbunden ist, so wurden doch Volk und Lehmann vom seinerzeitigen Papst Johannes Paul II. zu Kardinälen erhoben.

Eindrucksvolles Erbe

Lehmann stand von 1987 bis 2008 an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Im Mai vergangenen Jahres, an seinem 80. Geburtstag, trat er als Diözesanbischof zurück. In der Mainzer Bischofszählung firmiert er, als 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius, der von 746 bis 754 Bischof von Mainz war. Ergo ist der Neue, Peter Kohlgraf, der 88. Nachfolger des Heiligen. Doch nicht dessen Fußstapfen waren gemeint, sondern die von Lehmann, wenn sich Kohlgraf nach seiner Ernennung durch Papst Franziskus zum Bischof vielfach fragen lassen musste, ob dieses eindrucksvolle Erbe für ihn nicht vielleicht eine Bürde sei.

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Offenbar nicht: Kohlgraf spricht von einer "großen Hilfe und Chance". Er sei in einem Bistum, "wo ein Bischof gewirkt hat, der gute Ideen und eine gute Theologie gesät hat". Lehmann seinerseits äußerte sich "glücklich" über seinen Nachfolger. Er schätze ihn überaus. Kohlgraf sei für das Amt nicht nur geeignet, "er wird uns auch viel Freude machen", so der Kardinal. Er ist davon überzeugt, dass "Kohlgraf auch in der Partnerschaft mit den gesellschaftlichen Kräften und Institutionen, in der Ökumene und im Gespräch mit anderen Religionen einen ausgezeichneten Beitrag leisten" werde.

Wie geht es weiter angesichts des Priestermangels?

Eine der vordringlichsten Fragen, mit denen sich Kohlgraf wird befassen müssen, ist - wie in allen anderen deutschen Bistümern - die nach der künftigen Gestalt von Seelsorge und Kirchengemeinde angesichts des Priestermangels. Da passt es gut, dass Kohlgraf, der in Köln geboren und dort zum Priester geweiht wurde, Pastoraltheologe ist, sich also mit Theorien zur Umsetzung der christlichen Lehre vor Ort befasst hat – und dass er nicht nur Theorien kennt. Er war Schulseelsorger und Religionslehrer, bevor er vor fünf Jahren ins Bistum Mainz kam.

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Welche Ideen bringt Peter Kohlgraf als zukünftiger Bischof mit in sein Bistum Mainz? Ein Blick in die Publikationen des Wissenschaftlers gibt Aufschluss über die Ansichten des ernannten Oberhirten.

Seither lehrte und forschte er an der Katholischen Hochschule, engagierte sich als Pfarrvikar im Rheinhessischen, übernahm die theologische Begleitung des Prozesses "Sozialpastoral" im Bistum, brachte sich ein in die Überlegungen des Seelsorgeamtes zur Zukunft der Pfarrgemeinden.

Die Pfarrei ist für Kohlgraf nicht tot

Kohlgraf sieht durchaus, dass Veränderungen nötig sind. Er sagt aber auch, die klassische Pfarrei sei nicht tot, und er warnt davor, Altes gering zu schätzen. Er rät zu Gelassenheit und Gottvertrauen, spricht von dem "Mut, Wesentliches von Sekundärem zu unterscheiden und dies in geduldigen geistlichen Prozessen herauszufinden". "Es ist keine Schande zuzugeben", so Kohlgraf, "dass auch die Verantwortlichen keine klaren und eindeutigen pastoralen Lösungen für komplexe Themen im Gepäck haben".

Kohlgraf ist 50. Lehmann war 47, als er Bischof von Mainz wurde, hat es auf fast 33 Jahre an der Spitze des Bistums gebracht. Das wird Kohlgraf nicht schaffen. Aber immerhin: Bis zum Erreichen der gesetzten Altersgrenze von 75 Jahren sind es noch 25 - nicht selten gibt es einen Zuschlag. Ein Bischof für eine Übergangszeit ist Kohlgraf wohl nicht.

Von Peter de Groot (KNA)

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Auf den Professor für Dogmatik folgt der Professor für Pastoral: Mit Peter Kohlgraf ist wieder ein Wissenschaftler auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Seine Forschungen kann er nun in die Praxis umsetzen.